Gesichter der Branche

Wir machen Tiernahrung. So lautet der Slogan des Deutschen Verbands Tiernahrung seit Jahren. Er findet sich wieder auf Broschüren, Messeständen und im Internet. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Wer arbeitet in dieser Branche, welche Ausbildung haben diese Personen? Und was gehört alles dazu, um täglich hochwertige Futtermittel für Rind, Schwein, Geflügel etc. herzustellen? Der Verband hat dieses Jahr dazu eine Serie ins Leben gerufen.

Unter dem Titel „Gesichter der Branche: diese Menschen machen Futter“ zeigt der DVT dies in unregelmäßigen Abständen mit beispielhaften Personen, was so alles hinter den Kulissen passiert. So erhalten Außenstehende auch ohne eine persönliche Werksbesichtigung erste Einblicke in die tägliche Arbeit. Dies geschieht über kurze Informationen und Bilder, wer was in einem Futtermittelwerk macht und welche Bereiche alles dazugehören, um am Ende Futter in den Trog füllen zu können.

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„Das mit Säcken schleppen ist zu 99 Prozent überhaupt nicht mehr der Fall.“ – Nico Kleber war neugierig und wollte wissen, was denn in dem großen Werk in seinem Heimatort eigentlich hergestellt wird. Es war: Tierfutter! Ein Schulpraktikum ermöglichte ihm einen ersten Eindruck in den Berufsalltag des sogenannten Müllers – das hatte ihm so viel Spaß gemacht, dass er sich nach der Schule für einen Ausbildungsplatz bei der Firma bewarb. Innerhalb von drei Jahren wird er zum Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Getreidewirtschaft, Fachrichtung Müllerei – das, was früher Müller genannt wurde.

Gesichter der Branche: Nico Kleber

 

 

 

 

 

"Landwirtschaft heißt: ganz oder gar nicht." - Christoph Südbeck entdeckte sein Interesse für Schweine während seiner landwirtschaftlichen Lehre nach dem Abitur. Im Anschluss an die Lehre studierte er direkt in Osnabrück Agrarwissenschaften. Danach kam er zur Mischfutterbranche, in der er aktuell im Bereich Schwein tätig ist - zu 50 % im Außendienst/im Vertrieb und zu 50 % im Produktmanagement. Christoph Südbeck erzählt im neuen Video von seinem Berufsalltag.

Gesichter der Branche: Christoph Südbeck

 

 

 

 

Ulrike Schmoll arbeitet bei einem Hersteller für Mineralfuttermittel als Produktmanagerin und ist die Schnittstelle zwischen Innen- und Außendienst. Sie kommt ganz klassisch aus dem Außendienst, hat als Vertrieblerin angefangen. Sie liebt Reisen, aber ihr Zuhause ist die Kraichgauer Hüggellandschaft.

Gesichter der Branche: Ulrike Schmoll

 

 

 

 

Er ist Lebensmittelchemiker und Umweltanalytiker, in unserer Branche quer eingestiegen, mittlerweile Prokurist und nebenbei auch Musiker: Sascha Waibel.

Gesichter der Branche: Sascha Waibel

 

 

 

 

 

Wer arbeitet eigentlich alles in der Tiernahrungswelt?

Das Arbeiten in der Futtermittelindustrie ist vielfältig und spannend – haben die Produkte und Themen doch immer mit unserem täglichen Essen und Trinken und damit mit deren Qualität und Sicherheit zu tun. Und auch das tägliche Futter unserer lieben Begleiter wie Hund, Katze, Nager etc. sind ein spannendes Arbeitsgebiet. Die bisherigen Gesichter der Branche haben schon einiges dazu erzählt.

Viele Mitarbeiter haben einen direkten Bezug zur Landwirtschaft, kommen evtl. selbst vom Hof oder kennen die Arbeit mit Tieren aus dem weiteren privaten Umfeld. Manche haben Landwirt gelernt, viele haben Agrarwissenschaften studiert. Verschiedene Berufe finden sich in der Welt der Tiernahrung wieder, beispielsweise Kaufmann/-frau im Bereich Industrie-, Groß- und Außenhandel oder Industriemechaniker/in. Welche sonstigen Berufe und Positionen über den Ausbildungsweg, eine Weiterbildung oder über ein Studium erlernbar sind und sich in der Branche wiederfinden, zeigt die Übersicht. Quereinsteiger haben ebenfalls immer wieder gute Chancen und Möglichkeiten auf eine Karriere in der Welt der Futtermittel.

Müller & Co.: Gerade die Ausbildungsberufe beinhalten zumeist in der Öffentlichkeit wenig bekannte Chancen. Sicherlich gibt es bundesweit in anderen Branchen von der Anzahl her gesehen mehr Plätze in anderen Ausbildungsberufen – die große Chance, nach der Ausbildung vom Unternehmen übernommen zu werden, macht diesen Zweig aber besonders attraktiv. Einer der typischsten Berufe ist sicherlich der des Müllers/der Müllerin, heute offiziell Verfahrenstechnologin/e in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft genannt. Der Müller mit Zipfelmütze und Mehlsack über der Schulter – mit diesem nostalgischen Bild hat der Beruf heutzutage nichts mehr zu tun. Anstelle dessen stehen Futtermittelkunde, Elektro- und Automationstechnik, Anlagenplanung und mehr auf dem Lehrplan.

DVT-Schema Berufe

Schon als Kind war für Andreas Stein (48 Jahre alt) klar, dass er seinen Arbeitsalltag mit und für Menschen gestalten wird und nicht handwerklich-technisch arbeiten will. Da er immer sehr agil war, hat er nach der Ausbildung zum Außenhandelskaufmann und einer weiterführenden Ausbildung für sich entschieden, dass der reine akademische Weg oder der Weg eines Kaufmanns nur im Innendienst gar nicht seine Sache ist. Getreu Revolverheld ist er halt gern „immer in Bewegung“.

So ist er seit 1990 in der europäischen Futtermittelindustrie im Verkauf im Bereich Zusatzstoffe und Rohstoffe tätig. In der Zeit wurde er in verschiedenen Funktionen eingesetzt: vom Abwickler zum Innendienstverkäufer, über Außendiensttätigkeit und Verkaufsleitung bis hin zu Geschäftsführertätigkeiten.

Seit 2013 ist Andreas Stein in einem Konzern tätig, der dennoch mittelständisch geprägt ist. „An sich bin ich bestimmt kein Konzernkind. Ich durfte immer für mittelständische Unternehmen tätig sein. Dort waren die Strukturen schlank. Für mich war dort auch immer das richtige Maß an Mitgestaltung gegeben. In meinem jetzigen Bereich habe ich allerdings auch den nötigen, kreativen Freiraum, die Zukunft der gesamten Gruppe mitgestalten zu können. Der Begriff Verkauf ist nämlich meines Erachtens viel komplexer, als mancher sich vielleicht eher vorstellt. Verkauf beginnt mit: Planung, Lieferanten- und Kundenbetreuung, Produkt- und Marktentwicklung, Vorträge halten und Netzwerken – und endet: nie. Wo mein Smartphone ist, ist mein Büro. Aber ich liebe es.“

Die tägliche Arbeit von Andreas Stein ist sehr flexibel. So ist er häufig in Europa, demnächst auch für einige Projekte in Asien, unterwegs, um dort im sogenannten Bereich Business Development und Verkauf zu agieren. Dennoch gehören da natürlich auch Bürozeiten sowie Arbeitszeiten im Homeoffice dazu. „Im Büro ist es wichtig, sich mit den Kollegen über die neuen Entwicklungen der Märkte auszutauschen, Reisen und Kundenaktivitäten mit Kollegen besprechen oder interne Meetings abzuhalten. In meinem Büro kann ich da hingegen sehr konzentriert an strategischen Dingen arbeiten, wie Marketingplänen oder Budgets, oder Reisen vor- und nacharbeiten.
Für meine Art der Arbeit gehört natürlich das Verständnis für die eigene Familie dazu. Auch ganz wichtig eine tadellos funktionierende Infrastruktur im Unternehmen. Es bringt nämlich niemandem etwas, wenn gute Aktionen einfach verpuffen, weil sie niemand nacharbeitet. Auf meine Familie und meine Kollegen kann ich mich immer verlassen. Ohne sie wäre ich nämlich verlassen. Gerade meine Familie erdet mich sehr und unterstützt mich.“


Immer wichtiger wird die sehr enge Verbindung zwischen Verkauf und Lieferanten. So besteht auch ein Großteil seiner Arbeit in der Lieferantenbetreuung, um die Qualitäten überwachen zu können, über die neuen Projekte, Produkte und die Verkaufsentwicklung einen direkten Draht zu haben.

„So, wie ich arbeiten und leben darf, bin ich glücklich. Auch und gerade, weil die Arbeit in unserer Branche, der Futtermittelindustrie, von Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit geprägt ist. Es ist eine erweiterte Familie, halt eine „Futtermittelfamilie“. Dabei ist es auch ein gutes Gefühl zu wissen, dass man dazu beiträgt, die Menschheit gut zu ernähren.“

Vom Glück auf Erden, fürs Lieblingstier arbeiten zu dürfen: Stefanie Kolodziej (28) hat Agrarwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität studiert und ihre besondere Leidenschaft gilt den Pferden. Sie hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass sie ihre Leidenschaft so stark in ihren Job mit einbringen kann. Seit April 2015 ist sie Produktmanagerin für die Pferdefutterprodukte in einer Firma in Werder/Havel.

„Ich hatte besonderes Interesse an Tierernährung und durch Wahlkurse konnte ich mich darauf auch weiter spezialisieren. Mit acht Jahren habe ich mit dem Reiten angefangen und bin nun seit fast 12 Jahren auch Pferdebesitzerin. Durch meine Stute, die ich schon als Fohlen gekauft habe, musste ich mich mit der passenden Fütterung für jede Lebenslagen auseinandersetzen. Dadurch lernte ich alle typischen Tücken und Probleme kennen, die mit der Suche des passenden Futters für sein Pferd einhergehen.

Zu meiner jetzigen Position als Produktmanagerin für Pferdefutter gehört ein sehr breites und abwechslungsreiches Aufgabenfeld. Ich konnte dabei von Anfang an mein Wissen und meine Erfahrung aus dem Pferdebereich mit einbringen. Besonders spannend ist dabei, dass die Wünsche der Pferdebesitzer mit den ernährungsphysiologischen Bedürfnissen des Pferdes verbunden werden müssen.

Unsere Produkte basieren auf dem Rohstoff Apfel. Das heißt insbesondere mit Apfeltrester (entsafteter Apfel), Apfelpektin und Apfelmelasse. Jeder kennt doch das alte Hausmittel vom geriebenen Apfel, wenn man Durchfall hat. So ähnlich funktioniert das mit dem Apfelpektin als Ergänzungsfutter für Pferde. Unspezifischer Durchfall oder Kotwasser ist auch bei Pferden ein häufiges Problem. Das extrahierte Apfelpektin kann dabei die Verdauung auf natürliche Weise regulieren. Bei neuen Produkten oder Sorten binde ich oft meine „Pferde-Community“ mit ein – hier sammeln wir Erfahrungen, ob und wie das Produkt angenommen wird. Dieser Austausch ist sehr wichtig und bringt immer schon ein erstes Testurteil. Mir als Produktmanagerin gibt auch das direkte Feedback von Kunden, die mich anrufen oder mir mailen, sehr viel. Und diese freuen sich dann, dass sie so persönlich betreut werden und Fragen von mir beantwortet werden können.“

 

 

 

Gibt es eigentlich genug Nachwuchs in der Welt der Tiernahrungshersteller? Auf jeden Fall! Eines der jungen Gesichter ist Carolin Schneider (26 Jahre). Sie ist eine Powerfrau durch und durch: Die gelernte Pferdewirtin befindet sich derzeit im Master-Studium der Agrar-wirtschaft und arbeitet gleichzeitig im Außendienst eines Futtermittelherstellers.

„Ich liebe das Reiten und die Natur, ob auf dem Pferde-rücken, zu Fuß mit dem Hund oder auf dem Rad. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf nahe Mittweida auf einem Pferdehof. Ich lernte schon früh, Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen. Im Studium interessiert mich alles rund um die Nutztiere, deren Haltung, das Herdenmanagement, die Tiergesund-heitslehre, der Stallbau und die Tierernährung. Schon während meines ersten Praktikums sammelte ich Erfahrungen in der Rinderhaltung und lernte viel über die Tierernährung. Wenn ich damals nicht zum ersten Mal mit einem erfahrenen Außendienstler in Kontakt gekommen wäre, der heute noch mein Mentor ist, hätte ich nie diesen so interessanten Beruf kennengelernt. Und so kam es dann auch, dass ich mir mein Master-Studium dadurch finanziere, dass ich seit 2015 im Außendienst für eine niedersächsische Futtermittelfirma in Thüringen arbeite, die sich auf individuelle Vormischungen aus Vitaminen und Co. sowie Mineralfutter-mischungen spezialisiert hat. Außendienstarbeit und gleichzeitiges Studium? Klingt stressig – ist es auch. Aber es macht so viel Spaß!

Mittlerweile befinde ich mich im 3. Master-Semester in einem Pflichtpraktikum, das ich in Vollzeit in der Firma absolviere. An vier Tagen in der Woche fahre ich Ställe an, berate in Fragen zur Fütterung, Haltung und Gesunderhaltung der Tiere und bereite kundenspezifische Angebote vor. Einen Tag pro Woche brauche ich dann, um Berichte zu schreiben etc. Bei all diesen Aufgaben stehe ich in engem Kontakt mit meinen erfahrenen Kollegen, das hilft mir sehr.

Der Praxisbezug ist mir sehr wichtig: Für die Masterarbeit führe ich einen Versuch im Kälberbereich in einem Stall in Sachsen durch. Ich hoffe, dass die Versuchsergebnisse ein weiterer Schritt sind, um die Kälberhaltung zu verbessern. Nach dem Studium würde ich gern weiter im Außendienst arbeiten und Tierhalter bei ihrer Arbeit unterstützen. Es macht mir besonders viel Spaß, wenn man gemeinsam mit dem Tierproduktionsleiter Probleme angeht und dazu beitragen kann, dass die Tiere optimal versorgt und gehalten werden. Auch die bestmögliche Rationsgestaltung verschiedener Tiergruppen ist immer wieder eine tolle Herausforderung. Das ist in jedem Stall immer wieder anders. Dabei stehen die Bewertung von Grundfutter, der Einsatz von Zusatzkomponenten, die Art der Fütterung und das Herdenmanagement sowie bauliche Bedingungen im Stall und die Klimagestaltung in einem extrem engen Zusammenhang. Das muss alles zusammen betrachtet werden.

Was mich nervt, ist die fehlende Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber der Landwirtschaft, der starke Preisverfall und die Tatsache, dass die landwirtschaftlich erzeugten Produkte nicht wertgeschätzt werden. Der Beruf des Landwirts umfasst 365 Tage im Jahr, denn ein Tier muss täglich versorgt werden, es kennt keine Sonn- und Feiertage. Dieser Beruf ist auch körperlich harte Arbeit und geistig anspruchsvoll. Man steht täglich vor neuen Situationen und muss diese äußerst schnell lösen, um die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere weiterhin voll gewährleisten zu können. Das alles wissen die Wenigsten. Ich wünsche mir, dass jeder Verbraucher ein Bewusstsein dafür entwickelt, woher die Lebensmittel kommen, die täglich zum Kauf bereit stehen und wie hart dafür gearbeitet wurde.“


 

 

 

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