Rinder
Fütterung von Milchvieh, Mastrind und Kalb
Besondere Anforderungen bei Wiederkäuern
Rinder gehören zu den Wiederkäuern. Daher ist bei aller Berücksichtigung von Energiebedarf und Proteinbedarf immer auch auf eine wiederkäuergerechte Ration zu achten. Rinder sind Pflanzenfresser und benötigen strukturwirksames Futter. Dies bedeutet, dass man bei der Futterzusammenstellung mit Grobfutter und Ergänzungsfutter die Abläufe im Vormagen der Wiederkäuer, dem Pansen, berücksichtigen muss. Daher kommen rohfaserreiche und sturkturwirksame Komponenten in Rationen zum Einsatz, die aufgrund ihres hohen Rohfaseranteils von Monogastriern nicht oder nur schwer verwertet werden können. Für Wiederkäuer sind sie jedoch besonders gut geeignet.
Milchvieh
Ein wesentlicher Anteil der Ration von Milchkühen basiert auf dem im eigenen Betrieb erzeugten Grobfutter (Gras, Grassilage, Maissilage, Heu). Daher sind alle Mischfutter für Milchkühe in der Regel Ergänzungsfutter. Die Aufgabe der Ergänzungsfutter ist einerseits, die Nährstoffgehalte der Grundfutter im Hinblick auf eine ausgewogene Ration auszugleichen. Andererseits ergänzen bestimmte Typen der Ergänzungsfutter (Milchleistungsfutter) die gesamte Ration im Hinblick auf die vollständige, optimale Nährstoffversorgung, um eine möglichst hohe Milchleistung zu ermöglichen.
Die klassische Milchviehfütterung kennt somit drei Bestandteile der täglichen Gesamtration:
- Das Grundfutter
- Das Ausgleichsfutter (Ergänzungsfutter), das alle Imbalancen des Grundfutters ausgleicht
- Das Milchleistungsfutter, das die ausgeglichene Grundration hinsichtlich der erforderlichen Nährstoffversorgung für optimale Milchleistung ergänzt.
Sehr wichtig ist die ausreichende Ergänzung der Ration mit allen Mineralstoffen. Auf eine ausreichende Calcium- und Magnesiumversorgung ist in der Milchviehfütterung dabei besonders Wert zu legen. Dies wird in der Regel durch eine tägliche Gabe von Mineralfuttern gewährleistet.
Mastrind
Die Grundlage jeder Rindermastration ist das in den Tierhaltungsbetrieben in der Regel selbst erzeugte Grobfutter (Maissilage, Grassilage, Weide). Dieses reicht aber in seiner Nährstoffzusammensetzung nicht aus, um das hohe Wachstumspotenzial der Mastrinder vollständig auszuschöpfen und eine wirtschaftliche Mast zu ermöglichen.
Die Grobfutter müssen daher je nach ihrer Art mit den fehlenden Nährstoffen ergänzt werden. Dies gilt sowohl für den Anteil an Hauptnährstoffen (Energie, Rohprotein) als auch an Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Wirkstoffen. Die Mischfutterindustrie bietet speziell für die Rindermast Ergänzungsfutter an, die sowohl hohe Tageszunahmen als auch eine gute Schlachtkörperqualität ermöglichen
Besonders wichtig ist die richtige Versorgung mit Mineralstoffen, die in der Rindermast in der Regel über Mineralfutter sichergestellt wird. Mineralfutter sind insoweit eine besondere Form der Ergänzungsfutter.
Kalb
Da die Kälber von heute die Milchkühe von morgen sind, ist eine gezielte Fütterungsstrategie in der Aufzucht von zentraler Bedeutung für Wachstum, Gesundheit und die spätere Leistungsfähigkeit. In den ersten Lebenswochen ist das Kalb aus physiologischer Sicht noch kein Wiederkäuer und auf die Hauptnährstoffquelle Milch angewiesen. Vor allem sollte in den ersten Stunden nach der Geburt auf eine ausreichende Versorgung der Kälber mit qualitativ hochwertigem Kolostrum geachtet werden. Milchaustauscher für Kälber dienen der Aufzucht der Nachkommen der Milchkühe oder der Kälbermast. Sie bestehen aus pflanzlichen Proteinen, pflanzlichen Energieträgern, leicht verdaulichen Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen und können Bestandteile aus der Milchverarbeitung enthalten. Die Milchaustauscher werden in den Tierhaltungsbetrieben in Wasser aufgelöst und häufig über Tränkeautomaten verabreicht. Dabei wird zwischen restriktiver oder Ad-libitum-Fütterung unterschieden. Ferner werden die Milchaustauscher häufig angesäuert, was einerseits der verbesserten Haltbarkeit der Tränken dient und andererseits Verdauungsstörungen bei Kälbern vorbeugen kann.
Ein typischer Milchaustauscher für Mastkälber enthält durchschnittlich:
- 20 % Rohprotein
- 1,75 % Lysin
- 20 % Rohfett
- 1,5 % Rohfaser
- 10 % Rohasche
- 1 % Calcium
- 0,7 % Phosphor
- 0,15 % Magnesium
- 0,5 % Natrium
Spätestens nach ihrer Tränkephase sind Kälber auch ernährungsphysiologisch als Wiederkäuer zu sehen. Für eine gute Entwicklung des Pansens muss eine frühzeitige Zufütterung mit Raufutter erfolgen. Um eine zügige Aufzucht und eine schnelle Entwicklung der Tiere zu erreichen, ist es erforderlich, den Tieren mehr Nährstoffe zuzuführen, als dies über die Grundfuttergaben aufgrund des noch geringen Pansenvolumens möglich wäre. Daher haben sich speziell für die Kälberaufzucht entwickelte Ergänzungsfutter bewährt. Sie führen den Tieren die erforderlichen Nährstoffe in leicht verdaulicher Form zu, ohne dabei die Entwicklung des Wiederkäuerverdauungssystems negativ zu beeinträchtigen. Eine gezielte und sorgfältige Auswahl der Komponenten in den Ergänzungsfuttern ist daher besonders wichtig. Zu berücksichtigen ist ferner, dass vor allem in der Phase der Umstellung von der Milchtränke auf feste Futtermittel Verdauungsstörungen vermieden werden.
Neben der Fütterung ist es essenziell, Kälber ab dem ersten Lebenstag mit hygienisch einwandfreiem Wasser zu versorgen. Eine sehr frühe Wasserversorgung fördert die Pansenentwicklung und erhöht die Verfügbarkeit von Nährstoffen aus der Pansenfermentation. Diese Nährstoffe sind wichtig für das Wachstum und die Entwicklung der Kälber.