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Nachgefragt: Zur WWF-Studie – wie viel Gentechnik ist „auf dem Teller“?

Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT)

In dieser Woche (21.08.2012) veröffentlichte WWF Deutschland eine Studie zum Thema gentechnisch veränderter Produkte. „Wer konventionelles Schweine- und Hühnerfleisch isst, muss davon ausgehen, dass die Tiere zuvor mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden.“ Der WWF weist darauf hin, dass über 80 Prozent aller Soja-Importe für den deutschen Markt aus gentechnisch veränderten Bohnen stammen. Um den Verbrauchern die Wahl zu ermöglichen, forderte der WWF deshalb eine entsprechende Kennzeichnungspflicht auf alle tierischen Produkte. Wie lassen sich die Zahlen einordnen? Wie viel Gentechnik haben wir tatsächlich auf dem Teller? Folgende Eckdaten geben einen ergänzenden Einblick und Hintergrundinformationen.

 

Mengen und Marktanteile

·         Rund 80 Prozent des in Deutschland zur Fütterung eingesetzten Sojaschrotes stammt tatsächlich aus gentechnisch veränderten Sojabohnen. Das sind ca. 3,5 Millionen von insgesamt ca. 4,5 Millionen Tonnen. Der Marktanteil von nicht gentechnisch veränderten Sojaprodukten (non-gv) liegt also bei etwa 20 Prozent und ist in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gewachsen.

·         Soja ist aber nur ein Rohstoff im Speiseplan der deutschen Nutztiere: Insgesamt fressen Rinder, Schweine und Geflügel rund 80 Millionen Tonnen Futter. Davon sind etwa 10 Prozent nicht heimischer Herkunft und stammen aus anderen EU-Ländern und Drittländern. Etwa die Hälfte dieser Importe, also 5 Prozent der gesamten Futtermenge entfällt auf Soja.

 

Angebot und  Verfügbarkeit von „non-gv“-Sojaschrot

·         Die einzige Quelle für non-gv-Soja mit signifikanten Mengen ist Brasilien. Hier entwickelt sich der Anbauflächenanteil leider kontinuierlich zurück. Dies verdeutlichen die steigenden Zahlen zur Entwicklung des gv-Soja-Anbaus: 2005/2006 waren es 45 Prozent, 2010/2011 76 Prozent, 2011/2012 etwas über 80 Prozent. Einige Marktanalysten erwarten für 2012/2013 eine weitere Steigerung auf über 90 Prozent; die Angaben schwanken aber  je nach Quelle.

·         Das Gesamtvolumen von „non-gv“-Ware (als solche vermarktet) liegt nach Auskünften von Zertifizierern zwischen 5 und 7 Millionen Tonnen. Die weitere Entwicklung ist schwer abzuschätzen, weil sie letztlich von den Preisaufschlägen abhängt, die die Soja-Farmer vor Ort erzielen können.

·         Die Prämien bzw. Preisaufschläge für non-gv-Ware haben sich im langfristigen Trend stetig nach oben entwickelt. Derzeit werden Größenordnungen zwischen 50 und 70 US-Dollar/Tonne genannt, also etwa 10 – 15 Prozent des Preises. Es gibt allerdings für kurzfristige Bestellungen zum Teil deutliche Ausschläge nach oben, dies ist abhängig von der Verfügbarkeit. Bei den Kosten sind noch die Zertifizierungskosten in den Stufen Futtermittelherstellung, Landwirtschaft sowie Molkerei hinzuzurechnen.

 

Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Futtermitteln

·         gv-Futtermittel oder deren Verarbeitungserzeugnisse müssen ausdrücklich als solche gekennzeichnet werden. Das gilt sowohl für Futtermittelbestandteile als auch für Mischfutter, die diese Komponenten enthalten. Volle Transparenz ist demnach gewährleistet – der Landwirt/Tierhalter kann dies direkt auf dem Lieferschein bzw. der Deklaration erkennen. Für tierische Lebensmittel gilt ein anderes Kennzeichnungsprinzip: Die Auslobung „ohne Gentechnik“ ist eine Negativkennzeichnung und besagt, dass keine gentechnisch veränderten und kennzeichnungspflichtigen Futtermittel eingesetzt worden sind.

·         Der DVT begrüßt grundsätzlich eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gentechnik-Kennzeichnungsrecht, da die Praxis immer wieder zeigt, dass die bestehenden Regelungen für die Mehrheit der Verbraucher nicht transparent genug sind. Dies beträfe dann aber nicht nur alle tierischen Produkte. Eine umfassende Verbrauchertransparenz im Bereich Gentechnik kann nur dann entstehen, wenn neben Milch, Fleisch und Eiern sämtliche Lebensmittel einschließlich pflanzlicher und zusammengesetzter Produkte, in deren Werdegang gentechnische Verfahren Anwendung fanden, in die prozessbezogene Kennzeichnung aufgenommen werden.

 

Marktentwicklung „ohne Gentechnik“

·         Die Darstellung des WWF suggeriert, dass Verbraucher keine Wahl in Bezug auf den Einsatz von gv-Futtermitteln haben. Das ist etwas irreführend; in Deutschland gibt es seit 2008 die erwähnte Möglichkeit der Auslobung „ohne Gentechnik“ (s. o.). Dieses Marktsegment hat sich in den zurückliegenden Jahren gut entwickelt, wie auch an den Marktanteilen für entsprechende Futtermittel abzulesen ist. Diese liegen aktuell in der Geflügelmast zwischen 60 und 80 Prozent, für die Eiererzeugung bei 40 Prozent und für die Milcherzeugung bei 10 Prozent (mit stark steigender Tendenz).

Weiterführende Links

Pressemitteilung des WWF vom 21.08.2012: http://www.presseportal.de/pm/6638/2310105/gentechnik-auf-dem-teller-wwf-studie-gentechnisch-veraendertes-soja-domminiert-deutschen-markt

DVT-Info zu gentechnisch veränderten Futtermittel:

dvtiernahrung.de/591.html

DVT-Position zum Gesamtkomplex Grüne Gentechnik:

dvtiernahrung.de/40.html

 

 

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