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Grain Club: Position zum Greening innerhalb der EU GAP-Reform - Versorgungssicherheit nicht leichtfertig gefährden!

Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT)

Berlin/Bonn/Hamburg. Der Grain Club hält die von der Kommission vorgelegte Greening-Konzeption für nicht zielführend und hat ein Positionspapier dazu verfasst. Die Einführung ökologischer Vorrangflächen kommt einer Flächenstilllegung gleich und ist nicht nachhaltig. Darüber hinaus bestehen zu große Unterschiede innerhalb der EU, die Pauschallösungen nicht zulassen. Eine Einschränkung des Anbaus in Europa würde eine Produktionslücke aufreißen, die in anderen Ländern der Welt nicht mit der gleichen Flächeneffizienz wie in Europa kompensiert werden könnte.

Die Vorschläge der Europäischen Kommission zur GAP-Reform sehen eine stärkere Verankerung von Umweltaspekten innerhalb der Agrarpolitik der Europäischen Union vor. Einer der „Greening“-Vorschläge ist die Ausweisung ökologischer Vorrangflächen: Sieben Prozent der Fläche eines Betriebes sollen nach den Vorschlägen der EU-Kommission vom Oktober 2011 als ökologische Vorrangfläche zur Verfügung gestellt werden. Bei der Ausgestaltung dieser Maßnahme bleibt die EU Kommission bislang uneindeutig, es kursieren jedoch bereits eine Reihe politischer Forderungen für Definitionen und anrechenbare Nutzungen dieser Flächen.

Aus Sicht des Grain Clubs sind ein nachhaltiger Anbau und die Beachtung von Umweltaspekten für die Agrarwirtschaft essenziell. Es gilt, langfristig Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität zu erhalten. Dafür sind Maßnahmen in der 2. Säule der GAP sinnvoll, nicht jedoch Eingriffe in der 1. Säule. Vor diesem Hintergrund hält der Grain Club die von der Kommission vorgelegte Greening-Konzeption für nicht zielführend.

Die deutsche und die europäische Agrar- und Ernährungswirtschaft sind in die globalen Warenströme eingebunden und tragen ihren Teil zur weltweiten Versorgung bei. Angesichts der Herausforderung, zukünftig neun Milliarden Menschen mit ausreichend und qualitativer Nahrung sowie mit nachhaltiger Energie zu versorgen, stellt sich die Frage, inwiefern eine Reduzierung der Anbauintensität in Deutschland und der EU zu verantworten ist. In der Wirkung käme eine solche Maßnahme einem Flächenstilllegungsprogramm gleich; dies wäre nicht nachhaltig im Sinne der Versorgungssicherheit und des globalen Flächenverbrauchs.

Deutschland ist ein Hochertragsstandort mit sehr guten klimatischen und ackerbaulichen Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Hiesige Erträge an Weizen, Gerste und Raps werden in kaum einem anderen Land der Welt erzielt. Die Reduzierung der Anbauintensität in Deutschland würde zu entsprechenden Produktionsrückgängen führen. Selbst wenn es zur Anrechnung bisheriger Agrarumweltprogramme käme, würde auf drei, fünf oder sieben Prozent der Anbaufläche ein entsprechender Produktionsrückgang zu verzeichnen sein: Beispielsweise fünf Prozent weniger Anbaufläche in Deutschland hieße daher fünf Prozent weniger Produktion. In Deutschland würden statt der 45 Mio. Tonnen Getreide im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre nur noch 42,8 Mio. Tonnen produziert. Der Anbau von Raps würde von durchschnittlich 5,3 Mio. Tonnen auf gut 5 Mio. Tonnen fallen.  

Diese Produktionsrückgänge scheinen zunächst wenig besorgniserregend zu sein. Auf die EU insgesamt bezogen zeigt sich aber deren Dimension: Europa ist für diese Kulturen eine der wichtigsten Anbauregionen mit den weltweit höchsten Flächenerträgen. So wurden in der EU in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt 284 Mio. Tonnen Getreide geerntet. Eine Reduktion um fünf Prozent würde diese Produktion auf 270 Mio. Tonnen sinken lassen. Die Nettoexporte, d. h. die Exporte abzüglich der Importe, beliefen sich auf durchschnittlich nur 10,6 Mio. Tonnen. Das sind 3,7 Prozent der EU Produktion. Würde die Getreideproduktion in den 27 Mitgliedstaaten um fünf Prozent fallen, wäre die EU in sehr vielen Jahren Nettoimporteur von Getreide! Die EU ist insbesondere in Nordafrika ein wichtiger und zuverlässiger Lieferant. Aufgrund der im weltweiten Vergleich sehr stabilen Erträge der EU Landwirte können die Importländer Nordafrikas bedient werden, selbst wenn die Exporte aus der Schwarzmeerregion witterungsbedingt ausbleiben. Diese Lieferungen würden sehr viel schwieriger werden, wenn das Produktionspotential der EU so deutlich eingeschränkt würde wie derzeit geplant.

Gleichzeitig müsste die Produktionslücke durch die Ausdehnung des Anbaus in anderen Ländern geschlossen werden, Länder, die in der Regel ein deutlich niedrigeres Ertragsniveau ausweisen. Weltweit würde somit bei gleichem Produktionspotenzial sehr viel mehr Fläche in Bewirtschaftung genommen werden müssen. In der Weltwirtschaft sichert die internationale Arbeitsteilung, bzw. die Spezialisierung auf die am jeweiligen Standort am besten angepassten Kulturen die effizienteste Nutzung der vorhandenen Fläche und damit den geringsten Flächenverbrauch! An diesem Sachverhalt ändert sich grundsätzlich auch dann nichts, wenn auf den Stilllegungsflächen der Anbau von Alternativkulturen mit sehr viel geringerem Ertragspotenzial zugelassen wird. Zwar würden hierdurch in begrenztem Umfang Importe von Eiweißfuttermitteln ersetzt werden können, die EU würde sich aber beim Getreide vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur wandeln und die Importabhängigkeit bei Ölsaaten würde sich weiter erhöhen!

Auch ist der ökologische Nutzen einer Flächenstilllegung oder einer Begrenzung des Anbaus auf bestimmte, weniger ertragreiche Ackerfrüchte auf einen pauschalen Prozentsatz der Fläche eines jeden Betriebes fragwürdig. Sowohl die regionalen Effizienzen sind sehr unterschiedlich als auch die lokale Notwendigkeit von ökologischen Vorrangflächen. So konstatierten Wissenschaftler der Universität Göttingen aus verschiedenen Disziplinen kürzlich in einem Diskussionspapier zu der EU GAP-Reform und den Greening-Vorschlägen, dass eine Vernetzung von Biotopen eine wesentlich sinnvollere ökologische Maßnahme sei als eine pauschale, mathematisch übergestülpte Flächenstilllegung, gerade im Hinblick auf Hochertragsstandorte. Zudem hegen Wissenschaftler wie zuletzt vom Johann Heinrich von Thünen-Institut erhebliche Zweifel an der Effizienz und „Treffsicherheit“ der Umsetzung der Greening-Vorschläge. So wird von vergleichsweise hohen administrativen Kosten gegenüber einem nur relativen Wirkungsgrad der Greening-Maßnahmen ausgegangen.


Kontakt Grain Club Sekretariat bis zum 31.12.2012:
OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V.
Am Weidendamm 1A
10117 Berlin
Tel.: 030 726 259-0
E-Mail: sprick@ovid-verband.de

Über den Grain Club
Der Grain Club ist eine Allianz von Verbänden der Lebens- und Futtermittelwirtschaft. Die Mitglieder des Grain Clubs repräsentieren die verschiedenen Stufen der Getreide-, Futtermittel- und Ölsaatenwirtschaft. In der Wertschöpfungskette der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind die Mitgliedsunternehmen dieser Verbände in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen Verarbeitung, Herstellung und Handel tätig. Zum Grain Club gehören:

  • Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft e. V.
  • Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V.
  • Deutscher Raiffeisenverband e. V.
  • Deutscher Verband des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen e. V.
  • Deutscher Verband Tiernahrung e. V.
  • OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V.
  • Verband Deutscher Mühlen e. V.
  • Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e. V.

http://www.grain-club.de

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