Bonn. Die deutsche Futtermittelindustrie schaut mit Zuversicht auf das Ende des Jahres, weil eine um etwa zwei Prozent höhere Produktion erwartet wird. Damit hätte sich die Mischfutterproduktion wieder bei rund 22 Millionen Tonnen eingependelt. Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung des DVT, konstatiert: „Das ist sicherlich eine gute Zahl, es darf aber nicht über die gesamte Marktlage und auch die allgemeine Entwicklung der Landwirtschaft hinwegtäuschen, die weiterhin sehr verunsichernd sind“.
Einerseits belasten erneut Tierseuchen die Situation in einzelnen Gebieten Deutschlands: Im Herbst fielen einzelne Geflügelbestände der Geflügelgrippe zum Opfer, was durch die in der Folge nicht mehr mögliche Stallbelegung Auswirkungen auf die Mischfutterlieferung haben wird. Andererseits bleibt die zögerliche Haltung der Landwirte bei Investitionen eine Hürde, die es zu überwinden gilt. Die Stimmung ist weiter angespannt, auch im Mischfutterbereich. Von der neuen Regierung werden Entscheidungen erwartet und noch überwiegt die Zuversicht.
Rahmenbedingungen und Nachhaltigkeit
Dies wurde auch in den konsequenten Entscheidungen zur Vereinfachung verschiedener gesetzlicher Regelungen wie der EU-Entwaldungsverordnung oder dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz deutlich. „Allerdings ist es für die gesamte Wirtschaft eine mühevolle Aufgabe, den Behörden- und Verwaltungsdschungel auf weitere Vereinfachungen zu durchforsten und diese umzusetzen sowie schließlich die Institutionen davon zu überzeugen, dass mit den Vereinfachungen der hohe Standard der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit erhalten bleibt“, führt Baaken weiter aus.
Für die komplexen Anforderungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung unterstützt die Futtermittelindustrie die QS-Klimaplattform, die einen ersten wichtigen Beitrag zur einheitlichen Dokumentation liefert. Die Branche bringt sich mit der seit langem existierenden Bewertung der Mischfutterkomponenten nach einem internationalen Standard ein, der auf einem FAO-Bewertungssystem basiert. Wir als DVT sehen die umfangreichen Verordnungen zur Nachhaltigkeit kritisch, denn ein großer Teil des in Europa eingesetzten Sojas ist heute bereits entwaldungsfrei. Hierzu werden wir im kommenden Jahr einen Bericht veröffentlichen.
Versorgungssicherheit und Zusatzstoffe
Mit Blick auf die Versorgungssicherheit bei den Rohstoffen kann konstatiert werden, dass die Märkte stärker als in den letzten Jahren sensibel reagieren, was sich auch in Diskussionen um Zölle zeigt. Zugleich stammt rein objektiv der überwiegende Teil der Rohstoffe für die Fütterung weiterhin aus dem eigenen Land. Dennoch besteht eine Lücke von elf Prozent auf der Basis der Rohproteinbewertung.
Um die heimischen Nutztiere artgerecht und ausreichend zu versorgen, ist Deutschland langfristig auf die Importe hochwertiger Eiweißfuttermittel, insbesondere Soja, angewiesen. Dr. Hermann Josef Baaken betont: „Diese Abhängigkeit ist kein politisches Versäumnis, sondern das Ergebnis einer fachlichen Realität. Der Bedarf unserer Nutztiere an hochwertigem und verdaulichem Protein übersteigt die Möglichkeiten der heimischen Eiweißpflanzenproduktion bei weitem.“
Während die weltweite Verfügbarkeit von Sojaschrot unproblematisch ist, stellt sich die Lage bei Futterzusatzstoffen anders dar. Analysen zeigen, dass die Lieferkette für essenzielle Futtermittelzusätze als kritisch betrachtet werden muss. Maßnahmen sind erforderlich, um den Trend umzukehren und die Verletzlichkeit der EU zu mindern. „Unsere Studie zeigt deutlich, dass der wichtigste begrenzende Faktor für die EU-Autonomie bei Aminosäuren und Vitaminen die Wettbewerbsfähigkeit zu Drittländern ist, insbesondere zu China“, so Baaken. Ad-hoc-Maßnahmen sind notwendig, um der Vitamin- und Aminosäureproduktion zu ermöglichen, auf Augenhöhe mit Produzenten aus Drittländern zu konkurrieren, etwa durch die Senkung der Produktionskostenfaktoren. Die Studie zeigt außerdem, dass eine Diversifizierung der Beschaffung nur begrenzt möglich sein kann. Das bedeutet, dass die Versorgungssicherheit vieler Futtermittelzusätze eine Rückverlagerung der Produktion in die EU und in Nachbarländer wie Großbritannien und die Schweiz erfordert. Dies wiederum setzt eine unterstützende Industriepolitik voraus, um bestehende Produktionskapazitäten zu sichern und Investitionen in neue Kapazitäten zu ermöglichen.
Über den DVT
Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) vertritt als unabhängiger Wirtschaftsverband die Interessen der Unternehmen, die Futtermittel, Vormischungen und Zusatzstoffe für Nutz- und Heimtiere herstellen, lagern und damit handeln.
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