Tiernahrung im Nordosten: Politik soll wissenschaftliche Fakten berücksichtigen

16.04.2018 14:15

Hamburg/Bonn. Die Regionalgruppe Nord-Ost des Deutschen Verbands Tiernahrung e. V. (DVT) tagte vergangene Woche in Hamburg. Rund 60 Futterhersteller sowie Gäste tauschten sich mit Experten zu aktuellen Themen aus. Der DVT-Regionalgruppenvorsitzende Dr. Gunnar Springer betonte in seiner Eröffnungsrede: „Wir sitzen gemeinsam mit allen Beteiligten der Lebensmittelkette in einem Boot und leiden täglich mit, wenn angebliche Forderungen der Verbraucher im Lebensmittelhandel umgesetzt werden, auch wenn es dafür keine gesetzlichen Vorgaben gibt.“ Wichtig sei für die Tiernahrungshersteller auch die Weiterentwicklung der europäischen Agrarpolitik: „Wir brauchen den ungehinderten Zugang zu den internationalen Rohstoffmärkten unter quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten. Wer glaubt, wir könnten uns allein mit Rohstoffen aus Europa versorgen, irrt.“

Gute Marktlage – Zukunft mit einigen Herausforderungen

Nach den vorläufigen statistischen Erhebungen haben die Mischfutterunternehmen im Kalenderjahr insgesamt 24,1 Millionen Tonnen Mischfutter hergestellt. Das ist somit ein ganz leichtes Plus von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde die zweithöchste jemals in Deutschland hergestellte Produktionsmenge erreicht, nur 2014 war die Menge mit ca. 24,5 Millionen Tonnen etwas höher. Rund 11,7 Prozent des gesamten Mischfutters wurde in Hamburg und Schleswig-Holstein produziert, weitere 6,6 Prozent in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. 2017 war besonders erfreulich die Absatzsteigerung in der von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) statistisch erfassten Region Ost von rund 5,4 Prozent. Der Absatzzuwachs im Norden war mit 1,5 Prozent nur minimal. „Die Entwicklungen beim Milchpreis, die drohende Schweinepest, die Initiative Tierwohl und das von der neuen Bundesregierung angekündigte staatliche Tierwohl-Label – dies alles sind Faktoren mit beachtlichem Einfluss auf die weitere Entwicklung unserer Branche“, so Dr. Springer.

Appelle an die Politik
Dr. Springer appellierte in seiner Rede auch an die Politik, auf der Basis wissenschaftlicher Argumente den Anbau von Ackerkulturen unter Nutzung der technischen Möglichkeiten voranzubringen. Dazu gehöre auch die Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl von Pflanzenschutzmitteln, die eine hohe Qualität des Erntegutes und die erforderliche Ertragssicherung garantierten. Nicht zuletzt betreffe dies auch Glyphosat. „Marktschreier dürfen nicht die Lufthoheit über derart wichtige Entscheidungen bekommen“, warnte Dr. Springer.

Prof. Dr. Friedhelm Taube, Direktor des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Universität Kiel, appellierte in seinem Vortrag an die verantwortlichen Akteure der Agrarpolitik in Deutschland, den eindeutigen Einfluss von Lobbygruppen auf agrarpolitische Entscheidungen zu reduzieren. Die wissenschaftlich fundierten Empfehlungen der vom BMEL eingesetzten Fachleute wären in wesentlichen Punkten nicht berücksichtigt worden und würden zu erheblichen zusätzlichen Kosten für die Umwelt führen, die von allen Bürgern zu zahlen seien. Er ermahnte die Entscheidungsträger, die Vorgaben der Gemeinsamen Agrarpolitik zur Verpflichtung, mit den Zahlungen aus der ersten Säule auch Leistungen für Wasser-, Klima- und Biodiversitätsschutz zu erbringen, auch einzuhalten. 

Für das im Raum stehende Verbot von Glyphosat sieht Prof. Taube keine wissenschaftliche Evidenz, ebenso für die damit assoziierte Forderung nach gentechnikfreiem Soja aus Südamerika. Für den Einsatz von Glyphosat warb er dafür, Sorge zu tragen, dass für die in Südamerika erzeugten Sojabohnen verbindlichen Zertifizierungssysteme den Ansprüchen an eine nachhaltige Produktion (Fruchtfolge, Sozialstandards etc.) genügen. Die aus dieser Region kommende Ware diene dem fairen Welthandel und sei für Deutschland eine bessere Alternative als die Suggestion, man könne mit heimischem Körnerleguminosenanbau auch nur ansatzweise Bedarfslücken schließen.

Landtagsabgeordneter Heiner Rickers (CDU) besteht auf dem Erhalt der ersten Säule in den Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik. Er sieht die deutlichen Auswirkungen der Stickstoffbegrenzungen für die tierische Veredlung mit großer Sorge: „Wir werden entweder die tierische Veredlung verlagern oder reduzieren müssen.“

Über den DVT/die DVT-Region Nord-Ost
Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) vertritt als unabhängiger Wirtschaftsverband die Interessen der Unternehmen, die Futtermittel, Vormischungen und Zusatzstoffe für Nutz- und Heimtiere herstellen, lagern und damit handeln. Die Regionalgruppe beschäftigt sich mit regionalspezifischen Belangen in den nordöstlichen Bundesländern. In der Regionalgruppe Nord-Ost sind alle Mitgliedsfirmen des DVT zusammengeschlossen, die ihren Firmensitz oder Zweigwerke in den Ländern Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und/oder Schleswig-Holstein haben.

Pressemitteilung zum Download

Kontakt: Britta Noras (Pressereferentin)

Tel: 0228 97568-23  •  Fax: 0228 97568-68

E-Mail: noras@dvtiernahrung.de


 
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