Fütterung ohne Gentechnik – Wunsch oder Realität? Futtermittelbranche fordert konstruktive Debatte über Machbarkeit

17.03.2015 12:05

Berlin/Bonn. Die Diskussion über die Umsetzung und Wege, Lebens- und Futtermittel ohne die Verwendung von gentechnisch veränderten Rohwaren herzustellen, ist und bleibt aktuell. Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) betonte anlässlich seiner Jahrespressekonferenz, dass die Futtermittelwirtschaft eine branchenweite Verpflichtung zur GVO-freien Fütterung ablehne, weil sie nicht realisierbar sei. Der DVT forderte stattdessen die Beteiligten der gesamten Wertschöpfungskette auf, sich in einer konstruktiven Debatte an der Erarbeitung von hochwertigen und praktikablen, realisierbaren Lösungen zu beteiligen. DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken betonte: „Dafür ist vor allem das gegenseitige Vertrauen erforderlich, und die ernsthafte Bereitschaft, in definierten Schritten einen Konsens zu finden, den alle mit tragen und unter Beachtung wirtschaftlicher Notwendigkeiten umsetzen können.“

Die Herstellung von Produkten ohne Rohstoffe, die mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verändert sind, ist mittlerweile zu einem Qualitätskriterium geworden, auch wenn es formal-rechtlich vorrangig ein Deklarationsthema ist. Seit dem vergangenen Jahr verstärken sich die Anforderungen aus dem Markt, Lebensmittel und damit auch Futtermittel gentechnikfrei zu produzieren. Dabei lassen die Wünsche der Lebensmittelwirtschaft oft die derzeitigen weltweiten Warenströme, gegenseitige Versorgungsabhängigkeiten von Rohwaren und verschiedenen rechtlichen Vorgaben außer Acht. Neben länderspezifisch unterschiedlichen GVO-Grenzwerten und differierenden gesetzlichen Regelungen für die Anerkennung und Kennzeichnung gibt es immer wieder Verzögerungen in den Zulassungen von GVO-Events für den Import und die Verfütterung in der Europäischen Union. Dies alles erschwert den Handel und die realistisch verfügbare Menge an Proteinlieferanten wie Soja.

Eine dramatische Veränderung und deutliche Wettbewerbsverzerrung würde es zudem geben, wenn zukünftig für Importe in den einzelnen EU-Ländern Verbote ausgesprochen werden dürften. „Dies widerspricht den Grundregeln des freien Welthandels und ist kategorisch abzulehnen“, unterstreicht Baaken. Darüber hinaus verringern unbeabsichtigte GVO-Verunreinigungen die letztendlich Menge an Non-GVO-Ware und erhöhen das Risiko für die Futtermittelunternehmen.

Der DVT betonte ausdrücklich, dass eine branchenweite Umsetzung und Verpflichtung zur GVO-freien Fütterung nicht realisierbar sei. Es sei zu begrüßen, dass einzelne Unternehmen die Anforderungen einer gentechnikfreien Fütterung erfüllen können; dies kann aber nicht jede Firma anbieten. Deshalb muss weiterhin die Wahlfreiheit gegeben sein, ob auf Erzeuger- oder Verbraucherebene. Der DVT erklärte sein starkes Interesse an einer konstruktiven Diskussion – auch unter Berücksichtigung von Kundenwünschen.

Verantwortungsvolle Futterproduktion: mehr als nur Gentechnik
Allerdings kann die Gentechnik nicht das alleinige Entscheidungskriterium sein. DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken erklärte: „Wir wollen zu einer qualifizierten Diskussion über nachhaltige Futtermittel kommen, das heißt die faire Abwägung von wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Kriterien, also eine ganzheitliche Diskussion.“ 6-7 Millionen Tonnen Sojaschrot kommen jährlich nach Deutschland. Alternativen wie heimischer Leguminosenanbau oder regionale Soja-Projekte seien anerkennenswert, aber, so Baaken: „Wir können in ganz Europa trotz alternativer Programme auf die Importe nicht verzichten. Rund 70 Prozent des Eiweißes müssen importiert werden, um die heimische Eiweißversorgung sicherzustellen.“ Würde flächendeckend in der Tierhaltung auf den Eiweißlieferanten Soja verzichtet werden, gäbe es ein massives Versorgungs- und damit gesundheitliches Problem für die Tiere.

Über den DVT
Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) vertritt als unabhängiger Wirtschaftsverband die Interessen der Unternehmen, die Futtermittel, Vormischungen und Zusatzstoffe für Nutz- und Heimtiere herstellen, lagern und damit handeln.

Pressemitteilung zum Download

 

Kontakt: Britta Noras (Pressereferentin)
Tel: 0228 97568-23  •  Fax: 0228 97568-68 
E-Mail: noras dvtiernahrung(dot)de


 
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