Neue und bekannte Herausforderungen

28.02.2012

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt/Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2012

Abgesehen von Weltuntergangsgerüchten steht die Futterindustrie auch in diesem Jahr vor Herausforderungen, deren Lösung lohnenswert erscheint. Die Witterung überraschte Europa im Februar mit einem Wintereinbruch, der in vielen Regionen durch Schneemassen oder klirrende Kälte die Logistik erschwerten. Das betraf nicht nur den Rohstofftranport zu den Werken, sondern auch die Belieferung der Tierhalter mit dem benötigten Futter. Gleichzeitig gibt es vom Markt uneinheitliche Signale: So steht Russland zwar einseits vor einer Unterversorgung seiner Verbraucher mit Schweinefleisch aus eigener Produktion, andererseits verhängt die Verwaltung ein Importverbot für bestimmte Tiere aus Deutschland, weil die Angst, sich den dort jüngst aufgetretenen „Schmallenberg-Virus“ einzufangen, groß ist.

In Deutschland ist die Lage noch unklar, wie weit sich dieser viele Tierarten befallende Virus schon verbreitet hat. Mit der Abkalbesaison im Frühjahr fürchtet man, dass die Erkrankung in vielen weiteren Rinderbeständen nachgewiesen wird. Die Entwicklung eines Impfstoffes wird noch mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Die Europäische Agrarpolitik steht neben der Hauptaufgabe einer gelungenen Agrarreform vor der Aufgabe, das geltende Verbot der Legehennenhaltung in Käfigen in allen Ländern durchzusetzen. Handlungsbedarf besteht noch in Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Litauen, Niederlande, Polen, Rumänien, Spanien, Ungarn und Zypern.
Bevor sich nicht alle Mitgliedstaaten an die geltenden Haltungsverordnungen halten, besteht eine beträchtliche Verzerrung insbesondere auf dem Markt für Verarbeitungseier.

Eine bestehende und sich fortsetzendende Herausforderung für die gesamte Agrarbranche ist die Forderung nach nachhaltigen Produktionsmethoden.
Die Futterindustrie muss insbesondere bei der Rohwarenbeschaffung die Anforderungen der Lebensmittelverarbeiter und das Angebot an zertifizierter Ware – und die Untershiede bei den Zertifikaten – genau im Auge behalten. Ein Thema, das auch die heutige Ausgabe von Feed Magazine/Kraftfutter behandelt.

Eine Herausforderung, zu deren Lösung sich die Tierernährung förmlich aufdrängt, ist die Forderung nach einer Reduzierung des therapeutischen und prophylaktischen Einsatzes von Antibiotika in der Nutztierhaltung.
Niedersachsen ist mit einer Studie vorgeprescht und hat damit ein Zeichen gesetzt, dass die Politik bei diesem Thema Handlungsbedarf sieht. Die Futterhersteller sind wichtige Partner der Tierhalter und Tierärzte, wenn es um die Gesunderhaltung der Nutztierbestände geht. Mit bedarfgerechter Nährstoffstruktur, an die Leistungsphase der Tiere angepasste Rationen und geeignete Zusatzstoffe – auf probiotischer Basis oder aus pflanzlichen Rohstoffen – kann der Medikamenteneinsatz nachweislich verringert werden. Es gilt allerdings, diese Erkenntnis auch verstärkt unter den Tierärtzen publik zu machen.

Vor all diesen Aufgaben steht die Futterindustrie neben der täglichen Herausforderung, ihren Kunden preiswertes, leistungsfähiges Futter zur Verfügung zu stellen und am Markt zu bestehen.

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