Bleibende Aufgaben

22.12.2008

Dr. Jürgen Struck, Deutscher Fachverlag,
Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2008

Das ablaufende Jahr 2008 wird in vielerlei Hinsicht als ein eindrucksvolles in Erinnerung bleiben. Vielleicht wird es ein historisches, ja eines, auf welches man folgende Entwicklungen beziehen wird. Am Ende des Jahres sind bevorstehende fundamentale Veränderungen, welche die zukünftige Ordnung prägen werden, bestenfalls zu erahnen. Gewissheit besteht nur über die vergangenen Ereignisse. Diese waren für den Ernährungs- und Agrarsektor in seiner Gesamtheit von beeindruckenden Entwicklungen geprägt.
Nach einer Reihe von Jahren der fokussierten Ausrichtung auf Fragen des so genannten „gesundheitlichen Verbraucherschutzes“ in den Industriestaaten wurde die Welt im Verlauf des vergangenen Jahres von neuen Fragen im Hinblick auf die Ernährungssicherung überrascht. Stark steigende Preise für Rohstoffe und Grundnahrungsmittel im Frühjahr haben zu einer neuen Wahrnehmung der Situation auf Welt geführt. Neben einer in den letzten Jahren zumindest in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt gebliebenen Verminderung der weltweiten Lagerbestände an landwirtschaftlichen Rohstoffen trieben Diskussionen über Klimaentwicklungen und die Bioenergie die Preise in die Höhe. Der Agrarsektor wurde zum vielversprechenden Objekt für Zukunftserwartungen und Kapitalanlagen, allerdings kurzfristiger Art. Die Berichte von steigender Weltbevölkerung, klimabedingten Verknappungen und überzogenen Bioenergiezielen klangen plausibel und lösten Signale aus.
Einige im Vergleich zu den letzten Jahren relative gute Erntezahlen im Jahr 2008 beendeten den Höhenflug der Rohstoffpreise in der Mitte des Jahres und führten in großen Teilen der landwirtschaftlichen Erzeuger zu erheblichen Anpassungsschwierigkeiten und anhaltenden Planungsunsicherheiten.
Festzuhalten und weiterhin zu betonen bleibt jedoch, dass sich an den herrschenden Trends auf unserem Planeten nichts geändert hat.

  • Sollte sich das Klima in der Weise verändern wie bisher prognostiziert, so wird es das auch weiterhin tun
  • Die Weltbevölkerung und der Nahrungsmittelverbrauch, einschließlich von Produkten tierischer Herkunft werden weiterhin zunehmen
  • Als Kernproblem wird der weltweit sich verschärfende Wassermangel an Bedeutung gewinnen
  • Der andauernde Verlust wertvoller Bodenressourcen wird anhalten

Alles in allem sind dies die Grundlagen für unkalkulierbare Preisentwicklungen in der Zukunft, vielleicht schon wieder im nächsten Jahr.

Es ist daher nur zu begrüßen, wenn internationale Organisationen wie die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und andere prominente Fachleute ein neues Bewusstsein für diese Entwicklungen einfordern. Die Ereignisse im Jahr 2008 belegen die Notwendigkeit eines vorausschauenden und abgestimmten Handelns. Es sollte dabei außer Frage stehen, dass die Nutzung des technischen Fortschritts, in welcher Weise auch immer, bei diesem Bemühen in konstruktiver Weise Beachtung findet. Ein Welternährungsgipfel ohne konkrete Ergebnisse, wie er im Jahr 2008 ebenfalls stattgefunden hat, kann zumindest dazu beitragen die Fragen auf hoher Ebene zu begleiten. Die Entwicklung der Landwirtschaft hatte in den vergangenen Jahren eine nachrangige Bedeutung. Das Jahr 2008 kann dies verändern. Denn schließlich ist sie eine der wesentlichen bleibenden Aufgaben. 

 
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