Marktpartner auf der Eurotier 2010

19.10.2010

Carl-Albrecht Bartmer, Präsident DLG e. V. (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft), Frankfurt/Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 9-10/2010

Die Ernte 2010 bringt Erfahrungen zurück in die allgemeine Wahrnehmung, die vor wenigen Wochen noch als „Ausrutscher internationaler Märkte“ unter dem Blickwinkel der Jahre 2007 und 2008 galten. Die Nachfrage nach Agrarprodukten, insbesondere nach Getreide, Reis und Ölsaaten, wächst kontinuierlich und dynamisch, das Angebot dagegen ist der Variabilität klimatischer Rahmenbedingungen ausgesetzt. Eine Überschwemmung in Pakistan, Wald- und Steppenbrände in Russland, Dauerregen in Deutschland mit ausgewachsenen Getreidebeständen und nicht geernteten Flächen haben die Märkte auf den Kopf gestellt. Wo sind sie, die komfortablen, auf die Märkte drängenden Vorräte, die beispielsweise in Russland lagern sollten. Der Exportstopp in Russland drückt jedenfalls etwas anderes aus und deshalb sind aktuelle Marktsignale vermutlich viel weniger einer spekulativen Blase geschuldet als vielmehr Ausdruck einer kurz- und mittelfristig engeren Versorgungssituation.

Es zeichnet sich für den Herbst 2010 ein unsicheres Marktumfeld für die Landwirtschaft und Mischfutterindustrie ab. Gerade Getreide stellt dabei den wichtigsten Rohstoff für die Mischfutterindustrie dar. Im vergangenen Wirtschaftsjahr wurden allein in Deutschland 9,4 Mio. Tonnen verarbeitet. Der Getreideanteil an den Mischungen betrug 46,6 Prozent. Damit wurde absolut wie prozentual eine Rekordmarke erreicht. In Zeiten wie diesen, also nach einer durchwachsenen Ernte mit heterogenen Getreidequalitäten, wird die Partnerschaft zwischen beiden Branchen besonders wertvoll. Die Mischfutterindustrie, der wichtigste Abnehmer für neuerntiges Getreide, ist ein besonders wichtiger Marktpartner und ist ein wichtiger Mittler zu tierhaltenden Landwirten, die auf effizient hergestellte und qualitativ hochwertige Futtermittel angewiesen sind.

Die gemeinsame Plattform beider Branchen ist die EuroTier 2010, hier treffen Landwirtschaft und Mischfutterindustrie zusammen.
Mit über 1.800 Ausstellern aus 48 Ländern hat die EuroTier 2010 sowohl an Internationalität als auch an Ausstellern gewonnen. Sie setzt damit den konsequenten Wachstumskurs der vergangenen Jahre fort. Weltweit einzigartig und für mich das Erfolgsrezept der Ausstellung ist und bleibt das vollständige Angebot: Technik, Genetik, Betriebsmittel und Dienstleistungen für die landwirtschaftliche Tierhaltung präsentieren sich auch in diesem Jahr wieder in einer einmaligen Bandbreite. Der Futtermittelsektor kann sich umfassend über alle Möglichkeiten des Mahlens, Mischens und Pelletierens, die entsprechende Lager- und Fördertechnik bis hin zu Qualitätssicherungs- und Analysesystemen informieren. Die „EuroTier 2010“ bietet spannende Diskussionsforen rund um Mischfutter und Zusatzstoffe an. Das Thema Fütterung mit mehr als 20 Veranstaltungen ist eines der Schwerpunkte im Fachprogramm. Internationale Kongresse, Fachveranstaltungen und Diskussionsrunden zu Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung, aber auch zur Aquakultur runden das Angebot ab.
Auf der EuroTier 2010 bestätigt die Futtermittelbranche, dass sie eine Innovationsbranche ist. Dies belegen 38 Neuheitenanmeldungen aus denen sich drei große Trends herauskristallisieren:

  • Optimierung der Konsistenz von Futtermitteln
    Futtermittel erfahren verschiedene Behandlungen, die eine bessere Aufnahme, Verdaulichkeit und Umsetzung ermöglichen und letztlich dem Ziel einer höheren Tiergesundheit dienen.
  • Verstärkter Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen
    Durch züchterischen Fortschritt und dem damit verbesserten genetischen Leistungspotential haben sich die Ansprüche an Futtermittel hinsichtlich der Nähr- und Wirkstoffdichte erhöht. Futtermittelzusatzstoffe tragen dem Rechnung, indem sie beispielsweise partiellen Mangel an Eigensynthese im Nutztier beheben und die Futterverwertung insgesamt verbessern. Die in Mitteleuropa bereits hohe Effizienz in der Erzeugung tierischer Lebensmittel kann dadurch rohstoffsparend und klimaschonend weiter verbessert werden.
  • Fütterung noch präziser am Bedarf orientieren
    Unsere Nutztiere in den Ställen befinden sich in sehr unterschiedlichen Entwicklungs- und Leistungsstadien (Phasen). Diesbezügliche Erkenntnisfortschritte der Tierernährung werden von der Futtermittelindustrie zunehmend in ein maßgeschneidert angepasstes Produktangebot und entsprechend komplexe Fütterungskonzepte umgesetzt.

Dass solche Innovationen für eine leistungsfähige Veredelungswirtschaft dringend gebraucht werden, steht außer Frage. Alle Prognosen sprechen für einen Anstieg des Verzehrs tierischer Erzeugnisse im Zuge der Globalisierung und des Anstiegs der Weltbevölkerung. Innovationen ermöglichen der Branche zudem, ihrer besonderen Verantwortung für Tierschutz, Umwelt- und Klimaschutz gerecht zu werden. Nachhaltigkeit, also das Dreieck aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen ist nur mit modernen Verfahren möglich. Bei der Erstellung eines Carbon Footprints gilt die Mischfutterindustrie als Vorreiter und kann der massiven medialen Kritik am Fleischkonsum gute Argumente entgegensetzen. Nach wie vor große Schwierigkeiten bereitet die GVO-Nulltoleranz. Hier bedarf es dringend einer realistischen technischen Lösung. Die GVO-Nulltoleranz ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu begründen, birgt aber große wirtschaftliche Risiken. Es entstehen erhebliche Zusatzkosten, die die Wettbewerbsfähigkeit aller Marktbeteiligten gefährden. Eine baldige Lösung ist überfällig.

Ich bin mir sicher, dass Landwirte und Mischfutterindustrie, partnerschaftlich verbunden, die Erfolgsgeschichte der tierischen Veredelung fortsetzen werden, zum Nutzen der Menschen weltweit.

 
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