Salz in der Suppe

17.08.2012

Peter Radewahn, Geschäftsführer DVT, Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 7-8/2012

Futtermittelzusatzstoffe sind eine wichtige Stoffgruppe, die äußerst vielfältig und mit den unterschiedlichsten Funktionen definiert ist. Sie stellen gewissermaßen das Salz in der Suppe der Tierernährung dar. Eine große Zahl dieser Stoffe, bei denen es sich nicht nur um einzelne, chemisch einfache Substanzen, sondern um sehr komplexe Verbindungen handelt, war bislang futtermittelrechtlich zugelassen. Denn für Futtermittelzusatzstoffe gilt der eherne Grundsatz: „Was nicht ausdrücklich zugelassen ist, ist verboten!“. Die Idee des Gesetzgebers, eine Unterscheidung zwischen Futtermitteln einerseits und Futtermittelzusatzstoffen andererseits zu treffen, liegt lange in der Vergangenheit. Dies und die Frage der Notwendigkeit dieser Entscheidung heute neu zu diskutieren, könnte zwar eine spannende Aufgabe sein. Sie stellt sich aber in der Realität derzeit nicht.

Vielmehr wird die Zulassung sämtlicher Stoffe, die bislang als Zusatzstoffe zugelassen waren, derzeit neu geregelt. Die Zahl der nach diesem aufwändigen Verwaltungsprozess auf europäischer Ebene verbleibenden Stoffe wird sich in etwa halbieren. Die Tierernährung wird in der Regel damit leben können, dass viele Stoffe in der Zukunft nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Wichtig ist dabei festzuhalten, dass für die meisten wegfallenden Stoffe keine Sicherheitsbedenken bestehen, sondern dass sie schlicht nicht neu beantragt wurden, weil ein zu aufwändiges, teures Zulassungsverfahren in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen aus dem Verkauf der Zusatzstoffe stand.

Für viele Zulassungen werden Tests und Versuche gefordert, die letztlich aufgrund der Sache nur an Tieren durchgeführt werden können, weil sie den Gesamtorganismus positiv beeinflussen und nicht nur einzelne Zellen. Die Wirkung der Zusatzstoffe muss am Tier nachgewiesen werden. Da mutet es schon sehr „eigenartig“ an, wenn gleichzeitig in einem Bundesgesetz eine Richtlinie der EU zum Tierschutz umgesetzt werden soll, das eben diese Tierversuche auch im Bereich der Tierernährungsforschung extrem erschweren soll. Hier lässt die Politik eine einheitliche Linie und fachliche Kompetenz vollständig vermissen.

Schwierig und problematisch zugleich ist die Feststellung, dass die Prüfung der zuzulassenden Zusatzstoffe durch die zuständigen Gremien der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit doch häufiger zu einem politischen Akt gerät und sich nicht ausschließlich auf wissenschaftliche Risikofeststellung beschränkt. Das reine „risk assessment“ wäre die Aufgabe des FEEDAP-Panels. Die Empfehlungen zur Zulassung, die an die EU-Kommission gegeben werden, nehmen aber immer häufiger den Charakter politischer Handlungsanweisungen an. Dies gilt besonders für die eigenmächtigen Empfehlungen zur Absenkung von Höchstgehalten an unerwünschten Stoffen in den Zusatzstoffen, für die Einsatzempfehlungen, die oft genug von den Anträgen abweichen und letztlich für die Einführung von Höchstgehalten für die Zusatzstoffe selbst. Es ist an der Zeit, dass sich die EU-Kommission als eigentliche Entscheidungsbehörde darüber bewusst wird, dass in der Zulassungspraxis auch einmal von der Auffassung des FEEDAP-Panels abgewichen werden kann. Die Kommission muss die Eigenständigkeit und die Entscheidungskompetenz bewahren – und damit ist nicht nur die Befugnis zur Entscheidung gemeint! Sonst laufen wir alle Gefahr, das Salz in der Suppe nicht mehr nutzen oder es uns nicht mehr leisten zu können.

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