Sicherheit durch Hygienisierung

17.04.2015

PD Dr. Helmut Schafft, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Berlin
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 3-4/2015

Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis. Sicherheit ist aber immer relativ. Im Sinne des Gesundheitlichen Verbraucherschutzes bedeutet Gewährleistung von Sicherheit, die Unsicherheit zu minimieren.

Die Hersteller von Futter- und Lebensmitteln sind für deren Sicherheit verantwortlich (Prinzip der Unternehmerverantwortung). Wer Futtermittel herstellt, unterliegt der Sorgfaltspflicht. Hersteller von Futter- und Lebensmitteln müssen obligatorisch Eigenkontrollprogramme durchführen. Mit der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts ist in Europa die veränderte Rolle des Staates und die Teilung der Verantwortung festgeschrieben worden. Bei der Gewährleistung von Sicherheit spielt der Umgang mit Risiken eine immer größere Rolle, denn Entscheidungen – von wem auch immer sie getroffen werden (müssen) – sind stets von Unwissenheit geprägt. Die Verantwortung für die Futter- und Lebensmittelsicherheit verteilt sich auf mehrere Akteure. Die Rolle des Staates beschränkt sich auf die Kontrolle der Eigenkontrolle.

Die Qualität des Futters hängt in hohem Maße von seiner mikrobiologisch-hygienischen Beschaffenheit ab. Grundsätzlich sind Futtermittel nicht keimfrei, sondern jedem Futtermittel haften Mikroorganismen an. Ohne Mikroorganismen wäre die Futterkonservierung durch Silierung nicht möglich. Aufmerksamkeit erfordern pathogene Erreger. Futtermittel, in denen Salmonellen nachgewiesen werden, erfüllen nicht die Anforderungen an die Futtermittelsicherheit. Mit Salmonella kontaminierte Futtermittel können eine Infektion von Tieren mit diesem Erreger und somit einen Eintrag dieser Keime in die Lebensmittelkette verursachen. Futterhersteller sollten deshalb die kontinuierliche Reduktion des Auftretens von Salmonellen im Mischfutter anstreben. Thermische, hyperbarische und chemische Verfahren in der Mischfutterherstellung, sowohl einzeln oder auch in Kombination angewendet, bewirken eine Reduktion der mikrobiellen Kontamination. So trägt die Hygienisierung in der Mischfutterherstellung dazu bei, eine Kontamination der Futtermittel mit pathogenen Erregern zu verringern. Die Janusköpfigkeit einer Hygienisierung zeigt sich in der Gefahr einer prozessbedingten Verringerung des ernährungsphysiologischen Wertes infolge der Behandlung des Futters, verbunden mit der Möglichkeit einer Gefährdung des Ziels der Tierernährung, der Sicherstellung einer leistungs- und tierartgerechten Versorgung der Nutztiere mit Nährstoffen und Energie. Sicherheit ist immer relativ, Sicherheit ist das akzeptable Risiko.

Bei der Gewährleistung von Sicherheit spielt in unserer Gesellschaft die Angst vor der Möglichkeit des Auftretens gesundheitlicher Risiken – unabhängig davon, ob diese real vorhanden oder nur gefühlt sind – eine wesentliche Rolle. Im Gesundheitlichen Verbraucherschutz wird versucht, Verunsicherungen der Verbraucher mit Aufklärung und Transparenz zu begegnen. Im Bereich der Futtermittelsicherheit sollten wir den Diskurs über Risiko und Sicherheit ausweiten und uns die Frage stellen: Wie sicher können wir bei Futtermitteln sein?

 
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