Zukunft der Ernährung mit Transparenz beeinflussen

16.12.2016

Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung DVT, Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2016

Die Zukunft der menschlichen Ernährung mit tierischen Lebensmitteln ist zugleich immer die Frage nach der Zukunft der Tierhaltung. Mit diesem Thema ist offenbar die gesamte Republik befasst. Oder vielleicht doch nur ein kleine Gruppe von Interessierten? Es ist sicher verständlich und richtig, dass in einer „satten" Gesellschaft die Qualitätsfrage auf den Tisch kommt. Dass allerdings mit so voller Wucht und fast unkontrollierbarer Diskussion in der Öffentlichkeit über die grundsätzlichen Methoden der Erzeugung von Lebensmitteln gesprochen wird, war vielleicht nicht abzusehen. Doch in der argumentativen Zuspitzung in der Argumentation sehen einige Vertreter, die vermeintlich Gutes im Sinn haben, die beste Möglichkeit, die Wahrnehmung für die Zustände, die aus meiner Sicht als „Missstände" interpretiert werden, zu erhöhen. Der Druck und die Rechtfertigung für die Produzenten werden dadurch umso größer. Emotionen ersetzen Fakten. Das ist kein gutes Zeichen, denn wenn die Tierhaltung in ihrer heutigen Form infrage gestellt wird, müssen auch machbare Alternativen aufgezeigt werden. Allein der Verzicht auf Fleisch ist keine Lösung. Hört sich aber erst einmal gut an. Die Mehrheit der Verbraucher entscheidet allerdings Tag für Tag an der Ladentheke anders. So zeigt es der Fleischverbrauch. Trotzdem bleibt nach Aussagen der Sozialwissenschaftler beim Verbraucher häufig ein ungutes Gefühl über die Herstellungsmethoden, zumindest kurzfristig. Ein Problem ist dabei die vorhandene Unwissenheit über die Produktionsmethoden und Prozesse.

Obwohl das Bildungsniveau der Bevölkerung in Deutschland hoch ist, sind die Kenntnisse über die Herstellung von Lebensmitteln gering. Es fehlt der persönliche Erfahrungsschatz, wie er früher durch Anschauung in der Nachbarschaft möglich war. Wer kennt noch die Hausschlachtung oder hat beim Metzger direkt nach dem Schlachten das halbe Schwein gekauft und eingefroren? Das ist zumindest in städtischen Haushalten nicht mehr üblich. Zudem hat die Globalisierung dazu beigetragen, dass heute Lebensmittel aus aller Welt kommen und niemand (gemeint ist: die Mehrheit) genau nachfragt, wie die Rohstoffe oder Produkte hergestellt werden. Da sieht sich manche Umweltorganisation gerne als Bildungspartner und klärt aus eigenem Blickwinkel auf. Mit weitreichenden Folgen. Es darf uns dann nicht wundern, wenn sich die Marktbeteiligten der Warenkette bemächtigen und Forderungen über die Herstellung von Rohstoffen aufstellen. Ob es den Verbraucher am Ende der Kette interessiert, bleibt offen. Festzustellen ist aber auch, dass die Verantwortlichen im Laufe eines Herstellungsprozesses ihre Verantwortung deutlich machen wollen. Dazu greifen sie auf alle Beteiligten vom Ursprung des Produktes bis zur Ladentheke zurück und fordern Nachhaltigkeit. Mehr als früher muss sich also auch ein Futtermittelhersteller seiner Bedeutung in dieser Kette bewusst sein und Fragen beantworten, die ihm bislang nicht gestellt wurden. Ist der Rohstoff Soja auch nachhaltig, wurden Wälder für den Einsatz von Palmöl gerodet oder wurde der Mais unter international anerkannten Arbeitsbedingungen geerntet? Diese Fragen waren bislang an den Börsen keine preisbeeinflussenden Größen. Solange der Markt am Ende dafür nicht zahlt, werden sie es auch nicht werden. Der Preis bleibt aber weiterhin in einer Marktwirtschaft die einzige Währung, mit der die Wertschätzung honoriert wird. Das ist bei Weitem im Bereich der Lebensmittel nicht der Fall. Selbst Ökoprodukte dürften eigentlich einen höheren Preis rechtfertigen. Es gehört also auch Mut dazu, den Preis für ein Lebensmittel zu erhöhen, um die anderen Beteiligten in der Wertschöpfungskette ebenfalls zu motivieren, ihren Beitrag zu leisten. Die Ausrede, dass der harte Wettbewerbsdruck dies nicht ermögliche, darf nicht gelten. Im Ausland gibt es gute positive Beispiele, so in Frankreich. Die Lösung, aber nicht die einzige, ist: Transparenz. Sie hat noch nie geschadet. Wer zeigt, was und wie er es tut, kann meistens mit einer höheren Wertschätzung rechnen. Das müssen wir alle gemeinsam tun. Jeder in seiner Verantwortung.

 
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