Große Erwartungen

16.10.2013

Bernhard Krüsken, Deutscher Bauernverband, Berlin
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 9-10/2013

Landwirtschaft, Tierernährung und Futtermittelindustrie – das ist naturgemäß eine sehr enge Verbindung. Als Teilmenge der gleichen Produktionskette und als Kunden-Lieferanten-Verhältnis sollte sie – abgesehen von dem unter Geschäftspartnern immer vorhandenen Diskussionsbedarf über wirtschaftliche Dinge – eigentlich spannungsfrei sein. Von diesem Idealzustand waren wir aber in der Vergangenheit ein gutes Stück entfernt und sind es auch zum Teil noch heute. Die Frage nach dem Warum fördert vielschichtige Antworten zu Tage. In der Vergangenheit liegen die ausgiebig zwischen den Verbänden ausgetragenen Kontroversen um offene und geschlossene Deklarationen, Kontrollen und Kennzeichnung. Aus heutiger Sicht erscheinen diese Diskussionen etwas weltfremd, weil es um Dinge ging, die eigentlich zwischen Kunde und Lieferant zu regeln sind und bei denen man Kundenforderungen nicht in Frage stellen sollte – wie es in einer wettbewerbs- und marktorientierten Wirtschaftsordnung ebenso üblich ist. Gleiches gilt für Diskussionen um Fütterungssysteme, die sinnvoll nur aus dem Blickwinkel der einzelbetrieblichen Ökonomie zu führen sind.Der Erfolg der Futtermittelindustrie ist vom Erfolg der Landwirtschaft abhängig; umgekehrt leistet die Futtermittelindustrie einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Tierhaltung und hat auch in den zurückliegenden Jahren ihren Teil zum Wachstum der Tierproduktion in Deutschland beigesteuert. Aber diese wechselseitige Abhängigkeit besteht im Guten und im Schlechten: Die Mehrzahl der Krisen, in die die Tierhaltung in den zurückliegenden Jahren geraten ist, hatte ihren Ausgangspunkt im Futtermittelsektor, meist in dessen Vorstufen. Für eine landwirtschaftliche Tierhaltung, die selbst im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit steht, sind die Vermeidung von solchen Krisen und Vorfällen sowie die effektive Schadensbegrenzung in diesen Situationen entscheidende und überlebenswichtige Erfolgsfaktoren. Die erste Botschaft der Landwirtschaft an die Futtermittelindustrie muss daher lauten: „Halten Sie uns diese Krisen vom Hals!“ Das Geschäftsmodell der Futtermittelindustrie besteht darin, verfügbare und sichere Rohstoffquellen zu erschließen und mit einer leistungsfähigen Logistik in bedarfsgerechter Form für die Tierhaltung bereitzustellen. Es liegt auf der Hand, dass Logistik und Nährstoffbereitstellung allein nicht ausreichen; Risikovermeidung und Qualitätssicherung sind unverzichtbar und die Voraussetzung dafür, eine Position in der Kette im Sinne einer arbeitsteiligen Ökonomie zu rechtfertigen. Vorstufen und Rohstoffquellen, die Probleme verursachen, dürfen nicht als Ausflucht und rhetorischer Ausweg im Schadensfall herhalten, sondern müssen als Herausforderung verstanden, eingebunden und notfalls diszipliniert werden. Das gilt auch und besonders, wenn es sich bei manchen Branchen um Oligopole handelt, die in Sachen Futtermittelsicherheit wenig kooperationsbereit sind oder die ihre Entsorgungsprobleme über die Futtermittelkette lösen wollen. Wenn diese Probleme weiter konsequent angegangen werden, steht der Gemeinsamkeit aus Sicht der Landwirtschaft nichts entgegen. Die Futtermittelbranche und ihr Verband haben die Fähigkeit und das Potenzial dazu. Lassen Sie uns diesen Weg im gemeinsamen Interesse weiter gehen.

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