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16.10.2008

Dr. Reinhard Grandke, Hauptgeschäftsführer Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Frankfurt/Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 9-10/2008

Eine steigende Weltbevölkerung sowie zunehmender Wohlstand und Urbanisierung in weiten Teilen der Welt sind starke Argumente für eine stabile Nahrungsmittelnachfrage. Zahlreiche Fachleute sehen für die kommenden Jahre insbesondere eine große Nachfragesteigerung nach hochwertigen Lebensmitteln. Dies sind gute Voraussetzungen für die Schweine-, Rinder- und Geflügelhalter sowohl am Standort Deutschland als auch weltweit. Allerdings wird der Wettbewerb um Marktanteile unter den Produzenten weiter zunehmen. Hierauf müssen die Tierhalter reagieren und ihre Betriebe professionell in die Zukunft ausrichten. Ihr Informations- und Orientierungsbedarf ist groß, sie benötigen aussagekräftige und kompetente Orientierungshilfen, insbesondere zu den Fragen Fütterung, Qualitätssicherung, tier- und funktionsgerechte Haltung, Herdenmanagement, Tiergesundheit, Hygiene und Genetik. Hierfür ist die "EuroTier 2008" die ideale Informationsplattform.
 
Ein Schwerpunkt - Futter und Fütterung
 
Wir führen das hervorragende Anmeldeergebnis mit fast 1700 Ausstellern aus 46 Ländern insbesondere auf das Konzept dieser Ausstellung zurück: Auf der EuroTier wird das vollständige Angebot an Technik, Genetik, Betriebsmitteln und Dienstleistungen für die Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung unter einem Dach präsentiert. Das ist weltweit einzigartig. Gegenüber den Vorjahren zeigen die Anmeldungen ein erfreuliches Wachstum in allen Ausstellungsbereichen. Sowohl im Rinder-, und Schweine-, als auch im Geflügelbereich mit der "World Poultry Show", wird ein in dieser Fülle noch nie dagewesenes Angebot präsentiert. Auch das Angebot für den Futtermittelsektor wird in diesem Jahr so umfangreich sein wie nie zuvor. Landwirte und Mischfutterunternehmen stellen hochwertiges Nutztierfutter her. Für eine leistungsfähige, nährstoffökonomische und rentable Tierhaltung mit guter Tiergesundheit sowie eine hohe Qualität der erzeugten Endprodukte ist die Futtermittelqualität entscheidend. Wie diese zu erreichen ist, werden die Aussteller auf der diesjährigen "EuroTier 2008"eindrucksvoll zeigen. Internationale Fachveranstaltungen und Diskussionsrunden in den einzelnen Tierarten-Foren ergänzen das Angebot der Aussteller.
 
Gesprächsstoff unter den Tierhaltern und der gesamten Futtermittelbranche wird sicherlich weiterhin die derzeit in der Europäischen Union (EU) angewendete Nulltoleranz für gentechnisch veränderte (GV) Soja-Sorten ohne EU-Zulassung und die politisch gewollte Schaffung eines GV-freien dritten Lebensmittelsortimentes auf der diesjährigen EuroTier liefern.
 
Mit dem Instrument der Nulltoleranz droht zunehmend der Import von andernorts zugelassenen Sojafuttermitteln verhindert und der Veredelungsbranche in der EU ein bedeutender Anteil ihrer Futtergrundlage entzogen zu werden. Die Folge können hohe Kostensteigerungen und der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit sein. Zudem wären die Abwanderung von Teilen der Schweine- und Geflügelfleischproduktion und schließlich ein verstärkter Import von Fleisch aus dem Nicht-EU-Raum zu befürchten. Unsere kürzlich in Kassel stattgefundene Klausurtagung zu diesem Thema kommt zum Ergebnis, dass die Nulltoleranz aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu begründen und für ein hohes Niveau an gesundheitlichem Verbraucherschutz unnötig ist. Wie die in Kassel vertretenen Experten aus Futter-, Land-, Milch- und Fleischwirtschaft sowie der Verbraucher, staatlicher Behörden und der Wissenschaft feststellten, führt die Nulltoleranz zu einer Erhöhung der wirtschaftlichen Risiken und Kosten für die Marktbeteiligten. Die "EuroTier 2008" bietet mit ihren Diskussionsforen ein gute Möglichkeit, die Bedeutung und den Ernst des Themas nochmals zu verdeutlichen. Spannend und von großem Interesse werden daher die Diskussionsrunden zu den Themen "Futtermittelmärkte 2009 - wo geht die Reise hin?" und "Weltweite Verknappung von Futtermitteln - Märkte, Preise, Tendenzen" sein, die vom Deutschen Verband Tiernahrung (DVT), Bonn, auf der kommenden "EuroTier 2008" durchgeführt werden.
 
Aus unserer Sicht ist es dringend erforderlich, dass Politik, Gesellschaft und Medien die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung des Veredelungssektors stärker anerkennen. Dies schließt ein, die dafür erforderlichen Versorgungsnotwendigkeiten, die in besonderer Weise die Futterwirtschaft betreffen, stärker ins Bewusstsein zu rufen.

 
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