Der Innovation verpflichtet

16.08.2014

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am MainPubliziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 7-8/2014

Die Menschheitsaufgabe, die dynamisch wachsende Weltbevölkerung auch in Zukunft zu ernähren, sollte die Hauptanstrengung aller sein, die dazu beitragen können. Ohne die Hungerbewältigung bleiben Friedensbemühungen in den meisten Konflikten diplomatisches Flickwerk ohne Aussicht auf Dauerhaftigkeit. Ernährungssicherung bedeutet nicht Produktionssteigerung „auf Teufel komm raus“, sondern muss auf Ressourcen- und Umweltschonung sowie ethische Anforderungen der Verbraucher ausgerichtet sein.

Dass die Tierernährung einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten kann, ist eine Binsenweisheit. Und doch hat es nach dem Verbot der Fütterungsantibiotika im Jahr 2006 einige Zeit gedauert, bis vorhandene Alternativen akzeptiert und neue entwickelt wurden. So nimmt es nicht Wunder, wenn heute international ausgerichtete Hersteller von Futterzusatzstoffen ihre Erfolge in Europa dazu nutzen, in den Regionen der Welt, in denen antibiotische Leistungsförderer noch verfüttert werden dürfen, frühzeitig Alternativen anzubieten. Ob nun die Fütterungsantibiotika Fluch oder Segen waren, lässt sich durchaus kontrovers diskutieren. Heute gibt es aber vertiefte Kenntnisse im immunologischen Bereich, die darauf schließen lassen, dass die Gesundheit des Verdauungstraktes mit seiner empfindlichen Mikroflora mit anderen Mitteln besser gepflegt werden kann als mit Antibiotika.

Der Vorfall mit den Funden von Furazolidon, einem seit 1995 nicht mehr zugelassenem Antibiotikum, in den Niederlanden wurde zwar relativ sachlich und gelassen gesehen – auch wenn wie meistens in solchen Fällen zunächst wildeste Theorien über die Herkunft des Stoffes im Futter kursierten. Auch wurde der Vorfall erneut genutzt, um pauschal auf die intensive Tierproduktion einzudreschen, wie es der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen versuchte, doch war die Medienreaktion eher gelassen. Liegt dies daran, dass es eine Übersättigung an Agrarkritik gibt oder daran, dass die in Sachfragen meist weniger sattelfesten, aber dafür oft umso lauteren Zeigefingerheber es selbst nicht mehr schaffen, einen klaren Trennstrich zwischen systembedingten kritikwürdigen Vorgängen und medienwirksamer Aufbauschung zu ziehen? Eine Überforderung bei der differenzierten Betrachtung von antibiotischen Futterzusatzstoffen und Tierarzneimitteln könnte dazu beigetragen haben, dass die Empörung gering blieb.

Mit der erfolgreichen Entwicklung von Futterzusatzstoffen, die die Darmgesundheit besser regulieren als Antibiotika, haben die Innovationen in der Tierernährung aber längst nicht ihr Ende gefunden. Es wird weiter daran gearbeitet werden müssen, Problemfelder zu erkennen, einzugrenzen und beispielsweise betriebsspezifisch zu lösen. Die für alle passende Lösung wird immer seltener werden. Das Leistungsniveau unserer Nutztiere hat eine Höhe erreicht, in der das Hochleistungsorgan „Verdauungstrakt“ noch höherer Aufmerksamkeit als zuvor bedarf und komplexe Zusammenhänge zwischen Haltungsbedingungen, Klima, Futterbasis, Futterkomponenten und Zusatzstoffen eingehend ermittelt werden müssen. Die vielfältigen Innovationen, die die Zusatzstoffindustrie bereithält, werden einen gewichtigen Teil der Veredelungsmesse EuroTier im November in Hannover ausmachen.

 
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