Tierernährung für die Zukunft

16.08.2013

Prof. Dr. Jürgen Zentek, Institut für Tierernährung, Berlin, und Vorsitzender der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE), Frankfurt a. M. Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 7-8/2013

Die Aufgaben der Tierernährung sind vielfältiger denn je. Das betrifft Praxis und Wissenschaft gleichermaßen. Es geht nicht mehr „nur“ – obwohl diese nach wie vor von hoher Aktualität sind – um die klassischen Fragen von Futterwert, Futterkonservierung und adäquater Versorgung von Lebensmittel liefernden Tieren mit Energie und den erforderlichen Nährstoffen unter ökonomisch tragbaren Bedingungen. Seit Jahren werden die Aspekte des ressourcenschonenden Einsatzes von Nährstoffen und Rohmaterialien, der Umweltschutz, die Lebensmittelqualität und -sicherheit im Zusammenhang mit der Tierernährung bearbeitet und intensiv diskutiert. Die gesellschaftlichen Forderungen nach Tierschutz, Wohlbefinden und Tiergesundheit sind in der Praxis zunehmend ein Thema.

Die Tierernährung hat darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz und zu den damit verbundenen „großen“ globalen Fragen wie Ernährungssicherung und Klimaschutz, die viele Menschen zunehmend bewegen, zu leisten. Zunehmend sehen wir die Tendenz, dass der gesellschaftliche Diskurs die Komplexität der Fragen von Tierhaltung und Tierernährung praktisch ignoriert. Einfache Antworten werden gefordert, wer sie gibt, findet sein schnelles Echo. Wir, die wir in diesem Bereich arbeiten, wissen aber auch, dass es keine einfachen Lösungen geben kann, entsprechend schwierig ist die Diskussion. Aber: die Bewertung und Ausrichtung des eigenen Handelns der beteiligten Akteure auf den unterschiedlichen Ebenen der Tierhaltung und des wichtigen Teilbereichs Tierernährung können nicht auf Gefühlen aufbauen, sondern benötigen Fakten.

Machen wir es ruhig immer wieder nach außen deutlich: Verantwortungsvolle Tierhaltung braucht eine moderne, wissenschaftlich fundierte Tierernährung. Die Anstrengungen der Tierernährungsforschung müssen darauf ausgerichtet sein, dass neben der anwendungsorientierten Evaluierung praxistauglicher Fütterungskonzepte auch in Zukunft intensiv Grundlagen der Ernährung und Wirkmechanismen untersucht werden. Forschungsmethoden erlauben heute neue Einblicke in die Zusammensetzung von Futterkomponenten, in Effekte von Verarbeitungsprozessen und in physiologische Regulationsmechanismen am Tier. Auch wenn manches nicht gleich zu praxisrelevanten Anwendungen führt, stellt die Grundlagenforschung ein unverzichtbares Zukunftselement im Spektrum der Tierernährung dar. Nur dadurch sind wir in der Lage, Möglichkeiten und Grenzen abzuschätzen. Dazu müssen die klassischen Themen der Ernährungsforschung mit benachbarten Fachgebieten kombiniert werden. Als herausragende Anforderungen an die Tierernährungsforschung ergeben sich aus meiner Sicht insbesondere drei Themengebiete:

  1. Umgang mit den Grenzen des globalen Nahrungspotenzials und die Fragestellungen zur Sicherung der Ernährungsgrundlage der wachsenden Weltbevölkerung,
  2. die Optimierung der Fütterung zur Vermeidung von Einschränkungen des Wohlbefindens und der Tiergesundheit und
  3. die Vereinbarkeit von Lebensmittelqualität und -sicherheit mit Ökonomie und Ökologie. Es gibt auf allen Ebenen viel zu tun, wir müssen uns den wichtigen fachlichen und gesellschaftlichen Fragen stellen.

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