Kommunikation

16.02.2011

Bernhard Krüsken, Geschäftsführer DVT, Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2011

Das mediale Bild zur Dioxinkrise ist eindeutig. Fahrlässigkeit, Machenschaften und Profitgier haben eine großflächige und schleichende Vergiftung mit dem Supergift Dioxin verursacht. Seien Sie doch mal zynisch und befragen Ihre branchenfremden Freunde und Bekannten: Wie viel Dioxin ist über die Firma Harles und Jentzsch in die Kette gelangt? War es ein Eimer voll? Eine Tasse oder vielleicht ein Esslöffel? Oder doch eine ganze Schubkarre? Sie ahnen es schon – in 180 t „technischer“ Fettsäure dürften etwa 27 mg (Milligramm) Dioxin-TEF enthalten gewesen sein.

Keine Frage, die Kontamination ist aus Sicht des Verbraucherschutzes inakzeptabel. Sie ist ein eindeutiger und offensichtlicher Regelverstoß und eine eklatante Missachtung aller Prinzipien der Risikominimierung und der Lebensmittelsicherheit. Gerade weil sie bei Anwendung dieser Prinzipien vermeidbar gewesen wäre, sind sowohl die öffentliche Empörung als auch die politische Reaktion auf diesen Vorfall absolut berechtigt.
Dennoch muss es erlaubt sein, aus einer solchen Zahl zwei Befunde abzuleiten. Zunächst zur Krisenbewältigung: Diese „Messerspitze“ Dioxin war über 4.700 landwirtschaftlichen Betrieben in unterschiedlichem Umfang verteilt. Es ist eine große logistische Leistung, diese Verteilung in relativ kurzer Zeit detailliert nachzuzeichnen und damit schnell und risikoorientiert die belasteten Lebensmittel zu identifizieren. Dazu wäre die Erzeugungskette noch vor wenigen Jahren nicht in der Lage gewesen.
Noch Wichtiger ist aber der offensichtliche Umstand, dass Verbraucher, Medien und Öffentlichkeit mit solchen Konzentrationen und Größenordnungen, geschweige denn mit deren Bewertung, hoffnungslos überfordert sind. Klare und aus wissenschaftlicher Sicht unmissverständliche Bewertungen des BfR zur Abwesenheit von Verbrauchergefährdung werden überlagert vom vielstimmigen Chor der Bundesländer und den medialen Krisenprofiteuren. Es gibt Qualitätssicherung in fast allen Bereichen, nur nicht in der Risikokommunikation zum Verbraucher. Gerade hier wäre sie aber dringend erforderlich.

Die Gemengelage lädt überdies dazu ein, das echte Krisenmanagement zu vernachlässigen und sich stattdessen der politischen Verwertung des Geschehens zu widmen. Es soll ja beispielsweise Bundesländer geben, die die Bewertung von Dioxin-Grenzwertüberschreitungen in Fleisch oder Eiern davon abhängig machen, in welchem Haltungsverfahren die Kontamination stattgefunden hat. Auch wenn es der Agrarwende dient, ist doch damit dem vorsorgenden Verbraucherschutz die Glaubwürdigkeit entzogen.

Die Futtermittelbranche muss nun handeln, Schwachstellen beseitigen und das Vertrauen von Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel zurückgewinnen. Allein der aus Marktverwerfungen resultierende Schaden gebietet das. Dies kann aber nur dann vollständig gelingen, wenn gleichzeitig die Abstimmung der Bundesländer untereinander verbessert und eine verantwortungsvolle und einheitliche Risikokommunikation in Richtung Verbraucher und Markt gewährleistet wird.

 
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