Wettbewerb und Strukturentwicklung

15.12.2009

Bernhard Krüsken, Geschäftsführer DVT Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2009

Auch flüchtige Beobachter der Mischfuttermärkte konnten in den zurückliegenden Monaten nicht übersehen, dass der Kampf um Auslastung wieder einmal mit großer Härte geführt wurde und weiter andauert. Schrumpfende Absatzmengen haben bekanntlich einen paradoxen Effekt auf diese ohnehin wettbewerbsintensive Branche: Sie erhöhen die Bereitschaft, mit Preiszugeständnissen Mengen zu sichern und führen gleichzeitig dazu, dass ganze Regionen und Sortimentsbereiche vollständig in der Grenzkostenkalkulation versinken. Angst vor den Kartellbehörden ist also völlig unangebracht - es sei denn, Verkäufe unter Einstandspreis sollen gemaßregelt werden. Die traditionell hohe Wettbewerbsintensität ist im Sektor Futtermittel/Mischfutter (für die landwirtschaftliche Nutztierhaltung) gewissermaßen mit eingebaut. Eine mittelständisch geprägte Struktur und die aus der relativen Gewichtung der Logistikkosten resultierende Regionalität bringt Konzentrationsgrade hervor, die im Vergleich zu anderen Sektoren im Agribusiness sehr niedrig sind. Die Top 10 der Mischfutterhersteller decken in Deutschland etwas mehr als 50 Prozent des Marktvolumens ab - im Vergleich zur Agrochemie, zur Agrartechnik, zur Schlachtung oder gar zum Lebensmittelhandel ist das bemerkenswert niedrig. Vor diesem Hintergrund mag die Frage erlaubt sein, warum der in der amtlichen Statistik sichtbare Strukturwandel in der Futtermittelindustrie vergleichsweise moderat ausfällt. Die Antwort liegt auf zwei Ebenen: Die Statistik zeigt die Produktionsstätten und blendet damit einen Teil des Wandels bei den Unternehmen, bei Fusionen, Zusammenschlüssen und Kooperationen aus. Darüber hinaus besteht die eingangs geschilderte Situation im Grundsatz bereits seit Jahren und hat letztlich auch die Unternehmen in der Branche auf Kostenführerschaft, logistische Effizienz, ökonomische Fitness und Flexibilität ausgerichtet. Zusätzlich sorgt der Wettbewerb der Fütterungssysteme, der von Preisrelationen zwischen Getreide und den klassischen Mischfutterrohstoffen getrieben ist, für einen ständigen Anpassungsdruck bei den Unternehmen und hält sie wettbewerbsfähig. Das bietet zwar eine schlüssige Erklärung, wirft aber die daran anschließende Frage auf, wie es mit dem Strukturwandel in Zukunft weitergeht? Auf der Absatzseite ist der Weg klar vorgezeichnet: Die Strukturen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung entwickeln sich in steigendem Tempo weiter - unabhängig von der aktuellen wirtschaftlichen Situation eines Sektors oder einer Produktionsrichtung. Auch hier ist die Realität schon weiter als die Statistik: mit einem Viertel der Betriebe sind mehr als drei Viertel der Umsätze abgedeckt. Die Strukturentwicklung auf der Rohstoffseite verläuft zwar differenzierter, aber nicht weniger folgenreich. Bei einigen Schlüsselrohstoffen ist die Zahl der für den Markt verfügbaren Quellen bereits " konsolidiert", so dass der Konzentrationsgrad für diese Teilmärkte schon deutlich über den oben genannten Größenordnungen liegt. Aber auch Rohstoffe konkurrieren untereinander; eine Oligopolisierung bei einem Rohstoff erhöht die Wettbewerbsfähigkeit seiner Austauschprodukte. Die Antwort auf die Frage könnte daher lauten: Der Strukturwandel in der Futtermittelindustrie erhöht sein Tempo, aber er fällt nicht in den Galopp.

 
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