Hilfe zur ressourcenschonenden Tierhaltung

15.06.2018

Karl-Heinz Tölle, ISN-Projekt GmbH, Damme
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 5-6/2018

Während der Effizienzgedanke in der Industrie, im Transportwesen oder anderer Stelle positiv besetzt ist, hat er im Zusammenhang mit der Tierhaltung in der gesellschaftlichen Diskussion fast schon ein Teufelswerk-Image. Effizienz wird hier allzu oft mit Gewinnmaximierung gleichgesetzt. Natürlich hat Effizienz auch viel mit Ökonomie zu tun. Ohne diese im Blick zu haben, geht es in der Nutztierhaltung nun einmal nicht. Aber Effizienz hat auch in der Tierhaltung viel mehr als nur ökonomische Aspekte – eben genau jene durch die Gesellschaft gewollte Schonung der Ressourcen. Die Fütterung spielt dabei eine ganz zentrale Rolle. Je zielgenauer die Fütterung ist, desto weniger – beispielsweise importiertes Soja – muss eingesetzt werden, desto weniger Nährstoffe landen in der Gülle und letztendlich auf dem Acker, desto gesünder sind die Tiere, desto weniger Schwanzbeißen tritt auf, desto weniger Antibiotika müssen zur Behandlung eingesetzt werden usw. Es geht also um die auf die jeweilige Tierart und Altersgruppe optimierte Futterzusammensetzung. Es geht aber auch um das Fütterungsmanagement und die Fütterungstechnik. Und damit nicht genug: Für eine effiziente und ressourcenschonende Versorgung der Tiere hat die Tiergesundheit und im Speziellen die Darmgesundheit eine wesentliche Bedeutung. Nur mit einem gesunden Tier sind die Effizienzziele zu erreichen. Das alles zeigt mehr als deutlich, dass die Herstellung von Schweinefutter eben mehr als das Mischen von Getreide und Sojaextraktionsschrot in bestimmten Anteilen ist. Hier sind ausgeklügelte Fütterungskonzepte gefragt. Welche Aminosäuren, Futtersäuren, Probiotika, Kräuter, Toxinbinder usw. dann letztendlich zum Einsatz kommen, muss unter wissenschaftlichen und nachvollziehbaren Gesichtspunkten entschieden werden. Wie so oft gilt auch an dieser Stelle: Viele Wege führen nach Rom.

Eine große Herausforderung für Tierhalter und Futtermittelindustrie ist das Überwinden der vorhandenen Konflikte zwischen den Zielen. Wie weit können beispielsweise die Nährstoffe im Futter abgesenkt werden, ohne dass es zu negativen Auswirkungen auf Leistung und Tiergesundheit bis hin zum Schwanzbeißen kommt? Hier ist Präzisionsarbeit gefragt – nicht nur bei der Futtererstellung. Das wiederum bedingt die Kenntnis über den genauen Bedarf des Tieres, über den Inhalt der Komponenten und auch über deren Zusammenspiel. Der hohe qualitative Hygieneanspruch an das Futter versteht sich von selbst.

Eine ressourcenschonende Tierhaltung bringt aber auch ganz neue Aspekte für den Themenkomplex Fütterung. Was ist zu beachten, um Schwanzbeißen – nicht nur bei nicht kupierten Schweinen – zu vermeiden? Was ist bei der Gruppenhaltung von Sauen zu beachten, was bei freier Abferkelung, was bei der Vermeidung von Ebergeruch? Wie passen Raufutterkomponenten in die Ration, wenn auf der anderen Seite die zu hohen Nährstoffausscheidungen ein Problem werden? Die Branche strotzt vor Wissen über die Zusammenhänge bei der Fütterung. Die PS sind also da, jetzt müssen sie nur gemeinsam an den Boden gebracht werden, um die gestellten Fragen mehr fachlich und weniger politisch beantworten zu können.

 
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