Unmut

15.02.2013

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2013

Der Unmut der Verbraucher und ihrer selbsternannten Sprachrohre gegen die intensive Tierhaltung wird schon fast traditionell im Umfeld der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin Mitte Januar zur Schau getragen. Haben in manchen Jahren „Lebensmittelskandale“ substanzielles Futter für den inszenierten Aufschrei geliefert, erschien die diesjährige Aktion, maßgeblich vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geführt, denkwürdig substanzlos. Schon einige Wochen vorher versuchte es der BUND mit einer selbstvernichtenden Meldung „Schweinemett ist keimbelastet“, wobei er den Verzehr von rohem Schweinemett ohnehin suizidalem Verhalten nahestellt. Das Medienecho war entsprechen verhalten. Zur IGW wartete der BUND mit einer vermeintlichen Breitseite gegen den hohen Fleischverzehr in den Industrieländern, insbesondere Deutschland, auf. 1094 Tiere esse jeder Deutsche in seinem Leben, wurden längst bekannte und allgemein zugängliche Statistiken neu interpretiert, ohne damit wirklich anschaulich Schrecken zu verbreiten. Selbst harmlosen Gemütern war bei dieser Zahl klar, dass der größte Anteil dieser Tiere klein und je Individuum nur wenig Fleisch liefernd ist – nämlich allein 945 Hühner.

Der BUND verstieg sich aber auch in die These, dass diese Tiere, bevor sie in den Industrieländern verspeist werden, der Bevölkerung in den Entwicklungsländern die Nahrungsmittel weg fräßen. Die Vegetariersicht einer heilen Welt, in der für alle genug Essen verfügbar ist, wenn die Nutztierhaltung abgeschafft wird, verfängt hierbei aber nicht, sondern zeigt die zwiespältige Ethik dieser Betrachtung. Geht sie doch davon aus, dass die hochwertigen Pflanzenerzeugnisse in den Industrieländern den Vorkämpfern des Vegetarismus eine ausgeglichene Ernährung sichern und das bisher an die Tiere verfütterte für die Bevölkerung in den ärmeren Ländern erschwinglich werde. Doch ist es wirklich moralisch vertretbar, diesen hungernden Menschen das anzubieten, was wir als nicht tauglich zur Lebensmittelmittelproduktion erachten? Hier werden nämlich Nebenprodukte der Mehl- und Ölmüllerei, Zuckerindustrie, Brauerei, Bioenergie, für die Fruchtfolge notwendige Zwischenfrüchte, witterungsgeschädigtes Getreide und sogar Wiesenaufwuchs stillschweigend und unter Ausnutzung einer breiten Unkenntnis den Hungernden als Lebensmittel zugebilligt. Soweit die Doppelmoral derer, die ihre persönliche Sicht als Allheilmittel der Probleme dieser Welt gebetsmühlenartig unters Volk bringen, ohne an die Nachhaltigkeit im engeren Sinne auch nur annähernd den Maßstab anzulegen, den sie von anderen fordern.

Und dennoch war das Bild, das die IGW dann bot, ohne dass es Verwunderung auslösen konnte, ein buntes, einvernehmliches Präsentieren von Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft. Das Angebot zum Kosten wurde von den Besuchern allseits gerne angenommen, aber auch die Möglichkeit, kritische Fragen zu stellen, wurde genutzt. Gut besucht und ein Publikumsmagnet war wiederum der federführend von der Fördergemeinschaft nachhaltige Landwirtschaft (FNL) betreute ErlebnisBauernhof, auf dem auch der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) die Gelegenheit nutzte, Nutztierfütterung den Verbrauchern nahe zu bringen. Fachbetreuer informierten unter anderem über die gängigsten Bestandteile von Mischfutter, und Modellschwein „Rosalie“ sah bei manchem ihr von Messebesuchern vorgesetzten Futtermischungen „rot“.

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