Tiernahrung heute: die Cover-Version

14.12.2018

Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT), Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2018

„100 Jahre Verband“ – das Jubiläumsjahr für den DVT und die gesamte Futtermittelbranche geht zu Ende. 100 Jahre Interessenvertretung sind zugleich 100 Jahre Futter für gesunde Tiere und gesunde Lebensmittel. Es klingt so leicht gesagt, dass die Hersteller von Tiernahrung sich um das Wohl der Tiere und damit um die tierische und letztlich die menschliche Ernährung kümmern. Und gerade deshalb ist die Verantwortung groß. Es muss immer wieder bewusst werden, dass in der Wertschöpfungskette – für die mancher Ideologe den „Wert" nicht erkennt – alle ein Teil der Verantwortung tragen. Früher ging es vornehmlich darum, eine hohe Produktivität zu erzielen und die Menge von Fleisch, Eiern und Milch (sprich: Ertrag) zu steigern, weil der Bedarf sehr schnell anstieg. 

Der technische Fortschritt in allen Bereichen der Landwirtschaft und später auch im Umweltschutz hat dazu beigetragen, die Effizienz und Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Bis hin zu den angeblich industriellen Verhältnissen, bei denen zugleich das Wohl der Tiere und die Gesundheit, aber auch der Umwelt verbessert werden konnten. 

Heute, in der postindustriellen Zeit, zählt das alles nicht mehr. Der Blick zurück ist wenig hilfreich, mit Ausnahme der Besinnung auf die gemachten Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse. Denn ohne sie wären wir heute nicht da, wo wir sind – im Guten und Schlechten. Manches Forschungsprojekt kann wieder aus der Schublade geholt werden. Denn Nährstoffkreisläufe und Kreislaufwirtschaft an sich waren schon vor 40-50 Jahren ein wichtiges Thema, wurden aber mit diversen Krisen außer Kraft gesetzt. 

Jetzt erfahren sie eine Renaissance mit neuen Begriffen: Nachhaltigkeit ist einer davon. Doch müssen die Erfinder im 21. Jahrhundert ihre Cover-Version daran messen lassen, ob die Doublette vollständig und umfassend ist. 

Beispiel: Regionale Produkte sind nicht per se nachhaltig und schließen nicht unbedingt Kreisläufe, im Gegenteil. Die Dimension ist größer. Die Verwertung von Nebenprodukten ist wichtig, muss sich aber an dem Beitrag für die Kreislaufwirtschaft messen lassen. Die Hersteller von Tiernahrung mit ihren Experten sind klug genug, ihre Produkte mit dem inzwischen hohen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu optimieren. Wenn sich dann aber die Diskussion auf das kleinste Teil im Bodensee reduziert (Stichwort: Mikroplastik) und sofort Horrorszenarien verbreitet werden, können wir den Anspruch auf Kreislaufwirtschaft auch direkt einstellen. Wer die Hysterie mal ein wenig relativiert, kann mit einem Blick in mehr als 100 Jahre Futtermittel erkennen, dass es Lösungen gibt, an denen es sich lohnt vorurteilsfrei zu arbeiten.

Hersteller von Tiernahrung stellen sich selbstverständlich den Aufgaben ihrer Zeit. Jetzt sind es die optimierten Nährstoffkreisläufe, die Sicherung der Tiergesundheit, die globale Beschaffung nachhaltig erzeugter Rohstoffe, der Ersatz unerwünschter Rohstoffe durch andere und so weiter. 

Eine Utopie und nicht zu schaffen? Nein, wir schaffen das! 

Prost Neujahr.

 

 

 

 
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