Ausblick?!

14.12.2011

Peter Radewahn, Geschäftsführer DVT, Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2011


War noch am Ende des vergangenen Jahres an dieser Stelle von einem positiven Ausblick und allem Grund zu Selbstbewusstsein in der Futtermittelwirtschaft und der Tierproduktion die Rede, wurden wir nur eine Woche später brutal in die Realität zurückgeholt. Wirklich? War der positive Ausblick des vergangenen Jahres tatsächlich realitätsfern? Ganz sicher nicht!
Die Branche hat bewiesen, dass sie in der Lage ist, auch große Krisen wie den Dioxin-Fall zu überstehen und – dies ist besonders wichtig – immer früher in der Produktionskette Probleme zu erkennen. 1997 war die Milch in Baden-Württemberg mit erhöhten Dioxin-Gehalten auffällig geworden und es dauerte Wochen, bis brasilianische Zitruspellets als Ursache ermittelt werden konnten. Anfang des Jahres war es die funktionierende Eigenkontrolle der Mischfutterhersteller, die erhöhte Schadstoffgehalte erkannte, bevor große Mengen Lebensmittel kontaminiert waren. Am Ende dieses Krisenjahres mussten erneut Dioxin-Kontaminationen festgestellt werden. Allerdings waren die Auffälligkeiten diesmal bereits beim Produzenten der Einzelfuttermittel erkannt worden. Die betroffenen Unternehmen, die sich korrekt und pflichtgemäß an Behörden und Kunden wenden und Kontaminationen offen legen, haben an sich alles richtig gemacht. Es steht weder Politik noch Öffentlichkeit – oder gar anderen in der Branche – zu, diese Unternehmen auch noch dafür zu kritisieren oder womöglich Vorteile im Markt daraus zu ziehen.  Die Zusammenarbeit mit den Überwachungsbehörden ist in den meisten Fällen besser geworden. Politik dagegen muss sich fragen lassen, warum man zu Beginn des Jahres einen vermeidbaren Großskandal herbeigeführt hat, anstatt sich an den möglichen Auswirkungen zu orientieren.  

Es bleibt ständige Aufgabe für die Branche, Kontaminationen schon in einem Stadium zu vermeiden, bevor sie überhaupt eintreten. Dies ist eine wichtige, aber nicht die einzige Aufgabe. Tierproduktion steht in einer heftigen Debatte um ihre Berechtigung an sich. Dabei ist erstaunlich, wie einige wenige gesellschaftliche Gruppen die Diskussion beherrschen und beinahe nach Belieben gestalten können, wenn sie nur genügend Sendungsbewusstsein haben.  Der Umgang mit Tieren ist insgesamt in den Fokus der gesellschaftlichen Diskussion geraten und treibt eigenartige Blüten: Das anstehende Verbot der Haltung von Zirkustieren mag skurriler Ausdruck dafür sein. Dennoch wird sich weltweit der Bedarf an veredelten Nahrungsmitteln deutlich erhöhen. Diesen Bedarf zu decken ist und bleibt Aufgabe all der Regionen, die dafür die Möglichkeit haben. Dies trifft auf jeden Fall für Mitteleuropa zu. Umso unverständlicher ist es daher, wenn selbst innerhalb der Landwirtschaft die Frage immer lauter diskutiert wird, ob es denn nicht ausreichend sei, sich selbst versorgen zu können, ohne auch noch zu exportieren?

Nein, das reicht nicht! Mit welcher Berechtigung wollte man der deutschen Automobil- oder Konsumgüterindustrie untersagen, für den Export zu produzieren? Auch Lebensmittel aus der Tierproduktion dürfen für Menschen in anderen Regionen auf dieser Welt hergestellt werden. Die Veredlungswirtschaft in Deutschland ist dazu in der Lage und kann diese Aufgabe erfüllen. Aufgabe der Politik ist es, dies auch zu ermöglichen. Es bleibt dabei: Die Veredlungswirtschaft in Deutschland hat gute Chancen. Nutzen wir sie!

 
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