Selbstbewusstsein

14.12.2010

Peter Radewahn, Geschäftsführer DVT, Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2010

Nach aller Voraussicht wird das Jahr 2010 – wenn nicht noch ein unvorhergesehenes Ereignis eintritt – für die Futtermittelwirtschaft in Deutschland insgesamt nach der produzierten Tonnage erneut zum Erfolgsjahr werden. Die Umsätze im Mischfuttersektor sind nach der Absatzkrise des Jahres 2009 sowohl mengenmäßig als auch finanziell wieder deutlich angestiegen. Der versöhnliche Jahresabschluss kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch zu Jahresbeginn die Skepsis überwog und der extreme Wettbewerb zwischen den unterschiedlichsten Anbietern den Tierhaltern half, besser über die schwierige Zeit zu kommen. Unter anderem darin liegt eine der großen Leistungen der Branche für ihre Kunden: Der Ausgleich von extremen Schwankungen in den Preisen und die Risikoverteilung sind Dienstleistungen, die wie selbstverständlich angenommen, aber in der Regel in keiner Weise von den Abnehmern und ihren Funktionären honoriert werden. Die Futterindustrie war einer der Garanten für die Erfolgsstory der deutschen und der europäischen Veredlungswirtschaft. Sie wird es ganz sicher bleiben.

2010 war aber auch in anderen Sektoren ein Erfolgsjahr: Die neue Kennzeichnungs- und Verkehrsverordnung für Futtermittel trat im September 2010 in Kraft. Sehr viele Veränderungen waren damit zunächst gar nicht verbunden, die Details aber sind für die Praxis von erheblicher, zumeist positiver Bedeutung. Die anschließenden Regelungen wie der EU-Katalog der Einzelfuttermittel, die auf Vorschlag der Wirtschaft zustande kommen sollten, stießen allerdings auf zum Teil erheblichen Widerstand der Mitgliedstaaten und teilweise der EU-Kommission selbst. Der Begriff der gemeinsamen Erarbeitung staatlicher Regelungen – der Koregulierung – ist mittlerweile offenbar auch denen suspekt, die ihn geprägt und in Gesetze gegossen haben. Es ist schon erstaunlich zu nennen, wie in den Amtsstuben nicht nur in Bonn, sondern zuletzt auch wieder in Brüssel das Wort von den „Rechtsunterworfenen“ die Runde macht. Zumindest einige Vertreter scheinen von Zeit zu Zeit zu vergessen, dass inhaltlich völlig unsinnige Regelungen nicht dadurch besser werden, dass sie mit aller Vehemenz und undiplomatischer Machtausübung durchgedrückt werden sollen.

Die Protagonisten übersehen dabei, dass die Futtermittelbranche und mit ihr die deutsche und die europäische Veredelungswirtschaft allen Anlass hat, zehn Jahre nach dem ersten BSE-Fall in Deutschland und zehn Jahre nach dem Weißbuch zur Lebensmittelsicherheit mit deutlich gestärktem Selbstbewusstsein in die Zukunft blicken zu können. Eine ganze Reihe von Krisen und Sicherheitsproblemen der Vergangenheit wurden durch enorme finanzielle und organisatorische Anstrengungen gemeistert. Die Voraussetzungen zur Vermeidung neuerlicher großflächiger Krisen waren nie besser. Die Branche hat darüber hinaus bewiesen, dass sie zum Wohl ihrer Kunden auch extreme ökonomische Herausforderungen bewältigen kann. Die weltweiten Absatzmärkte für europäische Veredelungsprodukte beginnen sich zu erholen – die Nachfrage steigt. Mit einer umfassenden Betrachtung der nachhaltigen Produktion, die nicht alles auf eine schlichte Berechnung von Treibhausgasäquivalenten reduziert, kann auch belegt werden, dass moderne Tierproduktion sehr viel mehr Nutzen stiftet als schadet. Wir haben allen Anlass, optimistisch und selbstbewusst in die Zukunft zu blicken.

 
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