Tierhaltung im Fokus der Gesellschaft

14.10.2016

Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der DLG, Frankfurt a. M.
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 9-10/2016

Der Veredelungssektor hat wie kaum ein anderer Agrarbereich ein unternehmerisches Selbstverständnis. Eine über Generationen entwickelte verbesserte Produktivität und moderne, tiergerechtere Ställe demonstrieren die Innovationsfähigkeit der Landwirte. Die Anpassung an neue Herausforderungen durch kluges Handeln und effiziente Investitionen ist landwirtschaftliche Tradition. Voraussetzung hierfür ist unternehmerische Gestaltungsfreiheit. Sie wird von der Gesellschaft dann delegiert, wenn ein Sektor vermittelt, dass er mit dieser Freiheit, mit den ihm übertragenen natürlichen Ressourcen, mit seinen Nutztieren verantwortungsvoll umgeht. Erfolgreich Unternehmer sein bedeutet, den eingeschlagenen Pfad immer wieder kritisch zu reflektieren und Korrekturen vorzunehmen, wenn die Handlungsoptionen zu eng werden. Zweifellos sollte man sich auch den eigenen Defiziten stellen, sie schon im Ansatz vermeiden, auch wenn ökonomische Zwänge möglicherweise Auswege versperren. Nährstoffüberschüsse, Krankheiten, das eine oder andere Züchtungsziel sind letztlich auch das Ergebnis einer im Einzelfall zu starken Fokussierung auf kurzfristigen Ertrag und Leistung.

Erfolgreich Unternehmer sein heißt auch, geänderte Anforderungen aus der Gesellschaft in die betriebsindividuellen strategischen Überlegungen einzubeziehen. Das wird gerade nicht mit idealisierten Verfahren der Vergangenheit gelingen, sondern verlangt nach allen Formen von Innovationen: biologischen, technischen, elektronischen, chemischen und organisatorischen. An diesen Lösungen müssen wir als Experten selbst arbeiten, die kritischen Themen in unseren Prozessen selbst reflektieren, valide praxistaugliche Indikatoren zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Nutztierhaltung definieren. Wir müssen gesellschaftliches Vertrauen gewinnen durch unser Handeln, ja, auch, indem wir mit der Gesellschaft auf Augenhöhe in den Dialog treten und moderne Landwirtschaft begreifbar machen. Wir müssen erklären, wo es Zielkonflikte gibt. Eine Aufgabe für die gesamte Branche – den einzelnen Landwirt ebenso wie die Akteure des vor- und nachgelagerten Bereichs –, eine Aufgabe, die persönlichen und finanziellen Einsatz erfordert.

Wichtige Denkanstöße in der Debatte um eine zukunftsfähige Nutztierhaltung liefert die EuroTier 2016. Sie findet vom 15. bis 18. November auf dem Messegelände in Hannover statt und wird wieder Zukunftslösungen für die moderne Nutztierhaltung präsentieren. Dies geht allein schon aus den mehr als 250 Neuheiten hervor, die von den Ausstellern angemeldet wurden. Es werden Innovationen gezeigt, die einerseits den Betriebserfolg nachhaltig steigern und sichern. Andererseits tragen die Lösungen dazu bei, den sich ständig erweiternden Zielkorridoren in der Nutztierhaltung zwischen tier- und umweltgerechteren Haltungsbedingungen sowie sozialeren Arbeitsbedingungen zu entsprechen.

Insgesamt präsentieren mehr als 2.500 Aussteller aus 57 Ländern ein vollständiges Angebot für die Tierhaltungs-Profis aus aller Welt. Mit diesem in der Dichte einzigartigen Informationsangebot bietet die EuroTier Orientierung und Lösungen für die Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.

 
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