Ergänzung durch die Weltmärkte

14.08.2015

Bernd Springer, dfv Mediengruppe, Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 7-8/2015

Die Forderung ist laut und wird vernommen: Die Abhängigkeit der Futterherstellung von importierten Proteinfuttermitteln muss reduziert werden. Wie so oft bei Forderungen, die als öffentlicher Konsens dargestellt werden, wird die aktuelle Entwicklung gerne außer Acht gelassen. Ist die Abhängigkeit wirklich so groß und lässt sie sich durch Rohstoffe vom regionalen Markt kurz-, mittel- oder langfristig decken?

Zunächst muss festgestellt werden, dass die hochwertigste, aus einheimischer Produktion zur Verfügung stehende Proteinquelle, das Tiermehl, seit der BSE-Krise 2000 nicht mehr zur Verfügung steht. In der Folge stieg der Getreideeinsatz im Mischfutter stark an, sodass Futtergetreide, größtenteils aus heimischem, zumindest europäischem Anbau, zur größten Proteinquelle im Mischfutter geworden ist. Über 11 Millionen Tonnen Getreide fließen jährlich ins Mischfutter. Eine weitere Steigerung findet alleine schon dadurch Grenzen, dass das Aminosäurenmuster von Getreide weit vom idealen Protein in der Tierfütterung entfernt ist. So sind die kritisierten Sojaimporte gar nicht erstlinig als quantitative Ergänzung der heimischen Proteine, sondern vielmehr als qualitative Ergänzung anzusehen, damit der Rohproteingehalt der Futtermittel niedrig gehalten werden kann.

Zusätzlich beträgt der Anteil von Rapsschrot im Mischfutter rund 10 Prozent und hat damit eine gleiche Bedeutung wie Sojaschrot mit rund 11 Prozent. Bemühungen, andere Ölsaaten aus heimischem Anbau in größerem Umfang in das Mischfutter aufzunehmen, scheitern bisher weniger an der Tauglichkeit der Rohstoffe als an ihrer Verfügbarkeit. Im Wettbewerb um einen sicheren Platz in der Fruchtfolge bei den Erzeugern haben Leguminosen nur schwache Argumente. Auch das politisch geförderte Donausoja ist nur für wenige Ackerflächen eine lukrative Alternative, also auch hier wird die Verwendung im Mischfutter durch das Angebot und nicht die Nachfrage begrenzt.

Dennoch ist seit einigen Jahren eine Zunahme des Einsatzes von Leguminosen zu verzeichnen. So geht aus den Daten der Marktordnungswaren-Meldeverordnung hervor, dass deren Verwendung von 566.000 Tonnen im Wirtschaftsjahr 2007/2008 auf 756.000 Tonnen 2012/2013 gesteigert wurde und somit schon gut 3 Prozent der Proteinfuttermittel ausmacht. Zusammengenommen ist also der Anteil heimischer Proteinrohstoffe größer als der des Sojaschrots. Dies alles ist kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Es gilt vielmehr, die Bemühungen um die Entwicklung heimischer Proteinfuttermittel zu stärken. Dabei soll aber auch die Ehrlichkeit gewahrt bleiben, dass die Begrenzung bisher eher im Anbau als in der Verarbeitung und Verfütterung liegen. Bei ausreichend verfügbarer Ware zu vernünftigen Qualitäten und Konditionen finden die heimischen Proteine ihren Weg in die Mischungen. Dennoch bleibt dem Importrohstoff Sojaschrot eine sehr wichtige Rolle, für die möglichst uneingeschränkter Zugang zu den Weltmärkten unabdingbar ist. Wären heimische Proteine ausreichend verfügbar, hätten die Schwierigkeiten, die die Unsicherheiten um GVO-Soja mit sich bringen, den Importen schon längst den Garaus gemacht. Vielleicht sollte man die Diskussion nicht vollständig abgekoppelt von der Frage der Wiederzulassung von Tiermehl in der Nutztierfütterung führen. Dieser Rohstoff ist hinsichtlich der Proteinqualität konkurrenzlos und bringt zusätzlich Phosphor mit in die Mischung.

 
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