Nein! – Nicht weiter so!

13.04.2018

Peter Radewahn, Deutscher Verband Tiernahrung e. V., Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 3-4/2018

Die jüngsten Funde von Salmonellen des Serotyps agona in Produkten deutscher Ölmühlen geben gleich mehrfach Anlass zu erheblicher Sorge. Das oft genug beschworene politische Prinzip „Weiter so" kann und darf hier nicht mehr gelten.Es ist dringendst erforderlich, dass sich die Betreiber darüber klar werden, woher die Einträge an Salmonellen stammen, wo diese schädlichen Einzeller bereits in den Anlagen Nester gebildet haben und wie letztlich den Belastungen mit aller Konsequenz begegnet werden kann. Dazu gehören auch intensive Kontroll- und Untersuchungstätigkeit und der Wille zu Transparenz! Urteile höchster deutscher Gerichte zur Frage einer sicheren, echten, unverfälschten, zweckgeeigneten und handelsüblichen Qualität machen mehr als deutlich, wie die einschlägigen europäischen und nationalen Verordnungen und Gesetze in der Praxis dazu auszulegen sind. Die Forderung an alle Betreiber heißt: „Sofort" und nicht erst nach dem nächsten Fall. Darüber kann nicht verhandelt werden! Gleiches gilt allerdings auch für das behördliche Krisenmanagement und die zum Teil chaotischen Verhältnisse, die Resultat einer völlig verfehlten Einschätzung der Lage in Politik und Verwaltung sind. Das in anderen Problemfällen so oft beschworene Prinzip der Risikobewertung auf der Basis einer erkannten, bestehenden Gefahr wurde hier völlig außer Acht gelassen oder die Bewerter haben versagt. Die Aussage, eine Salmonelle egal welchen Typs in Futtermitteln ist in der Lage, die Gesamtbevölkerung ernsthaft erkranken zu lassen, ist so falsch und unverantwortlich wie die Nichtbeachtung von Salmonellenfunden selbst. Das daraus erwachsende „Schwarz-weiß-Prinzip" (einmal s-positiv – immer s-positiv) vernichtet völlig unnötig und unverhältnismäßig Geld. Dass es nicht das Geld der Behörden und der Politik ist, sondern das „anderer Leute" ist allenfalls zynisch und es ist gerichtlich angreifbar.Schlimmer noch: Dieses Prinzip führt zu vollkommen falschen Maßnahmen auch in der Wirtschaft. Sinnvoll wäre es, das Monitoring auf Salmonellen zu intensivieren, um Quellen und Eintragswege in der gesamten Produktionskette zu identifizieren. Stattdessen wird mit der stumpfen Anordnung zur Vernichtung jeglicher, auch nur potenziell kontaminierter Ware in möglichst großen Partien, ohne Berücksichtigung einer Risikobetrachtung, ohne Gelegenheit „zum Beweis des Gegenteils" in fachlich und juristisch unqualifizierter Weise reagiert und das Gegenteil eines HACCP-Prinzips in der Kette praktiziert. Das vernichtet Geld und macht ein sinnvolles Monitoring unmöglich!Wenn nun angekündigt wird, eine behördliche Handlungsempfehlung erneut „überarbeiten“ zu wollen, so ist dieses Ansinnen sicher aller Ehren wert. Die Frage ist allerdings erlaubt, ob man erneut auf der Basis der bisherigen, verfehlten Maßnahmen weitermachen und lediglich überarbeiten sollte. Nein! – Nicht weiter so! Wir brauchen ein leeres Blatt Papier als Symbol für sinnvollen Neuanfang und den Willen zu gemeinsamen Anstrengungen auf Augenhöhe. Oder hat der symbolträchtige Name des zuletzt gefundenen Salmonellentyps bereits zu Agonie geführt?

 
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