Hohe Rohstoffpreise verteuern Futter

13.04.2012

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt/Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 3-4/2012

Steigende Tierzahlen und hochpreisige Rohstoffe haben in Deutschland dazu geführt, dass die Mischfutterindustrie im vergangenen Jahr bei Menge und Umsatz neue Rekordhöhen erreicht hat. Zusätzlich sorgten die Getreidepreise auf hohem Niveau dafür, dass sich die Landwirte eher vom erzeugten Getreide trennten und im Gegenzug Mischfutter einkauften. Mit 8,1 Milliarden Euro lag der Umsatz der Mischfutterhersteller um fast 25 Prozent über dem des Vorjahres. Auch für das laufende Jahr gibt es keine Signale für sinkende Futtermittelpreise. Auch die anhaltend gute Lage der Veredelungslandwirte sorgt dafür, dass in diesem Jahr erneut Rekorde aufgestellt werden können.

Allerdings ist das Wachstum der Tierproduktion durchaus regional unterschiedlich. Das größte Wachstum gibt es in den Veredelungszentren im Nordwesten des Landes, wogegen im Süden und besonders im Osten die Tierproduktion eher rückläufig ist. Eine Gegenbewegung aufgrund schwindender Akzeptanz in der Bevölkerung ist nicht abzusehen. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit ist es durchaus sinnvoll, dass in Deutschland Tiere intensiv auch für den Export gemästet werden. Je effizienter die Tierhaltung gestaltet wird, desto nachhaltiger ist die Produktion.

Ein deutliches Wachstum ist für 2011 bei Futtermitteln ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe zu verzeichnen. Dieser Trend ist vor allem in der Eiervermarktung und in Teilen der Milchwirtschaft in Süddeutschland zu verzeichnen. Den Mischfutterunternehmen gelingt es, dieses Segment mit zu bedienen, sie leiden aber zunehmend unter der Vielfältigkeit der erwarteten Standards. Dementsprechend ist der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) bemüht, mit den Abnehmern und Vermarktern standardisierte Profile für dieses Segment zu erarbeiten. Auch wenn für 2012 ein weiteres Wachstum für „Futter ohne Gentechnik“ zu erwarten ist, sehen die Mischfutterunternehmen sich bei der Rohwarenbeschaffung Grenzen gegenüber.

Das allgemein hohe Preisniveau der Futtermittel, das durch die positive Entwicklung in der Tierhaltung mitgetragen wird, erhöht die Flexibilität der Rationsgestaltung in den Werken und verdünnt auch den Aufpreis für gentechnikfreie Ware. Auch lassen sich eher Fütterungskonzepte vermarkten, die sich in Niedrigpreiszeiten eher dem Grenznutzen nähern. Möglichkeiten gibt es hier im Bereich der technologischen Futtermittelbehandlung und bei der Auswahl von Zusatzstoffen. Maßnahmen zur Steigerung der Futtereffizienz sind in Zeiten hoher Preise eher unterzubringen, so dass aus der jetzigen positiven Situation durchaus ein Effizienzschub für die Tierfütterung erwachsen kann.

Europaweit war die Lage der Mischfutterindustrie nicht so positiv wie in Deutschland. Der europäische Dachverband Fefac berichtet für 2011von einem Produktionsrückgang in der Höhe von 1 Prozent, der vor allem von der sinkenden Nachfrage nach Rinder- und Schweinefutter ausging, wogegen an Geflügelfutter mehr als 2010 produziert wurde. Für 2012 erwartet Fefac eine Stabilisierung im Rindersektor, die allerdings durch das Auftreten des Schmallenberg-Virus gefährdet sei. Für die Nachfrage nach Schweinefutter wird ein weiterer Rückgang erwartet, der durch die neuen Haltungsvorschriften für Sauen noch verschärft werden könnte. Im europäischen Vergleich konnte Deutschland seine führende Position ausbauen, gefolgt von Frankreich und Spanien.

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