Hoffen und Bangen

13.02.2015

Bernd Springer, dfv Mediengruppe, Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2015

Nach einem guten Jahr 2014 für die Veredlungswirtschaft und die Futtermittelbranche hat sich die Stimmung zum zurückliegenden Jahreswechsel deutlich eingetrübt. Den Produkten aus der Tierhaltung fehlt unter anderem der Absatz auf dem russischen Markt, was die Erlöse drückt. Zusätzlich nimmt die geplante Düngeverordnung jeglichen Optimismus, dass sich der Produktionszuwachs fortsetzen könne. Im Gegenteil: Da künftig weniger Nährstoffe je Flächeneinheit ausgebracht werden dürfen, muss in den Intensivregionen mit einer Reduzierung der Tierbestände gerechnet werden. Ob Bemühungen, einen funktionierenden Nährstofftransfer in die Ackerbauregionen zu etablieren, rechtzeitig greifen, darf bezweifelt werden. Tendenziell steigende Preise für Mineraldünger können solche Lösungen aber beschleunigen. Die Mischfutterindustrie muss und wird sich als Partner der Viehhaltungsbetriebe bei der Findung von Möglichkeiten zur Nährstoffreduzierung anbieten und kann so vielleicht drohende Mengenverluste einschränken helfen. Der Einsatz von Mischfutter erhält damit ein weiteres Argument gegenüber der Fütterung mit eigenproduziertem Futter.

Im Umfeld der Internationalen Grünen Woche Mitte Januar in Berlin zeigte sich erneut, dass die ablehnende Haltung einiger Verbrauchergruppen gegenüber der Tierproduktion weiter zunimmt und zunehmend aggressiver vorgetragen wird. Ein offenes Eingehen auf die Bedenken, das immer mehr Interessenvertreter der Tierhaltung praktizieren, kann den Gegenwind nicht immer beschwichtigen. So ist deshalb damit zu rechnen, dass auch in den Regionen, in denen Bestände erweitert werden könnten, ohne mit der Düngeverordnung in Konflikt zu geraten, Bestandsaufstockungen oder Neueinrichtungen die Ausnahme bleiben werden.

Ein wenig Hoffnung liegt in der Initiative Tierwohl, in der gemeinsam mit den Partnern der Wertschöpfungskette und den Verbrauchern Schweine- und Geflügelhalter die Weiterentwicklung der Tierhaltung vorantreiben wollen. Es geht dabei nicht um ein weiteres Etikett, mit dem Waren ausgezeichnet werden sollen, sondern um eine Preiserhöhung für Tierprodukte, die gezielt an diejenigen Betriebe weitergeleitet wird, die besondere Standards bezüglich des Tierwohls einhalten. Die Praktikabilität des Systems muss sich allerdings noch erweisen, bisher ist noch nicht einmal bekannt, wie viele Tierhalter darin mitmachen werden.

Eine erträgliche Dimension bezüglich der Entwicklung neuer Haltungsvorschriften vertritt Bundesagrarminister Christian Schmidt, der zum Auftakt der Grünen Woche sagte: „Haltungsvorschriften müssen am Markt belastbar sein“. Auch die Bürokratisierung der europäischen Agrarpolitik möchte Schmidt vernünftig eingrenzen. Er hält es für notwendig schon jetzt mit der Vorarbeit für die nächste Förderperiode ab 2020 zu beginnen.

Eine Verschlechterung der Stimmungslage der deutschen Landwirtschaft stellt auch der Deutsche Bauernverband mit seinem Konjunkturbarometer für Dezember fest. Hauptursache hierfür sind die Rückgänge bei den Erzeugerpreisen bei Milch, Schlachtschweinen, Ferkeln und weiteren wichtigen Agrarerzeugnissen. Dennoch sehen Veredelungsbetriebe der Zukunft etwas positiver entgegen, stellt das Konjunkturbarometer fest. Allerdings wolle nur jeder dritte Landwirt in diesem Jahr investieren. Die Ungewissheit bezüglich der zukünftigen Ausgestaltung der Tierhaltung ist bestimmt einer der Gründe, die den Investitionswillen vermindern.

 
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