Innovationsstarke Futtermittelangebote

12.10.2018

Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 9-10/2018

Die weltweite Leitmesse für Tierhaltungs-Profis, die EuroTier, bietet auch 2018 unter dem Leitthema „Digital Animal Farming – Management. Tiergesundheit. Transparenz.“ eine einzigartige Plattform, um sich über die neuesten Entwicklungen der Branche zu informieren oder diese gar selbst zu präsentieren, sowie aber auch Kontakte zu pflegen und zu knüpfen.

Gegenüber technischen Innovationen sind die Neuerungen bei Futtermitteln oft schlechter zu visualisieren, da die Lösung meist im Detail steckt und somit erst sichtbar wird, wenn das Futter und die dahintersteckenden Konzepte in der Fütterungspraxis umgesetzt werden. Dennoch hat sich dieser Bereich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt und eine Menge von höchst innovativen Lösungen konnten sich am Markt bereits erfolgreich etablieren.

Nehmen wir als Beispiel die synthetisch hergestellten Aminosäuren, mit deren Hilfe es möglich war, die Aminosäurenzusammensetzung in den Futtermitteln entscheidend und weitreichend zu optimieren. Eine Reihe dieser Produkte wie Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan werden beim monogastrischen Tier schon flächendeckend eingesetzt. Weitere Aminosäuren wie Valin oder Isoleucin befinden sich nach relativ neuer Zulassung in der praktischen Erprobung. Auch im Zuge gesundheitsrelevanter Überlegungen, Umweltgesichtspunkten sowie neuer gesetzlicher Regelungen wie der Düngeverordnung ist es sinnvoll, die Proteinversorgung weiter zu verbessern, um eine noch höhere Stickstoffeffizienz zu erzielen.

Beim Wiederkäuer stellt sich ebenso wie beim Geflügel oder Schwein die Frage nach der optimalen Verwertung des Futterproteins. Allerdings sind die gesammelten Erfahrungen anderer Tierarten durch das spezielle Vormagensystem des Wiederkäuers nicht äquivalent übertragbar. Es erscheint deshalb lohnenswert, spezielle Zusätze in einer pansengeschützten Form zuzugeben, um einen ungewollten Abbau durch die Pansenmikroben weitgehend entgegen zu wirken. Die Suche nach der richtigen Ummantelung dieser Wirkstoffe ist keinesfalls trivial, da beachtet werden muss, dass neben dem Pansenschutz auch eine entsprechend gute Verwertbarkeit in den hinteren Abschnitten des Verdauungstraktes gegeben sein muss. Darüber hinaus sollen solche Produkte gut zu verarbeiten, also möglichst unempfindlich gegenüber Druck oder Hitze sein. Trotz dieser Herausforderungen für die Hersteller finden sich auf dem Markt mehr und mehr Produkte, die die Palette längst über Aminosäuren hinaus bis zu Vitaminen und anderen Zusätzen in pansengeschützter Form erweitern. 

Ein anderes Beispiel stellen die phytogenen Zusatzstoffe dar. Hier handelt es sich im Wesentlichen um sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie ätherische Öle, die ebenso in der Ernährung des Menschen als Kräuter eingesetzt werden und vielfältige Wirkungen vor allem im Verdauungstrakt entfalten. Mit diesen Produkten ist es möglich, die Gesundheit des Darms und somit des ganzen Tieres zu stabilisieren oder gar zu verbessern.

Ernährungsmaßnahmen zur Reduzierung von Ebergeruch gewinnen in den Überlegungen zur Vermeidung der chirurgischen oder hormonellen Eberkastration eine immer größer werdende Bedeutung. Und in der Tat gibt es bestimmte Kohlehydrate, wie beispielsweise Inulin, die im Dickdarm die Produktion von Skatol und anderen Indol-Verbindungen und dadurch den Ebergeruch wirksam zu vermindern scheinen. Solche fütterungsbasierten Ansätze bieten eine aussichtsreiche Lösung mit Potential einer besseren Akzeptanz durch den Verbraucher.

 
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