Die Chancen ergreifen

12.10.2012

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 9-10/2012

Während in den industrialisierten Ländern die Landwirtschaft einen immer geringeren Stellenwert in der Wirtschaftskraft und im öffentlichen Empfinden hat und teilweise sogar ihre Daseinsberechtigung angezweifelt wird, gelingt es in vielen Regionen der Welt nicht, den Hunger der wachsenden Bevölkerung zu stillen. Aus dieser Diskrepanz entsteht die Verpflichtung, die Landwirtschaft effizient weiter zu entwickeln und dort zu intensivieren, wo sie am ressourcenschonendsten betrieben werden kann. Vom 13. bis 16. November wird in Hannover die Eurotier einen Überblick über den Stand der modernen, effizienten Tierhaltung geben. Dass die moderne Tierhaltung in der Öffentlichkeit immer weniger Rückendeckung findet, steht im krassen Widerspruch zu den notwendigeren Anstrengungen, einen Beitrag zur Welternährung zu leisten. Es sind nicht nur kommunikative Versäumnisse, die zu dieser realitätsfremden Situation geführt haben.

Eigentlich gibt es viele Zeichen für eine gute Zukunft der Landwirtschaft und der Tierhaltung. Die wachsende Weltbevölkerung bei gleichzeitig steigendem Wohlstand in den Schwellenländern sorgt für eine stetig steigende Nachfrage nach hochwertigen Nahrungsmitteln. Dies stabilisiert die Agrarpreise auf einem bisher nicht gekannten Niveau. Fraglich ist allerdings, ob es bei der gegenwärtigen Stimmungslage gelingt, diese Wachstumsvoraussetzungen zu nutzen. Eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen ist begrenzt und wird weltweit auf etwa 7 Prozent für die Jahre 2000 bis 2020 geschätzt. In der EU dürften es maximal 4 Mio. ha sein, die bis 2020 der Bewirtschaftung zugeführt werden können, schätzt Prof. Harald von Witzke (DVT-Jahrestagung, Ulm, 27. September). Demnach ist ein Produktionswachstum nur über die Steigerung der Flächenproduktivität möglich. Jedoch nehmen die Produktivitätsfortschritte eher ab. In der EU liegt der jährliche Produktivitätsfortschritt gegenwärtig nur noch bei 0,6 Prozent. Damit werden die Versäumnisse bei den Investitionen in die Agrarforschung deutlich. Für die Tierproduktion kann im Umfeld steigender Agrarpreise konstatiert werden, dass diese sich zunächst nachteilig in Form von höheren Futtermittelpreisen niederschlagen werden. Das macht Produktivitätsfortschritte umso notwendiger, weil steigende Kosten nur mit zeitlicher Verzögerung an die Konsumenten weiterzugeben sein werden. In der Vergangenheit sind die sinkenden Produktionskosten vor allem den Konsumenten zu Gute gekommen. Jetzt werden vor allem die Konsumenten die steigenden Kosten tragen müssen. Die Zeiten, in denen Lebensmittel und vor allem Fleisch und andere tierische Produkte die „Billigmacher“ waren, dürften zu Ende sein. Es ist sinnvoll und notwendig, eine intensive, effiziente Tierhaltung in Europa zu betreiben. Hier haben wir die Verhältnisse, die eine nachhaltige, ressourcenschonende Tierproduktion ermöglichen und sind in der Lage, die wachsenden Verbraucheransprüche hinsichtlich objektiver Qualitätskriterien und ethisch gesteuerten Haltungsansprüchen zu befriedigen.

Bei wachsenden Futterpreisen sind Innovationen im Bereich der Futtermittel besonders lohnend und die angebotenen Lösungen werden in Hannover auf großes Interesse stoßen. Das Klima gesicherter Absatzmärkte wird für eine positive Grundstimmung sorgen. Nicht zuletzt die immer noch wachsende Internationalität der Eurotier macht sie zur Leitmesse der Tierproduktion und wird viele ermutigende Geschäftsanbahnungen ermöglichen.

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