Investitionen nützen Tierwohl

12.02.2016

Bernd Springer, dfv Medien Gruppe, Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2016

Demonstration „Wir haben es satt“ und Gegendemonstration „Wir machen euch satt“ veranschaulichten Mitte Januar am Rande der Internationalen Grünen Woche in Berlin, in welchem gesellschaftlichen Konflikt sich die moderne intensive Landwirtschaft befindet. Während die aktuelle Preismisere bei vielen landwirtschaftlichen Produkten die Rentabilität der Betriebe gefährdet und Investieren unmöglich macht, werden die niedrigen Erlöse von Gegnern der intensiven Landwirtschaft den Betroffenen als selbstverschuldet vorgeworfen.

Erheblich moderater und sachlicher ging es auf der erstmals gemeinsam stattgefundenen Auftaktpressekonferenz mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, zu. Einig waren sich die beiden Protagonisten, dass die Tierhalter dem eindringlichen Wunsch der Verbraucher nach mehr Tierwohl nachkommen müssen, dies aber nicht zum Nulltarif zu haben sei. Wenn Tierhalter wegen nicht kostendeckender Erlöse nicht investieren könnten, so sei dies dem Tierwohl nicht förderlich. Denn jede Investition in neue Haltungstechnik sei auch eine Investition in mehr Tierwohl. Auf die Futtermittelindustrie zugeschnitten heißt dies, dass niedrige Fleisch-, Milch- und Eierpreise die Möglichkeit der Tierhalter, innovative, gesundheits- und tierwohlförderliche Zusatzstoffe einzusetzen, begrenzt. So kann sich auch die Futtermittelindustrie der Hoffnung von Minister Schmidt nur anschließen, dass Fleisch- und Milchexporte nach Russland bald wieder möglich sind und die Märkte wieder spürbar entlastet werden.

Die Initiative Tierwohl und die Ankündigung, dass weitere Partner auf der Einzelhandelsseite hinzukommen werden, wurde anerkennend zur Kenntnis genommen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass demnächst alle teilnahmewilligen Landwirte partizipieren können. Im Startjahr der Initiative, 2015, wurden schon rund 2000 schweinehaltende Landwirte aufgenommen, dazu weitere 900 Betriebe mit Hähnchen und Puten. Der Handel führte 2015 85 Mio. Euro an die Initiative Tierwohl ab. Die Erzeuger erhalten daraus 4 Cent je kg vermarktetem Fleisch.

Der Deutsche Verband Tiernahrung hat während der Grünen Woche im Rahmen des Erlebnisbauernhofs den Kontakt zu den Verbrauchern gesucht und eine positive Resonanz erlebt. Zahlreiche informative, unvoreingenommene Gespräche waren möglich. Vielen Gesprächspartnern war es vorher beispielsweise nicht klar, dass heute nur noch 2,4 bis 2,7 kg Futter für die Produktion von 1 kg Schweinefleisch benötigt werden, wogegen in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch 5 kg Futter je kg Schweinefleisch nötig waren. Auch die Information, dass die Industrie umfangreiche Maßnahmen ergreift, um den Energieverbrauch zu senken, konnte mehrfach weitergegeben werden.
Aber auch die Sorge, dass europaweit das Alter der Landwirte steige und ihre Zahl abnehme, lieferte während der Grünen Woche Gesprächsstoff. EU-Agrarkommissar Phil Hogan machte deutlich, dass es eine Voraussetzung für nachhaltige Lösungen sei, dass städtischen und ländlichen Gebieten dieselbe Wertschätzung entgegengebracht werde. Die Urbanisierung sei ein Fakt innerhalb unserer modernen Gesellschaft. Aber viele der Technologien und Innovationen, die das Wachstum der Städte angekurbelt hätten, könnten auch zur Verjüngung der ländlichen Gebiete beitragen.

 
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