Werte schaffen

12.02.2009

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag,
Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2009

Wertschöpfung beruht auf den Faktoren Boden, Kapital und Arbeit. So hat das schon Karl Marx in seinem Standardwerk „Das Kapital“ beschrieben. Dass die Wertschaffungspraktiken der Bankenwelt dieses Grundprinzip missachtet haben, mag viele Gründe haben. In einer Welt, in der einer der drei Faktoren absolut in den Vordergrund gestellt wird, fällt es wohl schwer, die Grundprinzipien, auf deren Erkenntnis das kommunistische Gedankengut gewachsen ist, anzuerkennen. Schon immer hat es Menschen gereizt, ihren Wohlstand auch unter Abwesenheit eines oder zweier dieser Faktoren zu mehren. Im Mittelalter versuchten sich die Alchimisten daran, Kapital durch Herstellung von Gold aus billigen Ingredienzien zu schaffen. Da schon deutlich vor dem 20. Jahrhundert die Erkenntnis der Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens allgemein Eingang fand, verfielen Banken darauf, Kapital durch Papiere zu schaffen, deren Wert an Erwatungen und Versprechungen geknüpft wurde. Dass diese Blase im vergangenen Jahr geplatzt ist und zu einer ernsthaften und tiefen weltweiten Wirtschaftskrise geführt hat, untermauert den Weitblick und die analytische Gabe Marx’. Nicht von ungefähr erlebt sein Standardwerk eine Renaissance im Buchhandel. Es tut gut, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft, die in den Zeiten von Lebensmittelüberschüssen in den Industrienationen für große und kleine Kapitalanleger unerotisch geworden ist, von der Wirtschaftskrise weitgehend verschont bleibt. Die Ausgaben der Verbraucher für Lebensmittel bleiben auch in der Krise recht konstant. Und die Landwirte verfügen nahezu exklusiv über einen sehr wichtigen Wertschöpfungsfaktor: Boden. Das stabilisiert auch die vor- und nachgelagerten Bereiche. Ein sicheres Einkommen in der Landwirtschaft mündet in den Kauf von Betriebsmitteln und Investitionen in Gebäude und Maschinen. Ist die Wirtschaftskrise also eine späte Bestätigung des bäuerlichen Familienbetriebs? Das wäre gewiss zu einseitig gesehen. Es zeigt sich aber, dass eine enge Verflechtung von Boden, Kapital und Arbeit, wie es auf den Familienbetrieben der Fall ist, krisenfest macht.In den vor uns liegenden Monaten hat die gesamte Wirtschaft die Hauptaufgabe, sich darauf zu besinnen, mit den vorhandenen Faktoren Werte zu schaffen. Mit dem Erfinden irgend welcher schwer verstehbaren „Werte“ ist keinem dauerhaft geholfen.Die Einschätzung einer effizienten Landwirtschaft erscheint heute in einem etwas freundlicheren öffentlichen Licht. Knappe Faktoren, hier der Boden, müssen möglicht effizient genutzt werden, um erfolgreiche Wertschöpfung zu betreiben. Auch der Futtermittelindustrie kommt wieder einmal die Aufgabe zu, effiziente Lebensmittelproduktion zu unterstützen. Diese Aufgabe ist ihr nicht neu, auch wenn sie durch Politik und öffentliche Meinung in den zurückliegenden Jahren in der Umsetzung heftig gehemmt wurde. Aber Papiere aus „Level 2“ machen nicht satt.Die Absicherung der Welternährung ist auf den Tagesordnungen der Weltwirtschaftskonferenzen nach oben gerückt. Gerade in diesem Maßstab wird deutlich, wie knapp der Faktor Boden ist. Ohne Eingriffe, die das Erdklima gefährden, lässt sich die landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf den Kontinenten nur noch marginal steigern. Es geht also darum, mit wenig Fläche viel Aufwuchs zu produzieren, aus dem gesunde Lebensmittel und effiziente Futtermittel hergestellt werden können. Es gibt keine Ressourcen zu verschenken.

 
Anmelden
Anmelden