Was machen wir alles mit?!

11.12.2015

Dr. Hermann-Josef Baaken, Deutscher Verband Tiernahrung, Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2015

Palmöl – muss zertifiziert werden. Soja – muss zertifiziert werden. Ja, was denn sonst noch alles? Die Zertifizierungswut nimmt kein Ende. Nachdem über das deutsche QS-System in vorbildlicher Weise durch und durch Qualität und Sicherheit dokumentiert und für den Verbraucher per Logo deutlich gemacht wird – damit übrigens auch der Lebensmitteleinzel-handel zufrieden ist –, soll jetzt Rohstoff um Rohstoff auf den Prüfstand gestellt werden. Label über Label: ohne Gentechnik, keine Kinderarbeit, und so weiter. Üblicherweise kommen aus dem Lebensmitteleinzelhandel reflexartige Ablehnungen, wenn die Packung bereits überfüllt ist und weitere Label keinen Platz mehr finden. So konnte die Ampel gerade noch verhindert werden – Tierwohl-Label: nein danke.

Beim Palmöl hört der Spaß auf, meint der WWF und teilt es der interessierten Öffentlichkeit mit. Umfangreiche Berichte aus Indonesien verlangen eine sofortige Reaktion. Früher wurden Forderungen gestellt, Demonstrationen vor Werken und Geschäften organisiert und Minister beschimpft, die dann 10-Punkte-Programme veröffentlicht haben, ohne sich über die langfristigen Konsequenzen bewusst zu sein. Politiker handeln immer noch reflexartig und stellen klare Forderungen auf – die sie selbst nicht erfüllen müssen, aber als Anwalt des Wählers zu verstehen sind.

Heutzutage kommen Bürgerdialoge hinzu und Runde Tische, meistens von sogenannten Nichtregierungsorganisationen geleitet. Damit sind allerdings nicht die Interessenverbände der Wirtschaft gemeint, die am besten wissen müssten, welche Möglichkeiten zu Veränderungen machbar sind. Nein, es sind eingetragene gemeinnützige Vereine aus der Umweltszene. Wobei die Symbolik des Runden Tischs nicht bedeutet, dass die Runde auch zugleich eine Diskussion auf Augenhöhe bedeutet. Der Runde Tisch bedeutet oftmals lange Diskussionen, die gerne auch mit Mitteln des Steuerzahlers finanziert werden. Zugegeben: Alle Beteiligten lernen viel voneinander und verstehen, dass sich die Welt nicht von heute auf morgen ändern kann und die wirtschaftlichen Kräfte nicht ganz außer Kraft zu setzen sind. Deshalb ist es gut, sich zusammenzusetzen und konstruktiv im Respekt vor der Meinung des anderen zu diskutieren. Am Ende muss aber eine ehrliche und realistische Lösung stehen. Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, allein die Wahrheit zu kennen. Niemand kann aber auch alleine entscheiden, wie sich Anbaumethoden oder der Handel international verändern sollen. Auch wenn vielfach die Folgen der Globalisierung bedauert werden, müssen wir die Gesetze des Marktes zur Kenntnis nehmen. Angebot und Nachfrage regeln den Preis, weiß der Marktwirtschaftler. Und wenn der Preis für Lebensmittel niedrig ist, darf man sich nicht wundern, wenn auch Wälder in Brand geraten und billigst Rohstoffe eingekauft werden. Wer honoriert die Qualität des Futtermittels, wenn nicht der Bauer als Kunde und letztlich der Verbraucher beim Kauf der wertgeschätzten Lebensmittel?

Forderungen zu Rohstoffen aufzustellen ist das eine. Sich bewusst zu werden, dass dies auf die Qualität und damit auf den Preis Auswirkungen hat, ist das andere. Darüber müssen wir reden.
Mit allen! Öffentlich und immer wieder.

 
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