Tierernährungsforschung

10.06.2011

Prof. Dr. Markus Rodehutscord, Universität Hohenheim, Institut für Tierernährung
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 5-6/2011
 
Die Rahmenbedingungen für die globale Nahrungsmittelerzeugung mit Tieren sind relativ klar. Es wird eine Verdopplung der Nachfrage innerhalb der nächsten vier Jahrzehnte prognostiziert. Die natürlichen Ressourcen für die Erzeugung werden knapp. Die Konkurrenz um Fläche zwischen dem Energiesektor und der Lebens- und Futtermittelerzeugung wird größer. Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels und veränderter Niederschlagsverteilung, die Ernten und Erträge weniger berechenbar machen. Ob es bei diesen Rahmenbedingungen gelingen kann, die Menschheit in Zukunft insgesamt besser zu ernähren und Hunger erfolgreicher als bisher zu vermeiden, lässt sich schwer absehen. Die weitere Steigerung der Produktivität in einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Erzeugung ist dafür aber eine unbedingte Voraussetzung.

Was bedeutet dies für die Tierernährung? Wachstum von Tieren ist, ebenso wie die Erzeugung von Milch und Eiern, auf das Engste mit physiologischen Prozessen der Umwandlung von Energie und Nährstoffen verbunden. Dies führt zu Verlusten, die zwar zu einem erheblichen Teil unvermeidbar sind, ansonsten aber mit optimierten Fütterungsmaßnahmen minimiert werden können. Eine Steigerung der Effizienz der Nährstoffverwertung, seit jeher ein Bestreben der Tierernährungsforschung, ist auch zukünftig möglich, ohne dass negative Folgen für die Gesundheit unserer Tiere, die Sicherheit der Lebensmittel oder die Umwelt befürchtet werden müssen. Dazu bedarf es eines Bündels von Maßnahmen.

Im Zentrum steht die Kenntnis und möglichst genaue Deckung des Bedarfes. Eine kontinuierliche Veränderung im genetischen Potenzial der Tiere und eine zunehmende Diversifizierung in den Zuchtzielen erfordern ständige Anpassungen bei den Versorgungsempfehlungen. Hierzu sind eine Fortschreibung experimenteller Befunde sowie die Entwicklung flexibler Modelle notwendig. Dies schließt ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen der Expression von Stoffwechselprozesse steuernden Genen und spezifischen Inhaltsstoffen des Futters ein. Sehr viel Potenzial steckt zudem in der Futterkonservierung und der Vermeidung von Verlusten sowie in der Futterbewertung. Veränderungen in der Pflanzenzüchtung, in der Lebensmittel- und Futtermitteltechnologie sowie im Energiesektor gehen mit Veränderungen bei der Verfügbarkeit und Qualität von Futtermitteln einher. Aktuelle Daten hierzu sind rar, insbesondere, aber nicht nur, im Hinblick auf innovative Kriterien des Futterwertes. Die Praxis fordert zudem Schnellverfahren zur Berücksichtigung der Variation des Futterwertes. Weitere Potenziale im Futterwert können durch den Einsatz und die weitere Entwicklung von Futterzusatzstoffen erschlossen werden. Zu dem Maßnahmenbündel gehört aber auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Tierernährern und Pflanzenzüchtern (Futterwert) sowie Tierzüchtern (Bedarf).

Die Tierernährung spielt mit ihren Kernkompetenzen somit eine zentrale Rolle im Management natürlicher Ressourcen für die globale Ernährungssicherung. Es gilt, dieses Potenzial in einem kooperativen Umfeld der Disziplinen zu nutzen und die Ressourcen in der Forschung zu stärken. Die wieder zunehmende Wertschätzung der Gesellschaft für Forschung dieser Art äußert sich in der Auflage öffentlich finanzierter Förderprogramme, wie es sie lange nicht gegeben hat. Dies ist mit der Erwartung verknüpft, dass eine neue Kultur der strategischen Kooperation in der Forschung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft entwickelt und etabliert wird. Hierin besteht eine große Entwicklungschance für die Beteiligten. Sie sollte genutzt werden, weil die Herausforderungen groß sind.

 
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