100 Jahre für die Futtermittelwirtschaft

10.02.2017

Bernd Springer, dfv Mediengruppe, Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2017

Die Zeitschrift FeedMagazine/Kraftfutter und ihre Vorgängerpublikationen begleiten die Mischfutterindustrie seit 100 Jahren – so schließt man aus der Jahrgangszählung. Vorgänger waren Publikationen wie „Die Trocknungs-Industrie“ und „Die Futtermittel-Industrie“. Diese gingen in den Wirren des Zweiten Weltkriegs jedoch unter. Im Juli 1953 gründeten Edmund Pries und Heinrich Asch, Fachverband der Futtermittelindustrie, Hamburg, zusammen mit dem Verleger Alfred Strothe die Monatszeitschrift für die Futtermittel-Wirtschaft „Kraftfutter“ und beriefen sich hierbei auf den Vorgänger „Die Futtermittel-Industrie“. Die Internationalisierung der Branche führte 1996 zu einer Umbenennung in FeedMagazine/Kraftfutter und einer vollständig zweisprachigen Zeitschrift. Beim Blättern in älteren Zeitschriften stößt man auf Themen, die uns heute ein Lächeln auf das Gesicht zaubern, aber auch Themen, die heute so aktuell wie damals sind. Verbraucherakzeptanz war häufig Thema, die Tierwohldiskussion ist erst in neuerer Zeit aufgeflammt. Beide Themenkreise waren wichtige Ankerpunkte auf der Internationalen Grünen Woche im Januar in Berlin. Bundesagrarminister Christian Schmidt stellte das von ihm initiierte Tierwohllabel vor, es bleiben jedoch noch große Gestaltungsräume. Wie gewohnt ist unsicher, ob die Verbraucher gewillt sind, für dokumentiertes Tierwohl tiefer in die Tasche zu greifen.

Die Landwirte werden durch andere Sorgen beunruhigt. Zwar scheinen die Märkte sich einigermaßen zu erholen, sodass Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, einen positiven Ausblick auf das vor uns liegende Jahr gab. Beunruhigend sei die neue Düngeverordnung, die voraussichtlich im Sommer in Kraft treten soll. Gerade in Intensivgebieten, in denen die Tierhalter kaum Möglichkeiten haben, ihre Flächenausstattung zu erweitern, wird es harte Einschnitte geben.

Vom Abstockungszwang werden gerade die leistungsfähigsten Betriebe getroffen. Hier ist auch die Futtermittelindustrie gefragt, wirkungsvolle Konzepte zur Vermeidung von Nährstoffausträgen ohne Leistungseinbußen zu entwickeln. Inwieweit solche Konzepte im jetzt vorgesehenen Regelwerk zur Anerkennung kommen, ist fraglich. Voraussichtlich ziehen solche Konzepte nur, wenn eine einzelbetriebliche Stoffstrombilanzierung vorgenommen wird. Nicht nur die Fütterung wird dadurch erschwert, auch der Dokumentationsaufwand steigt immens. Für Tierhalter und Futterlieferanten ist angeraten, sich möglichst früh mit der Offizialberatung an einen Tisch zu setzen und die notwendigen Schritte zu besprechen. So steht zu hoffen, dass beim staatlichen Tierwohllabel es nicht die Produzenten sind, die auf den Kosten für Mehraufwände sitzen bleiben. Die Verbraucher sind Wackelkandidaten, die sich nicht an ihre Forderungen und Versprechungen gebunden fühlen, wenn es an ihr Geld geht. Tierwohllabel als Produktionsstandard ist nicht zum Nulltarif zu haben. Lange Übergangsfristen müssen es den Produzenten ermöglichen, bestehende Stallungen bis zum Erreichen der Abschreibung zu nutzen. Die Grüne Woche war erneut ein Jahresauftakt, bei dem die Freude an Lebensmitteln im Vordergrund stand. Die Proteste gegen eine Intensivtierhaltung, die von den Gegnern gar nicht klar definiert wird, konnten durch sachliche Diskussionen in Grenzen gehalten werden.

 
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