Klimawandel - auch in der Futterindustrie

09.06.2009

Correa de Barros, Fefac-Präsident
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 5-6/2009

Die globale Debatte zur Ernährungssicherung der Weltbevölkerung und zu den Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Lebensmittelerzeugung wird in den kommenden Jahren in erheblichem Maße auch die politischen Rahmenbedingungen für die tierische Veredelungswirtschaft in der EU beeinflussen. Das im April 2009 veröffentlichte Weißbuch der Europäischen Kommission zum Klimawandel beinhaltet bereits einen sehr detaillierten "Lösungskatalog", der die Anpassung der europäischen Landwirtschaft an den Klimawandel einleiten soll. Dass die Futtermittelindustrie bereits seit vielen Jahren einen beträchtlichen Beitrag zur Effizienzsteigerung der Veredelungswirtschaft leistet, habe ich auf der World-Poultry-Konferenz am 13. Mai 2009 in London in meinem Vortrag dargestellt. Alle Experten der Geflügelfleisch- und Legehennenhaltung waren sich einig, dass die Herausforderung einer ökologischen Intensivierung der tierischen Erzeugung angenommen werden muss und nur erfolgreich durch Anwendung neuester Technologien unter Berücksichtigung des Tierschutzes beantwortet werden kann. Der unerlässliche Wandel innerhalb der Branche mit all seinen Herausforderungen zeigt sich bereits deutlich und fordert alle zum Handeln auf.  2008 hat die Fefac-Arbeitsgruppe zur nachhaltigen Futtermittelherstellung ihre Arbeit aufgenommen, um belastbare Bewertungsmethoden zur Berechnung der Umweltauswirkungen der Futtermittelwirtschaft zu entwickeln: "Carbon-foot print", Energieeffizienz und der Schutz der Biodiversität werden in zunehmendem Maße das Arbeitsprogramm der FEFAC bestimmen. Dies ist erforderlich, um im " Wettlauf" der Ideen unsere Lebensmittelerzeugung "umweltverträglicher" zu machen, mithalten und bei kontraproduktiven Entwicklungen entgegen steuern zu können - wie beispielsweise der in einigen EU-Mitgliedsländern finanziell geförderten thermischen Verwertung von pflanzlichen Eiweißträgern. Diese Arbeitsgruppe trägt auch maßgeblich zur Verfassung des ersten europäischen Umweltberichtes der Mischfutterbranche bei, der zeitgleich zum 50.Geburtstagsfest am 9. September 2009 in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Doch Nachhaltigkeit ist mehr als ökologisch: Die Fefac ist Gründungsmitglied des von der CIAA (europäischer Verband der Lebensmittelindustrie) und Copa/Cogeca (europäischer Landwirtschafts- und Genossenschaftsverband) gemeinsam eingerichteten Runden Tisches der gesamten Lebensmittelkette zum Thema Nachhaltigkeit bei Produktion und Verbrauch. Dieser wird direkt von der Europäischen Kommission unterstützt. Die Hauptaufgaben werden die Entwicklung harmonisierter Methoden zur Berechnung der Umweltauswirkungen, die Entwicklung geeigneter Formen der Verbraucherinformation sowie die Berichterstattung über die geleisteten, kontinuierlichen Fortschritte des Ernährungssektors sein. Wie wichtig die Arbeit der Fefac an diesem Runden Tisch ist, zeigt beispielsweise die Stellungnahme der Europäischen Umweltagentur auf der ersten Sitzung am 6. Mai 2009. Dort stellte sie die Milch- und Rindfleischerzeugung als größten " Klimasünder" dar und empfahl eine Verbrauchssenkung tierischer Erzeugnisse. Ich sehe hier einen klaren Handlungsbedarf für die Futtermittelwirtschaft und appelliere an alle Mitgliedsunternehmen und nationalen Trägerverbände, aktiv an der Gestaltung der neuen politischen Rahmenbedingungen zur Förderung von Nachhaltigkeit, wie sie die WHO 1992 in Rio de Janeiro definiert hat, mitzuwirken. Dies erfordert vor allem die Bereitstellung belastbarer und nachvollziehbarer Fakten und Datensätze auf Ebene der Fefac. Wenn es uns nicht gelingt, dieser Verantwortung nachzukommen, werden andere Behörden bzw. Umweltorganisationen in die "Lücke" springen und diese Berechnungen vornehmen - mit der Gefahr, dass praxisfremde " Scheinlösungen" gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit propagiert werden.

 
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