Verbraucher im Fokus

08.02.2019

Bernd Springer, dfv Mediengruppe, Frankfurt a. M.
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2019

Nicht nur das Dürrejahr 2018 hat den Investitionswillen der Landwirte gedämpft. Auch Zielkonflikte, die sich aus der gesellschaftlichen Forderung nach tier- und umweltfreundlicheren Produktionsmethoden ergeben, bremsen den Innovationswillen. Wie sollen veraltete Ställe durch tierfreundlichere, neue ersetzt werden, wenn kaum eine Gemeinde Baubewilligungen für Ställe erteilt? Der agrarpolitische Jahresauftakt anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin brachte wenig Lösungsansätze für Produzenten, dafür aber umso mehr Ideen, wie Verbraucher zufriedener gemacht werden können. Bewegung ist bei der Herkunftskennzeichnung tierischer Produkte zu erkennen, auch wenn es noch drei parallel zueinander entwickelte Systeme gibt. So arbeitet das Bundeslandwirtschaftsministerium an einer Tierwohlkennzeichnung, der Handel ist dabei, unterschiedliche Kennzeichnungen zu vereinheitlichen und der Deutsche Bauernverband (DBV) geht auf eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung zu, wohl wissend, dass dies nicht zeitnah umsetzbar sein wird. Mehrmals machte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner darauf aufmerksam, dass insbesondere die Diskussion ums Tierwohl sehr polarisiert ist. Ein Pol verschaffte sich mit der Demonstration „Wir haben es satt“ Gehör, bei der die Agrarindustrie angeprangert und Missstände in der Tierhaltung verurteilt wurden. Allerdings drangen die Forderungen kaum bis in die Messehallen durch, wo sich für Aussteller und Besucher alles um Essen, Trinken und Genießen drehte. 

Die Agrarministertagung des „Global Forum for Food and Agriculture“ erkennt die Digitalisierung als eine große Chance, Produktion und Vermarktung agrarischer Güter effektiver und nachhaltiger zu gestalten. Ein großer Unsicherheitsfaktor dabei ist jedoch nach wie vor die Datensicherheit. Die lässt sich voraussichtlich erst dann schaffen, wenn ein gesellschaftlicher Konsens besteht, welche Daten wie schützenswert sind. Fütterungs- oder Pflanzenschutzmaßnahmen sind gewiss offener zu behandeln als Finanzdaten oder personenbezogene Daten. 

Positiv zu registrieren war zum Jahresauftakt, dass kein großer Skandal die Stimmung trübte. Die Afrikanische Schweinepest hat zwar nichts an Drohpotenzial eingebüßt, mit der Dauer der Bedrohung ohne einen Seuchenfall in Europa wächst aber die Hoffnung, dass die Branche verschont wird. Tradition ist es schon, dass der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) die Grüne Woche und den dort sich präsentierenden ErlebnisBauernhof nutzt, die Öffentlichkeit über die Leistungen der Futterindustrie zu informieren. Neben einer anschaulichen Präsentation von Mischfutterrohwaren und verschiedenen Futtermitteln für Nutztiere vermittelten wechselnde Standmannschaften, wie viel wissenschaftliches Know-how und Verantwortungsbewusstsein in den Futtermitteln stecken. Was für die Herstellung wichtig ist und welche Rolle Futtermittel bei den Themen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Nährstoffkreisläufe spielen, konnten die Messebesucher darüber hinaus auf spielerische Art und Weise am Messestand erfahren. 

Die kritische Einkommenssituation der Landwirtschaft mit nur wenigen Hoffnungsschimmern am Horizont in Form von höheren Produktpreisen lässt ein weiteres wettbewerbsintensives Jahr für die Mischfutterhersteller erwarten. Aus Ermangelung anderer geeigneter Maßnahmen dürfte aber das Mischfutter seine Rolle beim Umbau der Tierhaltung in Richtung Nachhaltigkeit, Tierwohl und Umweltschonung ausbauen, was auch Hoffnung auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung macht.

 
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