Das große Treffen

07.06.2010

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt/Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 5-6/2010

Vom 9. bis 11. Juni trifft sich die europäische Mischfutterindustrie in Hamburg. Fortbildung, Kontakte knüpfen, Verbandsarbeit mitbestimmen sind die wichtigsten Gründe zur Teilnahme and den im dreijährigen Abstand stattfindenden Fefac-Kongressen. In diesem Jahr darf der Deutsche Verband Tiernahrung die Delegierten der europäischen Mischfutterindustrie, die eine Branche mit 110000 Beschäftigten vertreten, in Hamburg empfangen.
Hamburg ist als Einfallstor für einen großen Teil der Importrohstoffe für Deutschland und Europa ein besonders passender Tagungsort. Aber auch als Standort bedeutender Mischfutterwerke und Unternehmen der Zulieferindustrie hebt sich Hamburg hervor.

Die europäische Mischfutterindustrie steht für 150 Mio. t jährlich produziertes Futter von den 470 Mio. t, die die europäischen Landwirte jährlich verfüttern und stellt damit ein sehr bedeutendes Glied der Lebensmittelkette für tierische Produkte dar. Auf dem Brüsseler EU-Parkett repräsentiert die Fefac eine Branche mit Beispielscharakter. So wurden futtermittelrechtliche Regelungen schon früh EU-weit harmonisiert und die Industrie arbeitet in branchenübergreifenden Gremien mit, wie beispielsweise dem Codex Alimentarius.

Der Kongress findet vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Gewitterwolken statt. Nach der großen Bankenkrise wird die europäische Wirtschaft immer wieder in ihrem Wiederaufschwung gebremst, jüngst durch die Euro-Krise, verursacht durch die Überschuldung einiger Länder aus der Währungsunion. Schnellschüsse, um Schlimmes von der Gesamtwirtschaft abzuwenden, treffen nicht immer ihr Ziel. Wie auch, wenn die eigentlichen Ursachen seit Jahren tief unter dem politischen Willen zur weitest möglichen Integration vergraben wurden. Die Mischfutterindustrie ist von der Währungskrise mindestens in zweifacher Hinsicht getroffen: Der Wertverlust der europäischen Währung verteuert Importe vom dollarorientierten Weltmarkt. Und der Absatz hochwertiger tierischer Produkte kann ins Stocken kommen, wenn die europäischen Bürger anfangen, den Cent zweimal herumzudrehen, bevor sie ihn ausgeben. Die Mischfutterindustrie findet sich also in einer Zwickmühle wieder, die in einer Verteuerung der Futtermittel bei gleichzeitig schwierigerem Absatzmarkt ihrer Kunden liegt. Noch herrscht in der krisengewohnten Branche wenn auch keine Gelassenheit, so doch eine bemerkenswerte Ruhe. Das dürfte vor allem darin begründet sein, dass die Branche in den meisten Ländern durch mehrere Krisenschübe in den zurückliegenden Jahren einer scharfen Selektion unterworfen war und nun gestählt die nächste Krise bewältigen kann.
Ein Zeichen der Bodenständigkeit, die auch anderen Branchen gut stehen würde, ist, dass die heranwachsende diesjährige Ernte eine höhere Beachtung findet als großpolitisches Wetterleuchten.

Ein noch recht frisches Thema für die Fefac ist die Nachhaltigkeit. Die Branche muss sich auf Forderungen der Marktpartner einstellen und die Fefac hat im vorigen Jahr dazu ihren ersten Umweltreport vorgestellt. Auf dem Kongress wird die Thematik mit renommierten Rednern und Diskussionsteilnehmern weitergeführt. Nicht zuletzt werden auch politische Rahmenbedingungen und unternehmerische Strategien Diskussionsthema sein. Und nach einem arbeitsreichen Kongress wird den internationalen Teilnehmern Gelegenheit geboten, auf Exkursionen einen Blick hinter die Kulissen eines Hamburger Mischfutterwerkes und einer Fabrik für Futtermitteltechnik zu werfen. Herzlich Willkommen in Hamburg.

 
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