Alle reden über das Klima

06.12.2019

Dr. Hermann-Josef Baaken, Deutscher Verband Tiernahrung e. V., Bonn
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 11-12/2019

Manche reden über das Klima an sich und andere über das Klima der Diskussion, mit der aktuell über die notwendigen oder geforderten Änderungen in der Landwirtschaft gesprochen wird. Besser könnte es heißen: gestritten wird. Auffällig ist, dass die Auseinandersetzung lauter geworden und zugleich weniger auf Fakten basiert ist. Das „Gefühl“ der Verbraucher sagt angeblich, dass die Landwirtschaft „anders“ werden muss. Manchen Beteiligten in den Gesprächen fällt es schwer, die komplexen Wirkungen verschiedener Aktivitäten im Ökokreislauf zu bewerten.

Seit dem Sommer lassen sich viele dazu hinreißen, alles dem Primat des Klimaschutzes unterzuordnen. Ist das richtig? Gerade in der Tierernährung ist die Erfahrung zur sinnvollen Verwertung von Rohstoffen und Nebenprodukten sowie Ressourcenschonung groß, eine verbesserte Futterverwertung von jeher Ziel der Branche. Es sollte also leichtfallen, die Fragen der Gegenwart zu beantworten. Das geht natürlich nur, wenn es keine Tabus gibt und teils zerstörte Kreisläufe auch wieder geschlossen werden. Dabei helfen auch neue Technologien, die über Jahrzehnte immer wieder Fortschritte erbracht und die Futterverwertung und Nachhaltigkeit deutlich erhöht haben.

Auch die Pflanzenzüchtung hat den ernährungsphysiologischen Wert der Rohstoffe erhöht und damit in der Tierernährung wichtige Beiträge geleistet. 

Wer erinnert sich nicht an den Raps oder Mais vor 40 Jahren. Ein Vergleich mit heute zeigt deutlich den Fortschritt und damit auch, dass die Pflanzen- und Tierproduktion nicht voneinander zu trennen sind. Maßregelungen wie Verbote einzelner neuer Techniken oder zwangsweise eingeführte Steuern und Zertifikate können nur das letzte Mittel sein, wenn Argumente nicht mehr zählen.

Es war und ist deshalb auch richtig, sich zum Nutzen der neuen Züchtungstechniken zu bekennen. 

Die Futtermittelwirtschaft fordert gemeinsam mit anderen Verbänden, die global erzielten Ergebnisse der Forschung nutzen zu können und zeitnah die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Wie dies aussieht, wird noch genauer zu besprechen sein. Pauschale Ablehnungen ohne Besinnung auf neue Entwicklungen helfen mit Sicherheit nicht weiter. Die Anpassung an den wissenschaftlichen Erkenntnisstand ist unabhängig von den Marktentwicklungen und der Nachfrage nach GVO-freien Lebensmitteln (oder vielleicht besonders deshalb?) zu sehen. Das Recht muss sich der Realität und den Bedürfnissen anpassen.

Es bleibt zu hoffen, dass mehr Objektivität in die Suche nach einzelnen Antworten für die Klimafragen eingebracht wird. Das ist die Hauptaufgabe für das nächste Jahr, wenn man einmal für einen kurzen Augenblick die großen Diskussionen um die Ferkelkastration, Übertragung von EU-Mitteln von der ersten auf die zweite Säule oder Reduzierung der Anzahl roter Gebiete mit scheinbar überhöhten Stickstoff- und Phosphorwerten außen vor lässt. Auch dafür gilt: objektive Fakten und Nutzung aller technisch möglichen Lösungen.

 
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