Rapider Wandel

06.02.2020

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag, Frankfurt/Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2020

Den Landwirten drücken die gesellschaftliche Kritik und harsche Neuregelungen bei Pflanzenschutz, Düngemitteln und Tierwohl kräftig aufs Gemüt und die Geldbörse. Trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse gelingt es kaum, für Tierwohlleistungen höhere Produktpreise zu erlösen. Das bekommt auch die Zulieferindustrie zu spüren. Zurückhaltender Investitionswille in der Landwirtschaft führt zu einem Rückgang der Tierzahlen und damit einer verminderten Nachfrage nach Futter. Dabei führt an der leistungsfähigen, intensiven Landwirtschaft kein Weg vorbei. Wenn demnächst zehn Milliarden Menschen auf der Erde ernährt werden sollen, muss die landwirtschaftliche Produktion um 70 Prozent gesteigert werden, hat die Welternährungsorganisation FAO ermittelt. Eine ausreichende Nahrungsgrundlage ist wesentlich für den Weltfrieden. 

Eine vorwärts gewandte Agrarpolitik und keine Rolle rückwärts hat folgerichtig Agrarministerin Julia Klöckner anlässlich der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin im Januar angemahnt und angekündigt. Neue Technologien und Digitalisierung sieht die Ministerin als wesentlich für die notwendige Weiterentwicklung an, möchte die Landwirte über die Gemeinsame Agrarpolitik der EU aber auch finanziell ausreichend ausgestattet sehen, damit diese die notwendigen Schritte gehen können. Eine stabile Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik mahnte auch Bauernpräsident Joachim Rukwied an. An die Verbraucher appelliert er, den Lebensmitteln mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Nur wer hochwertig einkaufe könne eine hochwertige Produktion erwarten. Einig zeigten sich Ministerin und Bauernpräsident, dass ein regelbasierter internationaler Handel für die Ernährungssicherung und den wirtschaftlichen Erfolg der Landwirtschaft wesentlich sei. 

Wie sehr den Landwirten eine verlässliche Zukunftsplanung unter den Nägeln brennt, zeigten mehrere Bauerndemonstrationen während der IGW. Immer stärker wird thematisiert, dass die Bauern sich nicht generell gegen Veränderungen stellen sondern dass sie die sie betreffenden Veränderungen aktiv mitgestalten wollen. Die Demonstrationen wenden sich vor allem gegen Regeln, die am „Grünen Tisch“ ohne die Beteiligung des Berufsstandes gemacht werden. Großen Unwillen erzeugen Düngeverordnung und Insektenschutz. Auch von überzogenen Tierwohlforderungen fühlen sich die Demonstranten bedrängt. Angesichts verschiedener Strömungen bei den Demonstrierenden mahnt Bauernpräsident Rukwied die Landwirte zur Einigkeit und betont, dass die Geschlossenheit die Stärke des Berufsstands ausmacht.

Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) nutzte die IGW zur Verbraucheraufklärung. Kernanliegen war die Vermittlung, dass Futtereffizienz Klimaschutz bedeutet. Auch die Notwendigkeit passgenauer Futterrationen wurde demonstriert. Effizienz sei ein Begriff, der von Kritikern der Landwirtschaft häufig negativ verwendet werde. Doch genau so lassen sich unter anderem Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor einsparen und unnötige Ausscheidungen in die Umwelt vermeiden, betonte der DVT in vielen Gesprächen. 

 
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