Perspektiven für eine zukunftsorientierte Mischfutterherstellung

02.04.2020

von Georg Franke und Alexandra Kirchner, Internationale Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik e. V. (IFF), Braunschweig
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 3-4/2020

Die Klimaziele der Europäischen Union begleiten sämtliche Wirtschaftszweige. Einhergehend wächst auch für die Mischfutterhersteller der Druck, Anlagen und Prozesse nach der besten verfügbaren Technik zu gestalten, um unter anderem den Anforderungen an den Klimaschutz, die Energieeffizienz und den hygienisch einwandfreien Zustand der Produkte Genüge zu tun. Zudem befinden sich Mischfutterhersteller in einem Spannungsfeld, dass aktuell beispielsweise durch einen Rückgang von Tierzahlen, die zunehmende Kundennachfrage nach gentechnikfreien und diversifizierten Futtermitteln und eine weltmarktabhängige Preisgestaltung für Proteinpflanzen gekennzeichnet ist.

Seit einiger Zeit wird durch Initiativen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie die Digitalisierung der Produktion vorangetrieben. Datenvernetzung und intelligente Datenverarbeitung können die Grundlage zur Verbesserung der Nachhaltigkeit, der Hygiene sowie zur Ressourceneinsparung bei der Mischfutterherstellung bilden, aber auch zur Verbesserung der Tiergesundheit beitragen. Hier zeichnen sich eindeutige Potenziale ab, um den Herausforderungen innerhalb der Rahmenbedingungen zu begegnen. Dies setzt jedoch voraus, dass Mischfutterhersteller die klassischen Prozesse so beschreibbar machen, dass die Informationen an der Schnittstelle zur Informationstechnologie zur Verfügung gestellt werden können. Projekte für eine intelligente Mischfutterherstellung können daher nur durch eine intensive Zusammenarbeit innerhalb des bestehenden Netzwerkes gelingen. Die Internationale Forschungsgemeinschaft Futtermitteltechnik e. V. (IFF) in Braunschweig mit ihrem eigenen Forschungsinstitut ist als Technologieplattform die Schnittstelle zwischen Mischfutterherstellern, Tierernährern, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der universitären Forschungslandschaft und nimmt damit im Innovationsnetzwerk eine Schlüsselfunktion ein, um Perspektiven für eine zukunftsorientierte Mischfutterherstellung zu entwickeln und zu realisieren. Aktuelle Forschungsaktivitäten greifen Aspekte der intelligenten Produktion hinsichtlich Produktqualität, Energie- und Ressourceneffizienz, Einsatzmöglichkeiten neuartiger Rohstoffe sowie der Hygiene auf. 

Kürzlich gestartete Forschungsarbeiten fokussieren auf die Kennzeichnung der Nachzerkleinerung durch Druck- und Scherbeanspruchung beim Pelletieren. Perspektivisch soll eine Rückkopplung an die vorgelagerte Zerkleinerungsmaschine erfolgen, um den optimalen Betriebspunkt hinsichtlich der anzustrebenden Primärpartikelgröße dynamisch einzustellen. Weitere Forschungsansätze behandeln die Einsatzmöglichkeiten von mathematischen Werkzeugen zur Prozessmodellierung und -simulation der Zerkleinerung. Diese Tools könnten zukünftig einen wesentlichen Beitrag leisten, um bisher verborgene Abhängigkeiten von Prozessparametern und Produktqualitäten aufzuzeigen. Im Kontext der Digitalisierung werden Ansätze für eine – auf Mustererkennung basierende – Steigerung der Ressourcen- und Prozesseffizienz erwartet. Diese Forschungsaktivitäten sind richtungsweisend für die Branche und zeigen, dass im Netzwerk Lösungsansätze und Innovationen für eine zukunftsorientierte Mischfutterherstellung gelingen können. Davon unbenommen bleibt, dass die Nutzung der Bandbreite der möglichen Potenziale und Innovationen der strategischen Ausrichtung der Marktteilnehmer bedarf.

 
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