Rinder

Rinder sind Wiederkäuer. Daher ist bei aller Berücksichtigung von Energiebedarf und Proteinbedarf immer auch auf eine wiederkäuergerechte Ration zu achten. Dies bedeutet, dass auch die Zusammensetzung der Ergänzungsfutter die Abläufe im Vormagen der Wiederkäuer, dem Pansen, berücksichtigen muss. Häufig kommen daher Komponenten in den Ergänzungsfuttern zum Einsatz, die aufgrund ihres hohen Rohfaseranteils von Tieren mit einhöhligem Magen nicht oder nur schwer verwertet werden können, andererseits aber für Wiederkäuer besonders geeignet sind.

Milchvieh

Ein wesentlicher Anteil der Ration von Milchkühen stammt aus dem Grundfutter (Gras, Wiesen/Weiden, Grassilage, Maissilage, Heu). Daher sind alle Mischfutter für Milchkühe in der Regel Ergänzungsfutter. Aufgabe der Ergänzungsfutter ist es einerseits, die Nährstoffgehalte der Grundfutter im Hinblick auf eine ausgewogene Ration auszugleichen. Andererseits ergänzen bestimmte Typen der Ergänzungsfutter (Milchleistungsfutter) die gesamte Ration im Hinblick auf die vollständige, optimale Nährstoffversorgung, um eine möglichst hohe Milchleistung zu ermöglichen.
Die klassische Milchviehfütterung kennt somit drei Bestandteile der täglichen Gesamtration:

  • Das Grundfutter
  • Das Ausgleichsfutter (Ergänzungsfutter), das alle Imbalancen des Grundfutters ausgleicht
  • Das Milchleistungsfutter, das die ausgeglichene Grundration hinsichtlich der erforderlichen Nährstoffversorgung für optimale Milchleistung ergänzt.

Übergänge und Mischformen zwischen diesen drei Rationsbestandteilen sind üblich. Aus diesem Grund muss es sehr unterschiedliche Ergänzungsfutter für Milchkühe geben. In der Praxis wird unterschieden zwischen den ausgeglichenen Milchleistungsfuttern mit z. B. 16 Prozent Rohprotein und Energiestufe zwei (6,4 MJ Netto-Energie-Laktation = NEL, siehe rechte Spalte) oder mit 18 Prozent Rohprotein und Energiestufe drei (6,7 MJ NEL). Aktuell werden immer mehr Milchleistungsfutter mit sehr hohen Energiegehalten von mehr als 7 MJ NEL angeboten und eingesetzt, deren Rohproteingehalte ebenfalls nochmals erhöht wurde.

Es gibt aber auch sehr proteinreiche Ergänzungsfutter, die der Milchviehhalter zur Ergänzung von Getreide oder Trockenschnitzeln nutzt. Auf der anderen Seite werden sehr energiereiche Ergänzungsfutter angeboten, die den Rohproteinüberschuss - beispielsweise von jungem Weidegras im Frühjahr - ausgleichen.

Sehr wichtig ist die ausreichende Ergänzung der Ration mit allen Mineralstoffen. Besonderer Wert ist in der Milchviehfütterung dabei auf ausreichende Calcium- und Magnesiumversorgung zu legen. Dies wird in der Regel durch eine tägliche Gabe von Mineralfuttern gewährleistet.

Kalb

Milchaustauscher für Kälber dienen der Aufzucht der Nachkommen der Milchkühe oder der Kälbermast. Sie bestehen aus pflanzlichen Proteinen, pflanzlichen Energieträgern, leicht verdaulichen Fetten, Vitaminen und Mineralstoffen und können Bestandteile aus der Milchverarbeitung enthalten.

Die Milchaustauscher werden in den Tierhaltungsbetrieben in Wasser aufgelöst und häufig über Tränkeautomaten verabreicht. Dabei wird zwischen Kalt- und Warmtränken unterschieden. Ferner werden die Milchaustauscher häufig angesäuert, was einerseits der verbesserten Haltbarkeit der Tränken dient und andererseits Verdauungsstörungen bei Kälbern vorbeugen kann.

Ein typischer Milchaustauscher für Mastkälber enthält durchschnittlich

  • 20 % Rohprotein
  • 1,75 % Lysin
  • 20% Rohfett
  • 1,5% Rohfaser
  • 10% Rohasche
  • 1% Calcium
  • 0,7% Phosphor
  • 0,15% Magnesium
  • 0,5% Natrium.

Spätestens nach ihrer Tränkephase sind Kälber auch ernährungsphysiologisch als Wiederkäuer zu sehen. Daher muss für eine gute Entwicklung des Pansens eine frühzeitige Zufütterung mit Raufutter erfolgen. Um eine zügige Aufzucht und eine schnelle Entwicklung der Tiere zu erreichen, ist es erforderlich, den Tieren mehr Nährstoffe zuzuführen, als dies über die Grundfuttergaben aufgrund des noch geringen Pansenvolumens möglich wäre. Daher haben sich speziell für die Kälberaufzucht entwickelte Ergänzungsfutter bewährt. Sie führen den Tieren die erforderlichen Nährstoffe in leicht verdaulicher Form zu, ohne dabei die Entwicklung des Wiederkäuerverdauungssystems negativ zu beeinträchtigen. Eine gezielte und sorgfältige Auswahl der Komponenten in den Ergänzungsfuttern ist daher besonders wichtig. Zu berücksichtigen ist ferner, dass vor allem in der Phase der Umstellung von der Milchtränke auf feste Futtermittel Verdauungsstörungen vermieden werden.

Die gezielte, intensive Aufzucht der Kälber sollte ein Erstkalbealter von ca. 24 bis 27 Monaten ermöglichen.

Mastrind

Die Grundlage jeder Rindermastration ist das in den Tierhaltungsbetrieben in der Regel selbst erzeugte Grundfutter (Maissilage, Grassilage, Weide). Diese Grundfutter reichen aber in ihrer Nährstoffzusammensetzung nicht aus, um das hohe Wachstumspotenzial der Mastrinder vollständig auszuschöpfen und eine wirtschaftliche Mast zu ermöglichen.

Die Grundfutter müssen daher je nach ihrer Art mit den fehlenden Nährstoffen ergänzt werden. Dies gilt sowohl für den Anteil an Hauptnährstoffen (Energie, Rohprotein) als auch an Mineralstoffen, Spurenelementen und Wirkstoffen. Die Mischfutterindustrie bietet daher speziell für die Rindermast Ergänzungsfutter an, die ein Proteindefizit bei der Grundlage Maissilage oder auch einen Proteinüberschuss bei der Grundlage Grassilage ausgleichen.

Besonders wichtig ist die richtige Versorgung mit Mineralstoffen, die in der Rindermast in der Regel über Mineralfutter sichergestellt wird. Mineralfutter sind in soweit eine besondere Form der Ergänzungsfutter.

 
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Links und Downloads

siehe auch DVT-FutterFakten: Futtermittel für Nutztiere, trockenstehende Milchkühe

NEL

NEL
ist die Abkürzung für Netto-Energie-Laktation, von englisch Net energy content for lactation. Zusammen mit einer Einheit für Energie pro Masse – meist Joule pro Kilogramm – gibt sie an, welchen Energiegehalt Futter hat, der für die Milchproduktion umgesetzt werden kann.
Er ist immer kleiner als die gesamt verwertbare Energie, die so genannte Metabolische Energie – kurz ME –, englisch metabolizable energy.

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