Video: Dr. Gloria Schlegel

 

 

 

Dr. Christof Fry (49) hätte nie gedacht, dass er mal im Vertrieb und bei den Zuckerrüben „landet“. Er kommt aus der Landwirtschaft und hat in Göttingen Agrar-wissenschaften studiert. Seit diesem Sommer ist er Verkaufsleiter für den Bereich Futtermittel bei einem Zucker-hersteller in Rheinland – und damit Ansprechpartner für die Tiernahrungshersteller und die Landwirte. Das heißt, dass er sich nicht nur um den Zucker kümmert, sondern in erster Linie um Rübenschnitzel und Melasse aus der Rübe.

„Die Arbeit im Vertrieb war bei uns zu Studentenzeiten eigentlich nicht beliebt. Fast jeder wollte in die Beratung oder ins Produktmanagement. Dort habe ich zuerst auch gearbeitet. Aber mir fehlte da noch etwas: der Verkauf des Produkts. Und so wie jetzt habe ich das „ganze Paket“: Ich kenne den Herstellungsprozess des Produktes, habe Einblicke in das Qualitätsmanagement und kann die individuellen Kundenwünsche aufnehmen, entsprechend beraten und dann das passende Futter anbieten. Ich war 20 Jahre in der Mischfutterbranche, kenne mich also mit Tierernährung aus.

In der Zuckerrübe steckt so viel mehr als Zucker: Sie wird komplett genutzt – für den Menschen und für Tiere. Für uns Menschen gewinnen wir den Zucker aus der Zuckerrübe. Gleichzeitig erhalten wir Rüben-schnitzel und Melasse. Die rohfaserreichen Schnitzel werden entweder direkt aus der Produktion verladen und an Tierhalter verkauft. Sie können aber auch getrocknet, mit unterschiedlichen Melasseanteilen versetzt und als Pellets an Mischfutterfirmen geliefert werden. Die Melasse selbst hat noch einen Restzuckergehalt und Mineralstoffe enthalten – sie wird auch als eigenständiges Produkt weiterverkauft. Am Ende bleibt quasi nichts von der Rübe übrig. Selbst das Wasser aus der Rübe wird noch genutzt. Das nenne ich mal nachhaltig!

Wir verarbeiten hier ein regionales Produkt und unterstützen damit die regionale Landwirtschaft. Die Zuckerrübe passt auch wunderbar in die Fruchtfolge, also dem abwechselnden Anbau von verschiedenen Pflanzen auf einem Acker. Gleichzeitig bieten unsere Produkte einen guten Ansatz in der aktuellen Diskussion über Futtermittel für gentechnikfreie Milch.

Ich sehe als wichtige Aufgabe an, bei der Fütterung Produkte einzusetzen, die nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung bzw. Versorgung zu stehen. Wir nutzen beispielsweise bei der Zuckerrübe den Teil, den wir als Menschen nicht direkt nutzen wollen oder können, machen ihn aber über das Tier wieder für uns verfügbar. Ich zeige meinen Kunden oder auch allen anderen gern, was wir hier in den Werken machen. Das macht mir besonders viel Spaß – und so gelangen wir zu einem Dialog und zu einer Diskussion, das schafft Nähe. Denn nur so bekommen wir die Menschen wieder näher ans Lebensmittel, an dessen Herstellung und an dessen Ursprung - die Landwirtschaft.“

 

 

Video: Martin Winkelmann

 

 

 

Futterfreunde und Gesichter der Branche waren vom 6.-8. Oktober auf dem Bonner Münsterplatz beim ErlebnisBauernhof live dabei. Die Hauptorganisatoren - der Rheinische Landwirtschafts-Verband e. V. (RLV) und das Forum Moderne Landwirtschaft e. V. (FORUM) - sowie 29 Aussteller boten den rund 30.000 Besuchern, davon 500 Kindergarten- und Schulkindern in angemeldeten Führungen, authentische Einblicke in die moderne Landwirtschaft und ein vielfältiges Erlebnisangebot rund um Tierhaltung, Pflanzenproduktion, Nachhaltigkeit und Verbraucherthemen.

Was die Tiere wie Rind, Schwein und Huhn zu fressen bekommen, war ebenfalls Thema: Der Verband präsentierte Futter und -bestandteile zum Anschauen, Fühlen, Riechen und Schmecken – wer wollte, konnte probieren und erfahren, dass es entgegen der verbreiteten Vermutung essbar ist. Vor Ort waren DVT-Geschäftsstellenmitarbeiter und Kristina Kube, studentische Hilfskraft und Agrarstudentin aus Bonn.

Video: Jörg Evert

 

 

 

Unser heutiges Gesicht ist Birgit Maier-Stein (52).
Die studierte Agrarwissen-schaftlerin und Agrarökonomin arbeitet auf Verbandsebene für die Futtermittelbranche. Sie ist Expertin für die Fachbereiche Qualitätsmanagement, Gentechnik, Veterinärrecht und Export. Welche Fragen und Themen sich dahinter verstecken, kann man sich als Außenstehender eher kaum vorstellen. Dass diese Arbeit aber wichtig, spannend und abwechslungsreich ist, glaubt man ihr sofort.

„Wer heute noch denkt, dass Tiere – ob Haustier oder Nutztier – einfach so ungeprüft alles Mögliche zu fressen bekommen, der irrt gewaltig. Futter wird von der gesamten Branche als Vorstufe zum Lebensmittel verstanden. Wir haben deshalb von uns aus einen extrem hohen Qualitätsanspruch. Darüber hinaus gibt es unzählige europäische und nationale rechtliche Regelungen. Die schreiben haarklein vor, was geht und was nicht. In Europa gelten beispielsweise sehr strenge Höchstgehalte für Rückstände von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen im Futter. Als Verbandsmitarbeiterin gehört es unter anderem zu meinen Aufgaben, unsere Mitglieder über Änderungen in diesem Bereich auf dem Laufenden zu halten.

Mich erreichen jeden Tag viele Anfragen von den unterschiedlichsten Menschen, nicht nur von Futterherstellern. Dabei geht es beispielsweise um: „Welche Untersuchungen sind vorgeschrieben, wenn ich Futtermittel  für die „Ohne Gentechnik“-Produktion von Lebensmitteln weiterverkaufen will?“, „Darf ich eine Insektenzucht aufmachen und die Tiere als Futter anbieten?“ oder „Welche Vorschriften müssen wir beachten, wenn wir unser Hundefutter nach Russland exportieren?“ oder auch „Werden Meisenknödel auch auf Schadstoffe untersucht?“. Ich erkläre gern Zusammenhänge und freue mich dann, wenn am Ende mein Gesprächspartner mehr als vorher über Futtermittel weiß. Oder ich diskutiere auch leidenschaftlich unterschiedliche Standpunkte mit meinen Gesprächspartnern aus – ob mit einem „normalen“ Verbraucher als Messebesucher, einem Politiker oder einem Journalisten.

Sehr viel Spaß bereiten mir Gast-Vorlesungen an Universitäten. Hier kann ich den Studierenden Fachwissen im Bereich Futtermittel allgemein und Futtermittelrecht im Besonderen näherbringen und die vielleicht eher trockene Theorie mit praktischen Beispielen anschaulich darstellen.“

 

 

Video: Bernd Urbanik

 

 

Klara Eckel, 23 Jahre alt, kommt aus der Eifel, ist gelernte Müllerin und macht gerade ein Praktikum auf einem Bauernhof. Im Herbst startet ihr Studium der Agrar-wissenschaften in Stuttgart-Hohenheim. Klara liebt die verschiedenen Aufgaben und ist vor allem: wissbegierig.

„Dass ich in der Agrarbranche, genauer gesagt in der Tierernährung, arbeiten will, war mir schon früh klar. Ich habe zuhause, in einem Werk für Tierfutterzusatzstoffe, oft in den Ferien gejobbt. Nach dem Abi wollte ich erstmal etwas Handfestes und alles von der Pike auf lernen. Meine Ausbildung zur Müllerin war so vielfältig und spannend. Ein Müller ist schon ein Allrounder im Werk: Mal arbeitet man an der Presse, mal an der Mühle, dann gibt es wieder etwas zu reparieren und es ist wichtig, schnell Lösungen zu finden, wenn es mal irgendwo hakt. Allein die Frage „Wie stelle ich die Walze ein, um die Flocken am Ende in der gewünschten Größe oder das Mehl genau im anvisierten Mahlgrad zu bekommen?“ ist schon eine spannende Aufgabe. Nach so einer Ausbildung sieht man sich zum Beispiel Frühstücksflocken ganz anders an. ;-) Das hat alles nichts mehr mit dem alten, verstaubten Bild eines Müllers zu tun!

Genauso viel Know-how, Arbeit und Kontrolle steckt auch im Tierfutter. Hier sind die Anforderungen an Pellets, Krümelfutter oder ans mehlförmige Futter ebenfalls enorm hoch. Und ich liebe es zu überlegen, wie man einen Prozess, ein Produkt besser machen kann. Praktische Erfahrungen sind mir sehr wichtig, deshalb war ich schon in einigen Futtermittelwerken, um ein Gefühl für die ganze Thematik zu entwickeln. Und weil ich nicht nur Rezepturanweisungen in einem Werk annehmen und Futter herstellen will, sondern auch genau wissen will, wieso etwas in welcher Menge hinzugemischt wird und was ein Tier genau benötigt, geh ich ab Oktober an die Uni.

Aber da ich ja nicht ruhig sitzen kann, nutze ich die freie Zeit im Sommer für ein landwirtschaftliches Praktikum im Münsterland. Ich bin hier bei einem Schweinemastbetrieb mit Ackerbau – also wo das Getreide selbst angebaut und das Schweinefutter mit zugekauften Bestandteilen und Mineralfutter selbst gemischt wird. Ich arbeite hier überall mit: beim Betreuen der Schweine, beim Streichen und Reparieren, bei der Qualitätskontrolle während der Ernte oder auch beim Verladen der Schweine. Auch hier ist es die Vielseitigkeit, die mir gefällt – und ich bin den ganzen Tag an der frischen Luft. Das ist super.“

 

 

Video: René Höhborn

Es ist die Zeit der Ernte und damit erhalten Mensch und auch Tier frischen Nachschub für ihre 'Speisekammer'. Denn ein Großteil von dem gesamten Futter, was unsere Nutztiere wie Kühe, Schweine oder Hühner fressen, wird bei uns angebaut. Was an Logistikarbeit dahintersteckt, erzählt uns unser heutiges Gesicht der Branche René Höhborn.

 

 

 

Cord Wallheinke, 53 Jahre, ist gelernter Landwirt. Im Anschluss daran hat er Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Tierernährung studiert. Seit 25 Jahren arbeitet er mittlerweile bei einem Unternehmen in Bramsche, das sich darauf spezialisiert hat, aus Neben-produkten der Bierherstellung wertvolle Bestandteile für Tierfutter zu gewinnen. Zunächst im Bereich Vertrieb und Beratung von Bierhefe-produkten tätig, leitet Cord Wallheinke seit 2011 den Bereich Handel von Biertreber und anderen Nebenprodukten aus der Lebensmittelbranche.

„Bier fürs Tier? Nicht wirklich. Bier ist ein Lebensmittel und das trinken wir Menschen an sich lieber selbst. Wer sich einmal genauer den Brauprozess anguckt, der sieht, dass nach bestimmten Schritten Bierhefe und Biertreber anfallen. Bierhefe ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Bier. Biertreber sind feste Rückstände des Malzes. Als Laie mag man vielleicht gar nicht vermuten, dass das richtig nährstoffreiche und wertvolle Produkte sind. Je mehr Bier gebraut wird, desto mehr Bierhefe und Biertreber fallen für die Tiere an. Gerade jetzt zum Sommer können wir uns über verfügbare Mengen nicht beschweren.

Biertreber verkaufen wir direkt an Landwirte – vor allem Kühe mögen Treber gern in ihrer Futtermischung, die der Tierhalter auf dem Hof erstellt. Der Biertreber wird mit einem Lkw angeliefert und praktisch in Siloschläuchen auf dem Hof gelagert. Die Bierhefe bearbeiten wir erst noch im Werk und trocknen sie zu verschiedenen Bierhefeprodukten. In Varianten mit unterschiedlichen Produkteigenschaften verkaufen wir sie an den Handel, Mineral- und Mischfutterhersteller. Dort werden sie in die Tierfutterrezepturen einberechnet und eingemischt – und dann als fertiges Futter mit allen wertvollen Nährstoffen an die Landwirte bzw. deren Schweine und Kühe gegeben.

Schon immer drehte sich mein Leben um die Landwirtschaft, um Tiere … und eigentlich auch ums Bier. Denn schon auf dem elterlichen Bauernhof im Landkreis Celle wurde unter anderem auch Braugerste angebaut. In meinem Beruf mag ich vor allem die persönlichen Kontakte – sei es zu den Brauereien oder zu den Landwirten. In beiden Richtungen liegt mir die partnerschaftliche Zusammenarbeit am Herzen. Und da muss unsere Logistik und Planung funktionieren. Denn zum einen ist es wichtig, dass wir den Brauereien rechtzeitig die Silos leeren, und zum anderen müssen wir an die Landwirte genau dann liefern, wenn unsere Produkte benötigt werden.“

Video: Dr. Stefan Mandel

 

 

 

 

Marcus Kleffner, 44 Jahre alt, ist verantwortlich für den Vertrieb und das Qualitäts-management von Calcium-carbonat, das pur oder als Bestandteil in gemischten Tierfutterrezepturen verfüttert wird:
 
„Tiere müssen täglich Calcium und Magnesium zu sich nehmen, um das Gleichgewicht ihres Organismus aufrecht zu erhalten. Hühner benötigen beispielsweise Kalzium zum Aufbau der Eierschalen, Kühe für die Milch. Im Futter muss genug davon zur Verfügung stehen, damit die Tiere gesund bleiben und der Stoffwechsel reibungslos funktionieren kann.

Meine Aufgabe besteht darin, die hohe und gleichbleibende Qualität unserer Produkte sicherzustellen. Vielleicht verwundert es, dass ich Kollegen habe, die Sprengmeister sind. Das liegt daran, dass das Grundprodukt, der Kalkstein, gezielt aus dem Boden herausgelöst, abgebaut und aufbereitet wird. Darüber hinaus arbeite ich mit unseren Kunden zusammen, um ihnen passende Produkte für ihre verschiedenen Tierfuttersorten anbieten zu können.
 
Spannend ist die Zusammenarbeit mit Universitäten. Denn die Basis für eine bestmögliche Tierernährung ist schließlich, dass wir genau Bescheid über einzelne Bereiche wie den Kalzium- und Magnesiumbedarf wissen.

Und dann gibt es auch mal ganz anders spannende Tage hier ... wenn zum Beispiel Filmteams unser Gelände nutzen. Verfolgungsjagden mit Autos, wie sie öfters im Fernsehen zu sehen sind, wurden in unseren Werken schon reichlich hier gedreht.“



In der Welt der Tiernahrung haben die klassischen Misch-futterhersteller neben den Landwirten mit ihrem Getreide weitere Zulieferer und Partner. Bei einem solchen arbeitet Produktmanagerin Fabiola Daubner (Diplom-Agrar-ingenieurin (FH), 27) in Grünwald bei München; ihr Kollege Dr. Benjamin Schröder (Agrarwissenschaftler, promoviert im Bereich Tierernährung, 42) ist in Norddeutschland im Vertrieb unterwegs:
 
Fabiola Daubner: „Als Landkind bin ich von klein auf mit der Landwirtschaft verbunden und arbeite sehr gern mit Menschen und Tieren zusammen. Deshalb ist es umso schöner, dass ich mich in meinem Job darum kümmern kann, dass aus Theorie umsetzbare Praxis wird und dies unseren Tieren nutzt. So bereite ich zum Beispiel Ergebnisse aus Fütterungsversuchen auf, die wir von unseren Lieferanten bekommen. Diese Daten stellen ich dann nicht nur auf wissenschaftlichen Symposien und anderen Veranstaltungen vor und zur Diskussion, sondern ich arbeite sie auch in unsere Produktunterlagen ein, damit wir mit stets aktuellen Infos für unsere Kunden, den Mischfutterfirmen, auch die Fütterung der Tiere verbessern können."
 
Dr. Benjamin Schröder, ein Familienmensch mit landwirtschaftlich geprägten Wurzeln im Sauer- und im Emsland ergänzt: „Unsere Teamarbeit geht dann so weiter: Wenn unsere Mischfutterexperten Fragen haben, suchen Fabiola und ich gemeinsam nach Lösungen. Dabei reden wir ausgiebig darüber, welche Produkte und welche Fachinformationen für unsere Kunden interessant und nützlich sind. Vor Ort zeige ich ihnen dann, an welchen kleinen Stellschrauben wir drehen können. Beispiele dafür sind unsere Probiotika, die wir Menschen auch aus dem Joghurt kennen, oder auch andere Stoffe, die hinsichtlich Verdauungs- oder Immunsystem Positives bewirken können – besonders die sogenannten phytogenen Produkte, aufkonzentrierte Wirkstoffe aus der Natur. Dann besprechen wir, wie wir diese in die bestehenden oder neuen Fütterungskonzepte, also letztlich in den „Speiseplan“ der Tiere integrieren können.

Wichtig ist und die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mischfutterherstellern. Denn am Ende haben wir ja alle das gleiche Ziel: Die Tiere sollen noch besser versorgt sein und damit fit und gesund bleiben.“

 

 

Alfons Benkhoff (49) wusste schon als Kind, dass er Bauer werden will und den landwirt-schaftlichen Familien-betrieb weiterführen würde. Dass er von dem kleinen Hof nicht allein leben konnte, wurde ihm etwas später klar. Also studierte er – recht naheliegend – Agrarwissenschaften und wurde eben Tierernährer und betreibt in der verbleibenden Freizeit noch aktiv Landwirtschaft. In einem Futtermittelunternehmen in Ochtrup arbeitet er nun schon seit 22 Jahren und ist damit von morgens bis abends mit der Futterrezeptgestaltung und dem Qualitätsmanagement beschäftigt.

„Meine Kollegen im Büro und im Außendienst haben mit mir jeden Tag ein großes Ziel vor Augen: Wir müssen bedarfsgerechte Futtermischungen erstellen – für gesunde Tiere und für zufriedene Landwirte. Dabei haben wir immer die Qualität im Blick. Denn Futtermittel sind Teil der Lebens-mittelkette, das ist klar. Sie müssen einwandfrei sein und unterliegen stets höchsten Qualitätsanforderungen.

Die öffentlichen Diskussionen über zum Beispiel Gentechnikfreiheit von Futtermitteln stehen dabei auf einem anderen Papier und haben mit der eigentlichen Diskussion über Lebensmittelsicherheit oder Nachhaltigkeit kaum etwas zu tun. Nachhaltigkeit ist ein oft verwendeter Begriff – er wird häufig für Marketingzwecke genutzt oder zu einseitig diskutiert. Wenn wir bei der Futterrezepturgestaltung darauf achten, effizient und bedarfsgerecht zu füttern, wenn wir Ressourcen schonen und Überschüsse beispielsweise an Stickstoff und Phosphor vermeiden und insgesamt auch noch die Kosten für unsere Kunden berücksichtigen – DAS ist gelebte Nachhaltigkeit.“

 

 

Lukas Middendorf (33 Jahre, Bachelor of Arts, Schwerpunkt Agrar-wissenschaften), ist
Geschäftsführer und Leiter Abteilung Einkauf eines Unternehmens in Essen (Oldenburg), das Vormischungen für die Mischfutterindustrie herstellt. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Die Landwirtschaft und das Oldenburger Münsterland ist für ihn seit jeher eine Herzensangelegenheit:

„Seit Kindesbeinen an ist das Unternehmen, in dem ich arbeite, ein wichtiger Bestandteil meines Lebens: Die Firma wurde vor mehr als 50 Jahren von meinem Großvater, der als Veterinärmediziner tätig war, gegründet. Den Gedanken, den er vor mehr als 50 Jahren bereits revolutionär praktizierte, ist heute präsenter und aktueller denn je: Tierwohl und Tiergesundheit für eine top Qualität unserer Nahrungs-mittel. Mein Vater, unter dem das damals kleine Familienunternehmen zu einem international agierenden Konzern gewachsen ist, nahm mich schon sehr früh mit in den Betrieb nach Bevern, wo noch auf damals übliche Weise gemischt und abgesackt wurde. Aber auch die Pferdeleidenschaft meiner Mutter hat ebenso ihren Beitrag für meine heutige Liebe zum Tier, zur Landwirtschaft und unserer Region geleistet.

Meinen ersten Ferienjob hatte ich mit damals 16 Jahren in der elterlichen Firma und ich durfte Etiketten auf Sackware kleben. In den darauf-folgenden Jahren kamen Ferieneinsätze hinzu. Spannende Erfahrungen, die mir das Unternehmen, aber auch die Mitarbeiter, ihre Familien und die „oldenburgische Denkweise“ sehr nahe gebracht haben. Unsere Misch-meister wurden für mich zu zeitlichen Ziehvätern. Nach meinem damaligen Studium ging ich für zweieinhalb Jahre in unser Werk nach Tarragona/Spanien, wo ich mich um die Produktionsintegration kümmerte.

Seit 2015 bin ich nun Mit-Geschäftsführer und habe neue Projekte wie den aktuellen Bau unseres Logistikzentrums, den Aufbau eines neuen Tochter-unternehmens in der Türkei oder auch die Einführung von SAP in meiner Obhut.

Mir liegen besonders das Wohl unserer Mitarbeiter und Ihrer Familien am Herzen. Durch sie wurden wir das, was wir heute sind und durch sie werden unsere Visionen Realität. Aber auch unsere landwirtschaftlich geprägte Region, mit ihren hochmodernen Betrieben und passionieren „Jungbauern“, sind ein wichtiger Teil für mein unternehmerisches Denken und Handeln. Ich freue mich auf alles, was kommt und weiß, dass unsere Region und unser Unternehmen durch die Produktion von qualitativen hochwertigen Produkten eine wichtige Bedeutung in der Nahrungskette übernimmt. Auch in Zukunft werde ich mich dafür stark machen, dass wir weiterhin Verantwortung für Mensch und Tier übernehmen.“

 
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