Linda Köberle (im Foto mit den Agrarhandels-junioren ganz rechts), 25-jährige Müllertech-nikerin und Betriebs-wirtin, gehört zum Nachwuchs in der Branche. Bevor sie im kommenden Jahr in den elterlichen Familienbetrieb in Oberstaufen einsteigt, sammelt sie berufliche Erfahrungen außerhalb der Firma:

„Ich bin quasi mit einer Futter- und Mehlmühle vor der Haustür aufgewachsen. Für mich war schon früh klar, dass ich beruflich in die Fußstapfen meines Vaters treten will. Dazu gehörte für mich zuallererst eine fundierte Ausbildung – deshalb habe ich zunächst Betriebswirtschaft im dualen System studiert. Meine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau habe ich in dieser Zeit in einem norddeutschen Futtermittelwerk absolviert. Anschließend besuchte ich die deutsche Müllerschule in Braunschweig, an der ich die Prüfungen zur Müllertechnikerin und -meisterin ablegte.  
Ich finde es äußerst wichtig, außerhalb der gewohnten Umgebung möglichst viele unterschiedliche Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Deshalb habe ich mir verschiedene Firmen innerhalb der Branche angesehen - aktuell bin ich in der Geschäftsstelle des DVT, um auch die Arbeit des Branchenverbands kennenzulernen.

Außerdem ist mir der Austausch mit anderen jungen Leuten aus der Branche enorm wichtig und hilfreich. Wir, die Agrarhandelsjunioren, sind eine Gruppe, die sich auf der Bundeslehranstalt Burg Warberg zusammengefunden hat und regelmäßig trifft. Viele von uns sind Futterhändler oder Futtermittelhersteller. Wir besuchen in regelmäßigen Abständen verschiedene Betriebe in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands.“

 

 

Tilman Wilke (33) hat Veterinärmedizin studiert. Heute arbeitet er als Produktentwickler in einem Unternehmen in Niederzissen. Sein Spezialgebiet ist das Thema Aquakultur:

„Warum arbeite ich als ausgebildeter Tierarzt bei einem Hersteller für alternative Futtermittelzusatzstoffe? Ganz einfach: Das richtige Futter spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Tiere, durch eine optimale Ernährung lässt sich sehr viel bewirken. Unser Ziel ist es, sichere und wirkungsvolle Futtermittelzusatzstoffe zu entwickeln, die sowohl die Gesundheit der Tiere erhalten als auch die sogenannte Leistung verbessern.

Mein Schwerpunkt ist die Aquakultur – der am stärksten wachsende Bereich der weltweiten Tierhaltung. Hier gibt es große Herausforderungen, für die kreative und vor allem nachhaltige Lösungen gefunden werden müssen. Diese entwickeln wir gemeinsam im Team, das macht sehr viel Spaß. Testen können wir unsere neuen Fütterungskonzepte direkt in der firmeneigenen Aquarienanlage.

Ein Großteil meiner Arbeit findet in einem internationalen Umfeld statt. Ich bin im ständigen Kontakt mit unseren weltweiten Kunden und Vertriebspartnern und berate diese auch bei der Planung, Durchführung und Auswertung eigener Produkttests. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Dadurch werden immer wieder neue, spannende Projekte auf den Weg gebracht.

In meiner Position habe ich die Chance, die Zukunft der globalen Ernährung von Tieren und Menschen ein Stück weit mitzugestalten – und manchmal sogar Pionierarbeit zu leisten.“

 

 

Dr. Pia Münster (33 Jahre, Agrarbiologin) ist Spezialistin für Hygienemanagement in einem Mischfutterunternehmen in Dinklage und berät Tierhalter in Fragen der Futter- und Tierhygiene:

„Der beste Schutz ist Sauberkeit – das bekommen wir schon als Kinder eingetrichtert. Ob es um Hände waschen vor dem Essen geht oder um eine saubere Küche, wo wir unsere Lebensmittel zu leckeren Speisen zubereiten – Hygiene ist das A und O, um Krankheiten vorzubeugen. Genauso wichtig ist dieses Thema auch für unsere Tiere im Stall.

Das beste, sauberste und sicherste Futter kann für Tiere zum Risiko werden, wenn nicht auch im Bereich der Futterlagerung, wie in den Silos, und im Stall und Trog für Sauberkeit gesorgt wird. Leitfäden und andere schriftliche Anweisungen können in der Praxis oft schwierig umgesetzt werden. Meine Aufgabe ist es, Landwirten praktische Tipps und hilfreiche Hinweise zum Beispiel in der richtigen Anwendung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln an die Hand zu geben. Ein gutes Betriebsmanagement einschließlich gut umgesetzter und regelmäßiger Hygienemaßnahmen beugt nämlich auch Infektionen vor und hält die Tiere gesund. Und das ist im Sinne aller – Tier und Mensch."

 

 

Grit Monse (46), Diplom-Chemikerin, Leiterin der Qualitätskontrolle in einem Chemiebetrieb in Röthenbach an der Pegnitz:

„Ebenso winzig wie unverzichtbar ist die Menge Natriumselenit, die einer Tonne Mischfutter zugesetzt wird. Mit dieser Tonne Futter kann man beispielsweise eine Muttersau grob gerechnet ein Jahr, in dem sie ca. zweimal trächtig ist und ihre Ferkel aufzieht, ernähren.

Alle höheren Lebewesen und auch der Mensch benötigen das Spurenelement Selen. Und weil unsere Böden und damit die darauf wachsenden Pflanzen zu wenig davon enthalten, wird es dem Futter für unsere Tiere zugefügt, um sie gesund und leistungsfähig zu erhalten. Auch Tiere in Bio-Betrieben sind auf diese Ergänzung angewiesen, denn überwiegend regional erzeugtes Futter und umfangreiche Weidehaltung können den Selenbedarf nicht immer decken.

Der Beitrag von mir und meinen Kollegen zur Tierernährung ist es, aus Selen, das bei der Kupferherstellung gewonnen wird, Natriumselenit zu machen und dieses in eine gut handhabbare Form zu bringen. So können Mischfutterhersteller es dann entsprechend den wissenschaftlichen Empfehlungen genau und zuverlässig in ihren Produkten dosieren."

 

 

Barbara Höck (31) hat Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Tierernährung studiert. Sie ist als Produktmanagerin verantwortlich für Pferdefutter und Kleintierfutter in einer Firma in Düsseldorf:

"Ich bin selbst leidenschaftliche Reiterin - und mir liegt viel an qualitativ gutem Futter. Ich würde fast sagen: Ich bin mindestens so kritisch wie unsere Kunden. Da passt mein Job schon ziemlich gut mit meinem Hobby zusammen.

Früher war das Pferd ein Arbeitstier, heute ist es unser Freizeitpartner. Die frühere Bedeutung sieht man heute noch in Statistiken und im Futtermittelrecht, wo Pferde als Nutztiere auftauchen. Die Anforderungen ans Futter und die Rohstoffe sind hoch - die Kontrollen und die Qualitätssicherung sind die gleichen wie bei Futter für Tiere, von denen wir Lebensmittel bekommen (Rind, Schwein, Geflügel).

Da steckt viel wissenschaftliches Know-how drin - wir Tierernährer suchen je nach Futterart geeignete Rohstoffe aus und fügen sie in passende Mengen zusammen - wie beim Kuchen backen. Es gibt verschiedene Rezepte - denn ein Turnierpferd hat ja auch andere Bedürfnisse als ein Fohlen oder ein reines Hobbypferd. So ein Futter muss vieles gleichzeitig erfüllen: Es muss optimal fürs Tier sein und es mit allem, was es braucht, versorgen. Gleichzeitig soll es auch ansprechend sein und schmecken. Deshalb geht es auch zwischendurch raus aus dem Büro ins Labor, wo wir uns selbst noch zusätzlich einen Eindruck von dem Futter verschaffen: und das mit allen Sinnen. Und wir kosten es auch schonmal selbst. ;-)"

 

 

Manfred Bierlein (52), Dipl.Ing.(FH), ist Betriebsleiter in einem Mischfutterwerk in Emskirchen:

„In einem Futtermittelwerk steht ein großer Maschinenpark. Die Produktion ist weitestgehend automatisiert. Ich sorge dafür, dass die Produktion nicht still steht.

Das Thema Wartung und Instandhaltung ist dabei sehr wichtig. Zum einen müssen sich die Investitionen amortisieren und anderseits können wir uns keinen Stillstand leisten. Schließlich benötigen unsere Kunden, die Tierhalter, auf Bestellung ihr Futter – da brauchen wir keine technische Störungen. Einzelteile wie die Schläger in einer Mühle, Wellen eines Mischers oder Matrizen in einer Pelletpresse werden stark beansprucht. In der eigenen Werkstatt, über Handwerkskollegen oder mit Vertragspartnern wird die Reparatur oder der Austausch abgearbeitet.

Größere Investitionen sind auch immer mal wieder vonnöten. Die Anschaffung neuer Maschinen und Technik muss wohl überlegt werden. Aber unabhängig davon ist es wichtig zu wissen, wie sich die Technik weiterentwickelt und was es an Neuigkeiten auf dem Markt gibt. Hier helfen vereinzelt Fachzeitschriften, aber vor allem Fachmessen, wie kürzlich die VICTAM in Köln. Hier kann man sich dann in Ruhe Details ansehen und Gespräche führen - und ist so informiert, wenn das Thema in der eigenen Firma wieder mal aktuell wird.“

 

 

Patrick Kriebel (34, Geschäftsführer, rechts im Bild) und Christian Haggenmiller (33, Qualitätsbeauftragter) von einem Mischfutterunternehmen in Senden/Iller:

"Mischfutterwerke sind alt und verstaubt? Von wegen. Der Schein trügt vielleicht manches Mal von außen. Aber innen können Technikbegeisterte schonmal leuchtende Augen bekommen: Die Leistungen unserer Maschinen, wie zum Beispiel Waagen, Mühlen, Mischer oder Pressen, sind schon beeindruckend.

Wir haben kürzlich neu gebaut und investieren gern in moderne Technik und damit in die Sicherheit - für unsere Kunden, unser Futter und damit auch in unsere Lebensmittel!"

 

 

Mathis Borcherding, 26 Jahre alt, gelernter Müller und Produktionsleiter, Schweringen (Niedersachsen), ist einer der Menschen, die in der Futterbranche arbeiten:

„Ich sorge mit meinem Team dafür, dass die gesamte Produktion im Werk reibungslos verläuft. Das beginnt bei einer optimalen Planung der verschiedenen Fahrten und Herstellungsaufträge. Dazu kommt die Prüfung der Rohwaren, die uns geliefert werden, und die Betreuung und Wartung der Technik und Abläufe im gesamten Werk, damit wir termingerecht das bestellte Futter in gewünschter Menge und Qualität herstellen können.

Warum ich hier gern arbeite? Ich komme hier aus der Region und wir haben hier ein gutes Verhältnis zu den Bauern, die wir beliefern. Ich trag gern meinen Teil dazu bei, dass ihre Tiere mit gutem Futter versorgt werden.“

 
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