Gesichter der Branche

Wir machen Tiernahrung. So lautet der Slogan des Deutschen Verbands Tiernahrung seit Jahren. Er findet sich wieder auf Broschüren, Messeständen und im Internet. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Wer arbeitet in dieser Branche, welche Ausbildung haben diese Personen? Und was gehört alles dazu, um täglich hochwertige Futtermittel für Rind, Schwein, Geflügel etc. herzustellen? Der Verband hat dieses Jahr dazu eine Serie ins Leben gerufen.

Unter dem Titel „Gesichter der Branche: diese Menschen machen Futter“ zeigt der DVT dies in unregelmäßigen Abständen mit beispielhaften Personen, was so alles hinter den Kulissen passiert. So erhalten Außenstehende auch ohne eine persönliche Werksbesichtigung erste Einblicke in die tägliche Arbeit. Dies geschieht über kurze Informationen und Bilder, wer was in einem Futtermittelwerk macht und welche Bereiche alles dazugehören, um am Ende Futter in den Trog füllen zu können.

siehe auch:

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Video: Best of Gesichter der Branche

 

 

 

 

 

Video: Dr. Gloria Schlegel

 

 

 

Dr. Christof Fry (49) hätte nie gedacht, dass er mal im Vertrieb und bei den Zuckerrüben „landet“. Er kommt aus der Landwirtschaft und hat in Göttingen Agrar-wissenschaften studiert. Seit diesem Sommer ist er Verkaufsleiter für den Bereich Futtermittel bei einem Zucker-hersteller in Rheinland – und damit Ansprechpartner für die Tiernahrungshersteller und die Landwirte. Das heißt, dass er sich nicht nur um den Zucker kümmert, sondern in erster Linie um Rübenschnitzel und Melasse aus der Rübe.

„Die Arbeit im Vertrieb war bei uns zu Studentenzeiten eigentlich nicht beliebt. Fast jeder wollte in die Beratung oder ins Produktmanagement. Dort habe ich zuerst auch gearbeitet. Aber mir fehlte da noch etwas: der Verkauf des Produkts. Und so wie jetzt habe ich das „ganze Paket“: Ich kenne den Herstellungsprozess des Produktes, habe Einblicke in das Qualitätsmanagement und kann die individuellen Kundenwünsche aufnehmen, entsprechend beraten und dann das passende Futter anbieten. Ich war 20 Jahre in der Mischfutterbranche, kenne mich also mit Tierernährung aus.

In der Zuckerrübe steckt so viel mehr als Zucker: Sie wird komplett genutzt – für den Menschen und für Tiere. Für uns Menschen gewinnen wir den Zucker aus der Zuckerrübe. Gleichzeitig erhalten wir Rüben-schnitzel und Melasse. Die rohfaserreichen Schnitzel werden entweder direkt aus der Produktion verladen und an Tierhalter verkauft. Sie können aber auch getrocknet, mit unterschiedlichen Melasseanteilen versetzt und als Pellets an Mischfutterfirmen geliefert werden. Die Melasse selbst hat noch einen Restzuckergehalt und Mineralstoffe enthalten – sie wird auch als eigenständiges Produkt weiterverkauft. Am Ende bleibt quasi nichts von der Rübe übrig. Selbst das Wasser aus der Rübe wird noch genutzt. Das nenne ich mal nachhaltig!

Wir verarbeiten hier ein regionales Produkt und unterstützen damit die regionale Landwirtschaft. Die Zuckerrübe passt auch wunderbar in die Fruchtfolge, also dem abwechselnden Anbau von verschiedenen Pflanzen auf einem Acker. Gleichzeitig bieten unsere Produkte einen guten Ansatz in der aktuellen Diskussion über Futtermittel für gentechnikfreie Milch.

Ich sehe als wichtige Aufgabe an, bei der Fütterung Produkte einzusetzen, die nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung bzw. Versorgung zu stehen. Wir nutzen beispielsweise bei der Zuckerrübe den Teil, den wir als Menschen nicht direkt nutzen wollen oder können, machen ihn aber über das Tier wieder für uns verfügbar. Ich zeige meinen Kunden oder auch allen anderen gern, was wir hier in den Werken machen. Das macht mir besonders viel Spaß – und so gelangen wir zu einem Dialog und zu einer Diskussion, das schafft Nähe. Denn nur so bekommen wir die Menschen wieder näher ans Lebensmittel, an dessen Herstellung und an dessen Ursprung - die Landwirtschaft.“

 

 

Video: Martin Winkelmann

 

 

 

Futterfreunde und Gesichter der Branche waren vom 6.-8. Oktober auf dem Bonner Münsterplatz beim ErlebnisBauernhof live dabei. Die Hauptorganisatoren - der Rheinische Landwirtschafts-Verband e. V. (RLV) und das Forum Moderne Landwirtschaft e. V. (FORUM) - sowie 29 Aussteller boten den rund 30.000 Besuchern, davon 500 Kindergarten- und Schulkindern in angemeldeten Führungen, authentische Einblicke in die moderne Landwirtschaft und ein vielfältiges Erlebnisangebot rund um Tierhaltung, Pflanzenproduktion, Nachhaltigkeit und Verbraucherthemen.

Was die Tiere wie Rind, Schwein und Huhn zu fressen bekommen, war ebenfalls Thema: Der Verband präsentierte Futter und -bestandteile zum Anschauen, Fühlen, Riechen und Schmecken – wer wollte, konnte probieren und erfahren, dass es entgegen der verbreiteten Vermutung essbar ist. Vor Ort waren DVT-Geschäftsstellenmitarbeiter und Kristina Kube, studentische Hilfskraft und Agrarstudentin aus Bonn.

Video: Jörg Evert

Unser heutiges Gesicht ist Birgit Maier-Stein (52).
Die studierte Agrarwissen-schaftlerin und Agrarökonomin arbeitet auf Verbandsebene für die Futtermittelbranche. Sie ist Expertin für die Fachbereiche Qualitätsmanagement, Gentechnik, Veterinärrecht und Export. Welche Fragen und Themen sich dahinter verstecken, kann man sich als Außenstehender eher kaum vorstellen. Dass diese Arbeit aber wichtig, spannend und abwechslungsreich ist, glaubt man ihr sofort.

„Wer heute noch denkt, dass Tiere – ob Haustier oder Nutztier – einfach so ungeprüft alles Mögliche zu fressen bekommen, der irrt gewaltig. Futter wird von der gesamten Branche als Vorstufe zum Lebensmittel verstanden. Wir haben deshalb von uns aus einen extrem hohen Qualitätsanspruch. Darüber hinaus gibt es unzählige europäische und nationale rechtliche Regelungen. Die schreiben haarklein vor, was geht und was nicht. In Europa gelten beispielsweise sehr strenge Höchstgehalte für Rückstände von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen im Futter. Als Verbandsmitarbeiterin gehört es unter anderem zu meinen Aufgaben, unsere Mitglieder über Änderungen in diesem Bereich auf dem Laufenden zu halten.

Mich erreichen jeden Tag viele Anfragen von den unterschiedlichsten Menschen, nicht nur von Futterherstellern. Dabei geht es beispielsweise um: „Welche Untersuchungen sind vorgeschrieben, wenn ich Futtermittel  für die „Ohne Gentechnik“-Produktion von Lebensmitteln weiterverkaufen will?“, „Darf ich eine Insektenzucht aufmachen und die Tiere als Futter anbieten?“ oder „Welche Vorschriften müssen wir beachten, wenn wir unser Hundefutter nach Russland exportieren?“ oder auch „Werden Meisenknödel auch auf Schadstoffe untersucht?“. Ich erkläre gern Zusammenhänge und freue mich dann, wenn am Ende mein Gesprächspartner mehr als vorher über Futtermittel weiß. Oder ich diskutiere auch leidenschaftlich unterschiedliche Standpunkte mit meinen Gesprächspartnern aus – ob mit einem „normalen“ Verbraucher als Messebesucher, einem Politiker oder einem Journalisten.

Sehr viel Spaß bereiten mir Gast-Vorlesungen an Universitäten. Hier kann ich den Studierenden Fachwissen im Bereich Futtermittel allgemein und Futtermittelrecht im Besonderen näherbringen und die vielleicht eher trockene Theorie mit praktischen Beispielen anschaulich darstellen.“

 

 

Video: Bernd Urbanik

 

Klara Eckel, 23 Jahre alt, kommt aus der Eifel, ist gelernte Müllerin und macht gerade ein Praktikum auf einem Bauernhof. Im Herbst startet ihr Studium der Agrar-wissenschaften in Stuttgart-Hohenheim. Klara liebt die verschiedenen Aufgaben und ist vor allem: wissbegierig.

„Dass ich in der Agrarbranche, genauer gesagt in der Tierernährung, arbeiten will, war mir schon früh klar. Ich habe zuhause, in einem Werk für Tierfutterzusatzstoffe, oft in den Ferien gejobbt. Nach dem Abi wollte ich erstmal etwas Handfestes und alles von der Pike auf lernen. Meine Ausbildung zur Müllerin war so vielfältig und spannend. Ein Müller ist schon ein Allrounder im Werk: Mal arbeitet man an der Presse, mal an der Mühle, dann gibt es wieder etwas zu reparieren und es ist wichtig, schnell Lösungen zu finden, wenn es mal irgendwo hakt. Allein die Frage „Wie stelle ich die Walze ein, um die Flocken am Ende in der gewünschten Größe oder das Mehl genau im anvisierten Mahlgrad zu bekommen?“ ist schon eine spannende Aufgabe. Nach so einer Ausbildung sieht man sich zum Beispiel Frühstücksflocken ganz anders an. ;-) Das hat alles nichts mehr mit dem alten, verstaubten Bild eines Müllers zu tun!

Genauso viel Know-how, Arbeit und Kontrolle steckt auch im Tierfutter. Hier sind die Anforderungen an Pellets, Krümelfutter oder ans mehlförmige Futter ebenfalls enorm hoch. Und ich liebe es zu überlegen, wie man einen Prozess, ein Produkt besser machen kann. Praktische Erfahrungen sind mir sehr wichtig, deshalb war ich schon in einigen Futtermittelwerken, um ein Gefühl für die ganze Thematik zu entwickeln. Und weil ich nicht nur Rezepturanweisungen in einem Werk annehmen und Futter herstellen will, sondern auch genau wissen will, wieso etwas in welcher Menge hinzugemischt wird und was ein Tier genau benötigt, geh ich ab Oktober an die Uni.

Aber da ich ja nicht ruhig sitzen kann, nutze ich die freie Zeit im Sommer für ein landwirtschaftliches Praktikum im Münsterland. Ich bin hier bei einem Schweinemastbetrieb mit Ackerbau – also wo das Getreide selbst angebaut und das Schweinefutter mit zugekauften Bestandteilen und Mineralfutter selbst gemischt wird. Ich arbeite hier überall mit: beim Betreuen der Schweine, beim Streichen und Reparieren, bei der Qualitätskontrolle während der Ernte oder auch beim Verladen der Schweine. Auch hier ist es die Vielseitigkeit, die mir gefällt – und ich bin den ganzen Tag an der frischen Luft. Das ist super.“

 

 

Video: René Höhborn

Es ist die Zeit der Ernte und damit erhalten Mensch und auch Tier frischen Nachschub für ihre 'Speisekammer'. Denn ein Großteil von dem gesamten Futter, was unsere Nutztiere wie Kühe, Schweine oder Hühner fressen, wird bei uns angebaut. Was an Logistikarbeit dahintersteckt, erzählt uns unser heutiges Gesicht der Branche René Höhborn.

 

 

Cord Wallheinke, 53 Jahre, ist gelernter Landwirt. Im Anschluss daran hat er Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Tierernährung studiert. Seit 25 Jahren arbeitet er mittlerweile bei einem Unternehmen in Bramsche, das sich darauf spezialisiert hat, aus Neben-produkten der Bierherstellung wertvolle Bestandteile für Tierfutter zu gewinnen. Zunächst im Bereich Vertrieb und Beratung von Bierhefe-produkten tätig, leitet Cord Wallheinke seit 2011 den Bereich Handel von Biertreber und anderen Nebenprodukten aus der Lebensmittelbranche.

„Bier fürs Tier? Nicht wirklich. Bier ist ein Lebensmittel und das trinken wir Menschen an sich lieber selbst. Wer sich einmal genauer den Brauprozess anguckt, der sieht, dass nach bestimmten Schritten Bierhefe und Biertreber anfallen. Bierhefe ist ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Bier. Biertreber sind feste Rückstände des Malzes. Als Laie mag man vielleicht gar nicht vermuten, dass das richtig nährstoffreiche und wertvolle Produkte sind. Je mehr Bier gebraut wird, desto mehr Bierhefe und Biertreber fallen für die Tiere an. Gerade jetzt zum Sommer können wir uns über verfügbare Mengen nicht beschweren.

Biertreber verkaufen wir direkt an Landwirte – vor allem Kühe mögen Treber gern in ihrer Futtermischung, die der Tierhalter auf dem Hof erstellt. Der Biertreber wird mit einem Lkw angeliefert und praktisch in Siloschläuchen auf dem Hof gelagert. Die Bierhefe bearbeiten wir erst noch im Werk und trocknen sie zu verschiedenen Bierhefeprodukten. In Varianten mit unterschiedlichen Produkteigenschaften verkaufen wir sie an den Handel, Mineral- und Mischfutterhersteller. Dort werden sie in die Tierfutterrezepturen einberechnet und eingemischt – und dann als fertiges Futter mit allen wertvollen Nährstoffen an die Landwirte bzw. deren Schweine und Kühe gegeben.

Schon immer drehte sich mein Leben um die Landwirtschaft, um Tiere … und eigentlich auch ums Bier. Denn schon auf dem elterlichen Bauernhof im Landkreis Celle wurde unter anderem auch Braugerste angebaut. In meinem Beruf mag ich vor allem die persönlichen Kontakte – sei es zu den Brauereien oder zu den Landwirten. In beiden Richtungen liegt mir die partnerschaftliche Zusammenarbeit am Herzen. Und da muss unsere Logistik und Planung funktionieren. Denn zum einen ist es wichtig, dass wir den Brauereien rechtzeitig die Silos leeren, und zum anderen müssen wir an die Landwirte genau dann liefern, wenn unsere Produkte benötigt werden.“

Video: Dr. Stefan Mandel

 

 

 

 

Marcus Kleffner, 44 Jahre alt, ist verantwortlich für den Vertrieb und das Qualitäts-management von Calcium-carbonat, das pur oder als Bestandteil in gemischten Tierfutterrezepturen verfüttert wird:
 
„Tiere müssen täglich Calcium und Magnesium zu sich nehmen, um das Gleichgewicht ihres Organismus aufrecht zu erhalten. Hühner benötigen beispielsweise Kalzium zum Aufbau der Eierschalen, Kühe für die Milch. Im Futter muss genug davon zur Verfügung stehen, damit die Tiere gesund bleiben und der Stoffwechsel reibungslos funktionieren kann.

Meine Aufgabe besteht darin, die hohe und gleichbleibende Qualität unserer Produkte sicherzustellen. Vielleicht verwundert es, dass ich Kollegen habe, die Sprengmeister sind. Das liegt daran, dass das Grundprodukt, der Kalkstein, gezielt aus dem Boden herausgelöst, abgebaut und aufbereitet wird. Darüber hinaus arbeite ich mit unseren Kunden zusammen, um ihnen passende Produkte für ihre verschiedenen Tierfuttersorten anbieten zu können.
 
Spannend ist die Zusammenarbeit mit Universitäten. Denn die Basis für eine bestmögliche Tierernährung ist schließlich, dass wir genau Bescheid über einzelne Bereiche wie den Kalzium- und Magnesiumbedarf wissen.

Und dann gibt es auch mal ganz anders spannende Tage hier ... wenn zum Beispiel Filmteams unser Gelände nutzen. Verfolgungsjagden mit Autos, wie sie öfters im Fernsehen zu sehen sind, wurden in unseren Werken schon reichlich hier gedreht.“



In der Welt der Tiernahrung haben die klassischen Misch-futterhersteller neben den Landwirten mit ihrem Getreide weitere Zulieferer und Partner. Bei einem solchen arbeitet Produktmanagerin Fabiola Daubner (Diplom-Agrar-ingenieurin (FH), 27) in Grünwald bei München; ihr Kollege Dr. Benjamin Schröder (Agrarwissenschaftler, promoviert im Bereich Tierernährung, 42) ist in Norddeutschland im Vertrieb unterwegs:
 
Fabiola Daubner: „Als Landkind bin ich von klein auf mit der Landwirtschaft verbunden und arbeite sehr gern mit Menschen und Tieren zusammen. Deshalb ist es umso schöner, dass ich mich in meinem Job darum kümmern kann, dass aus Theorie umsetzbare Praxis wird und dies unseren Tieren nutzt. So bereite ich zum Beispiel Ergebnisse aus Fütterungsversuchen auf, die wir von unseren Lieferanten bekommen. Diese Daten stellen ich dann nicht nur auf wissenschaftlichen Symposien und anderen Veranstaltungen vor und zur Diskussion, sondern ich arbeite sie auch in unsere Produktunterlagen ein, damit wir mit stets aktuellen Infos für unsere Kunden, den Mischfutterfirmen, auch die Fütterung der Tiere verbessern können."
 
Dr. Benjamin Schröder, ein Familienmensch mit landwirtschaftlich geprägten Wurzeln im Sauer- und im Emsland ergänzt: „Unsere Teamarbeit geht dann so weiter: Wenn unsere Mischfutterexperten Fragen haben, suchen Fabiola und ich gemeinsam nach Lösungen. Dabei reden wir ausgiebig darüber, welche Produkte und welche Fachinformationen für unsere Kunden interessant und nützlich sind. Vor Ort zeige ich ihnen dann, an welchen kleinen Stellschrauben wir drehen können. Beispiele dafür sind unsere Probiotika, die wir Menschen auch aus dem Joghurt kennen, oder auch andere Stoffe, die hinsichtlich Verdauungs- oder Immunsystem Positives bewirken können – besonders die sogenannten phytogenen Produkte, aufkonzentrierte Wirkstoffe aus der Natur. Dann besprechen wir, wie wir diese in die bestehenden oder neuen Fütterungskonzepte, also letztlich in den „Speiseplan“ der Tiere integrieren können.

Wichtig ist und die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mischfutterherstellern. Denn am Ende haben wir ja alle das gleiche Ziel: Die Tiere sollen noch besser versorgt sein und damit fit und gesund bleiben.“

 

 

Alfons Benkhoff (49) wusste schon als Kind, dass er Bauer werden will und den landwirt-schaftlichen Familien-betrieb weiterführen würde. Dass er von dem kleinen Hof nicht allein leben konnte, wurde ihm etwas später klar. Also studierte er – recht naheliegend – Agrarwissenschaften und wurde eben Tierernährer und betreibt in der verbleibenden Freizeit noch aktiv Landwirtschaft. In einem Futtermittelunternehmen in Ochtrup arbeitet er nun schon seit 22 Jahren und ist damit von morgens bis abends mit der Futterrezeptgestaltung und dem Qualitätsmanagement beschäftigt.

„Meine Kollegen im Büro und im Außendienst haben mit mir jeden Tag ein großes Ziel vor Augen: Wir müssen bedarfsgerechte Futtermischungen erstellen – für gesunde Tiere und für zufriedene Landwirte. Dabei haben wir immer die Qualität im Blick. Denn Futtermittel sind Teil der Lebens-mittelkette, das ist klar. Sie müssen einwandfrei sein und unterliegen stets höchsten Qualitätsanforderungen.

Die öffentlichen Diskussionen über zum Beispiel Gentechnikfreiheit von Futtermitteln stehen dabei auf einem anderen Papier und haben mit der eigentlichen Diskussion über Lebensmittelsicherheit oder Nachhaltigkeit kaum etwas zu tun. Nachhaltigkeit ist ein oft verwendeter Begriff – er wird häufig für Marketingzwecke genutzt oder zu einseitig diskutiert. Wenn wir bei der Futterrezepturgestaltung darauf achten, effizient und bedarfsgerecht zu füttern, wenn wir Ressourcen schonen und Überschüsse beispielsweise an Stickstoff und Phosphor vermeiden und insgesamt auch noch die Kosten für unsere Kunden berücksichtigen – DAS ist gelebte Nachhaltigkeit.“

 

 

Lukas Middendorf (33 Jahre, Bachelor of Arts, Schwerpunkt Agrar-wissenschaften), ist
Geschäftsführer und Leiter Abteilung Einkauf eines Unternehmens in Essen (Oldenburg), das Vormischungen für die Mischfutterindustrie herstellt. Er ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Die Landwirtschaft und das Oldenburger Münsterland ist für ihn seit jeher eine Herzensangelegenheit:

„Seit Kindesbeinen an ist das Unternehmen, in dem ich arbeite, ein wichtiger Bestandteil meines Lebens: Die Firma wurde vor mehr als 50 Jahren von meinem Großvater, der als Veterinärmediziner tätig war, gegründet. Den Gedanken, den er vor mehr als 50 Jahren bereits revolutionär praktizierte, ist heute präsenter und aktueller denn je: Tierwohl und Tiergesundheit für eine top Qualität unserer Nahrungs-mittel. Mein Vater, unter dem das damals kleine Familienunternehmen zu einem international agierenden Konzern gewachsen ist, nahm mich schon sehr früh mit in den Betrieb nach Bevern, wo noch auf damals übliche Weise gemischt und abgesackt wurde. Aber auch die Pferdeleidenschaft meiner Mutter hat ebenso ihren Beitrag für meine heutige Liebe zum Tier, zur Landwirtschaft und unserer Region geleistet.

Meinen ersten Ferienjob hatte ich mit damals 16 Jahren in der elterlichen Firma und ich durfte Etiketten auf Sackware kleben. In den darauf-folgenden Jahren kamen Ferieneinsätze hinzu. Spannende Erfahrungen, die mir das Unternehmen, aber auch die Mitarbeiter, ihre Familien und die „oldenburgische Denkweise“ sehr nahe gebracht haben. Unsere Misch-meister wurden für mich zu zeitlichen Ziehvätern. Nach meinem damaligen Studium ging ich für zweieinhalb Jahre in unser Werk nach Tarragona/Spanien, wo ich mich um die Produktionsintegration kümmerte.

Seit 2015 bin ich nun Mit-Geschäftsführer und habe neue Projekte wie den aktuellen Bau unseres Logistikzentrums, den Aufbau eines neuen Tochter-unternehmens in der Türkei oder auch die Einführung von SAP in meiner Obhut.

Mir liegen besonders das Wohl unserer Mitarbeiter und Ihrer Familien am Herzen. Durch sie wurden wir das, was wir heute sind und durch sie werden unsere Visionen Realität. Aber auch unsere landwirtschaftlich geprägte Region, mit ihren hochmodernen Betrieben und passionieren „Jungbauern“, sind ein wichtiger Teil für mein unternehmerisches Denken und Handeln. Ich freue mich auf alles, was kommt und weiß, dass unsere Region und unser Unternehmen durch die Produktion von qualitativen hochwertigen Produkten eine wichtige Bedeutung in der Nahrungskette übernimmt. Auch in Zukunft werde ich mich dafür stark machen, dass wir weiterhin Verantwortung für Mensch und Tier übernehmen.“

 

 

 

Linda Köberle (im Foto mit den Agrarhandels-junioren ganz rechts), 25-jährige Müllertech-nikerin und Betriebs-wirtin, gehört zum Nachwuchs in der Branche. Bevor sie im kommenden Jahr in den elterlichen Familienbetrieb in Oberstaufen einsteigt, sammelt sie berufliche Erfahrungen außerhalb der Firma:

„Ich bin quasi mit einer Futter- und Mehlmühle vor der Haustür aufgewachsen. Für mich war schon früh klar, dass ich beruflich in die Fußstapfen meines Vaters treten will. Dazu gehörte für mich zuallererst eine fundierte Ausbildung – deshalb habe ich zunächst Betriebswirtschaft im dualen System studiert. Meine Lehre als Groß- und Außenhandelskauffrau habe ich in dieser Zeit in einem norddeutschen Futtermittelwerk absolviert. Anschließend besuchte ich die deutsche Müllerschule in Braunschweig, an der ich die Prüfungen zur Müllertechnikerin und -meisterin ablegte.  
Ich finde es äußerst wichtig, außerhalb der gewohnten Umgebung möglichst viele unterschiedliche Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Deshalb habe ich mir verschiedene Firmen innerhalb der Branche angesehen - aktuell bin ich in der Geschäftsstelle des DVT, um auch die Arbeit des Branchenverbands kennenzulernen.

Außerdem ist mir der Austausch mit anderen jungen Leuten aus der Branche enorm wichtig und hilfreich. Wir, die Agrarhandelsjunioren, sind eine Gruppe, die sich auf der Bundeslehranstalt Burg Warberg zusammengefunden hat und regelmäßig trifft. Viele von uns sind Futterhändler oder Futtermittelhersteller. Wir besuchen in regelmäßigen Abständen verschiedene Betriebe in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands.“

 

 

Tilman Wilke (33) hat Veterinärmedizin studiert. Heute arbeitet er als Produktentwickler in einem Unternehmen in Niederzissen. Sein Spezialgebiet ist das Thema Aquakultur:

„Warum arbeite ich als ausgebildeter Tierarzt bei einem Hersteller für alternative Futtermittelzusatzstoffe? Ganz einfach: Das richtige Futter spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Tiere, durch eine optimale Ernährung lässt sich sehr viel bewirken. Unser Ziel ist es, sichere und wirkungsvolle Futtermittelzusatzstoffe zu entwickeln, die sowohl die Gesundheit der Tiere erhalten als auch die sogenannte Leistung verbessern.

Mein Schwerpunkt ist die Aquakultur – der am stärksten wachsende Bereich der weltweiten Tierhaltung. Hier gibt es große Herausforderungen, für die kreative und vor allem nachhaltige Lösungen gefunden werden müssen. Diese entwickeln wir gemeinsam im Team, das macht sehr viel Spaß. Testen können wir unsere neuen Fütterungskonzepte direkt in der firmeneigenen Aquarienanlage.

Ein Großteil meiner Arbeit findet in einem internationalen Umfeld statt. Ich bin im ständigen Kontakt mit unseren weltweiten Kunden und Vertriebspartnern und berate diese auch bei der Planung, Durchführung und Auswertung eigener Produkttests. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen. Dadurch werden immer wieder neue, spannende Projekte auf den Weg gebracht.

In meiner Position habe ich die Chance, die Zukunft der globalen Ernährung von Tieren und Menschen ein Stück weit mitzugestalten – und manchmal sogar Pionierarbeit zu leisten.“

 

 

Dr. Pia Münster (33 Jahre, Agrarbiologin) ist Spezialistin für Hygienemanagement in einem Mischfutterunternehmen in Dinklage und berät Tierhalter in Fragen der Futter- und Tierhygiene:

„Der beste Schutz ist Sauberkeit – das bekommen wir schon als Kinder eingetrichtert. Ob es um Hände waschen vor dem Essen geht oder um eine saubere Küche, wo wir unsere Lebensmittel zu leckeren Speisen zubereiten – Hygiene ist das A und O, um Krankheiten vorzubeugen. Genauso wichtig ist dieses Thema auch für unsere Tiere im Stall.

Das beste, sauberste und sicherste Futter kann für Tiere zum Risiko werden, wenn nicht auch im Bereich der Futterlagerung, wie in den Silos, und im Stall und Trog für Sauberkeit gesorgt wird. Leitfäden und andere schriftliche Anweisungen können in der Praxis oft schwierig umgesetzt werden. Meine Aufgabe ist es, Landwirten praktische Tipps und hilfreiche Hinweise zum Beispiel in der richtigen Anwendung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln an die Hand zu geben. Ein gutes Betriebsmanagement einschließlich gut umgesetzter und regelmäßiger Hygienemaßnahmen beugt nämlich auch Infektionen vor und hält die Tiere gesund. Und das ist im Sinne aller – Tier und Mensch."

 

 

Grit Monse (46), Diplom-Chemikerin, Leiterin der Qualitätskontrolle in einem Chemiebetrieb in Röthenbach an der Pegnitz:

„Ebenso winzig wie unverzichtbar ist die Menge Natriumselenit, die einer Tonne Mischfutter zugesetzt wird. Mit dieser Tonne Futter kann man beispielsweise eine Muttersau grob gerechnet ein Jahr, in dem sie ca. zweimal trächtig ist und ihre Ferkel aufzieht, ernähren.

Alle höheren Lebewesen und auch der Mensch benötigen das Spurenelement Selen. Und weil unsere Böden und damit die darauf wachsenden Pflanzen zu wenig davon enthalten, wird es dem Futter für unsere Tiere zugefügt, um sie gesund und leistungsfähig zu erhalten. Auch Tiere in Bio-Betrieben sind auf diese Ergänzung angewiesen, denn überwiegend regional erzeugtes Futter und umfangreiche Weidehaltung können den Selenbedarf nicht immer decken.

Der Beitrag von mir und meinen Kollegen zur Tierernährung ist es, aus Selen, das bei der Kupferherstellung gewonnen wird, Natriumselenit zu machen und dieses in eine gut handhabbare Form zu bringen. So können Mischfutterhersteller es dann entsprechend den wissenschaftlichen Empfehlungen genau und zuverlässig in ihren Produkten dosieren."

 

 

Barbara Höck (31) hat Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Tierernährung studiert. Sie ist als Produktmanagerin verantwortlich für Pferdefutter und Kleintierfutter in einer Firma in Düsseldorf:

"Ich bin selbst leidenschaftliche Reiterin - und mir liegt viel an qualitativ gutem Futter. Ich würde fast sagen: Ich bin mindestens so kritisch wie unsere Kunden. Da passt mein Job schon ziemlich gut mit meinem Hobby zusammen.

Früher war das Pferd ein Arbeitstier, heute ist es unser Freizeitpartner. Die frühere Bedeutung sieht man heute noch in Statistiken und im Futtermittelrecht, wo Pferde als Nutztiere auftauchen. Die Anforderungen ans Futter und die Rohstoffe sind hoch - die Kontrollen und die Qualitätssicherung sind die gleichen wie bei Futter für Tiere, von denen wir Lebensmittel bekommen (Rind, Schwein, Geflügel).

Da steckt viel wissenschaftliches Know-how drin - wir Tierernährer suchen je nach Futterart geeignete Rohstoffe aus und fügen sie in passende Mengen zusammen - wie beim Kuchen backen. Es gibt verschiedene Rezepte - denn ein Turnierpferd hat ja auch andere Bedürfnisse als ein Fohlen oder ein reines Hobbypferd. So ein Futter muss vieles gleichzeitig erfüllen: Es muss optimal fürs Tier sein und es mit allem, was es braucht, versorgen. Gleichzeitig soll es auch ansprechend sein und schmecken. Deshalb geht es auch zwischendurch raus aus dem Büro ins Labor, wo wir uns selbst noch zusätzlich einen Eindruck von dem Futter verschaffen: und das mit allen Sinnen. Und wir kosten es auch schonmal selbst. ;-)"

 

 

Manfred Bierlein (52), Dipl.Ing.(FH), ist Betriebsleiter in einem Mischfutterwerk in Emskirchen:

„In einem Futtermittelwerk steht ein großer Maschinenpark. Die Produktion ist weitestgehend automatisiert. Ich sorge dafür, dass die Produktion nicht still steht.

Das Thema Wartung und Instandhaltung ist dabei sehr wichtig. Zum einen müssen sich die Investitionen amortisieren und anderseits können wir uns keinen Stillstand leisten. Schließlich benötigen unsere Kunden, die Tierhalter, auf Bestellung ihr Futter – da brauchen wir keine technische Störungen. Einzelteile wie die Schläger in einer Mühle, Wellen eines Mischers oder Matrizen in einer Pelletpresse werden stark beansprucht. In der eigenen Werkstatt, über Handwerkskollegen oder mit Vertragspartnern wird die Reparatur oder der Austausch abgearbeitet.

Größere Investitionen sind auch immer mal wieder vonnöten. Die Anschaffung neuer Maschinen und Technik muss wohl überlegt werden. Aber unabhängig davon ist es wichtig zu wissen, wie sich die Technik weiterentwickelt und was es an Neuigkeiten auf dem Markt gibt. Hier helfen vereinzelt Fachzeitschriften, aber vor allem Fachmessen, wie kürzlich die VICTAM in Köln. Hier kann man sich dann in Ruhe Details ansehen und Gespräche führen - und ist so informiert, wenn das Thema in der eigenen Firma wieder mal aktuell wird.“

 

 

Patrick Kriebel (34, Geschäftsführer, rechts im Bild) und Christian Haggenmiller (33, Qualitätsbeauftragter) von einem Mischfutterunternehmen in Senden/Iller:

"Mischfutterwerke sind alt und verstaubt? Von wegen. Der Schein trügt vielleicht manches Mal von außen. Aber innen können Technikbegeisterte schonmal leuchtende Augen bekommen: Die Leistungen unserer Maschinen, wie zum Beispiel Waagen, Mühlen, Mischer oder Pressen, sind schon beeindruckend.

Wir haben kürzlich neu gebaut und investieren gern in moderne Technik und damit in die Sicherheit - für unsere Kunden, unser Futter und damit auch in unsere Lebensmittel!"

 

 

Mathis Borcherding, 26 Jahre alt, gelernter Müller und Produktionsleiter, Schweringen (Niedersachsen), ist einer der Menschen, die in der Futterbranche arbeiten:

„Ich sorge mit meinem Team dafür, dass die gesamte Produktion im Werk reibungslos verläuft. Das beginnt bei einer optimalen Planung der verschiedenen Fahrten und Herstellungsaufträge. Dazu kommt die Prüfung der Rohwaren, die uns geliefert werden, und die Betreuung und Wartung der Technik und Abläufe im gesamten Werk, damit wir termingerecht das bestellte Futter in gewünschter Menge und Qualität herstellen können.

Warum ich hier gern arbeite? Ich komme hier aus der Region und wir haben hier ein gutes Verhältnis zu den Bauern, die wir beliefern. Ich trag gern meinen Teil dazu bei, dass ihre Tiere mit gutem Futter versorgt werden.“

 
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