Rechtliche Regelungen für unerwünschte Stoffe

Die futtermittelrechtlich wichtigsten „unerwünschte Stoffe“ sind in der EU-Richtlinie 2002/32/EG geregelt, die in nationales Recht in Anlage 5 der deutschen Futtermittel-Verordnung übernommen wurden. Generell gilt folgende Definition für unerwünschte Stoffe: „Stoffe - ausgenommen Tierseuchenerreger - , die in oder auf Futtermitteln enthalten sind und die Gesundheit von Tieren, die Leistung von Nutztieren oder als Rückstände die Qualität der von Nutztieren gewonnenen Erzeugnisse, insbesondere im Hinblick auf ihre Unbedenklichkeit für die menschliche Gesundheit, nachteilig beeinflussen können“.

Die wichtigsten unerwünschten Stoffe bzw. Stoffgruppen sind:

  • Dioxin
  • Aflatoxin B1
  • Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium oder Quecksilber
  • Chlorierte Kohlenwasserstoffe

Den unerwünschten Stoffen stehen rechtlich Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gleich, für die über einhundertfünfzig Höchstgehalte gelten. Diese Höchstgehalte für die sog. Pestizide sind in der EU-einheitlichen direkt geltenden Verordnung (EG) Nr. 396/2005 geregelt.

Alle Höchstgehalte unterliegen einer strengen Überwachung durch die Futtermittel-Kontrollbehörden.

Neben den mit Höchstgehalten geregelten unerwünschten Stoffe und Pflanzenschutzmittel gibt es weitere Stoffe, die als unerwünscht gelten, aber bislang keiner Höchstgehaltsregelung unterliegen. In diesen Fällen sind die generellen Schutzparagraphen des nationalen und europäischen Futtermittelrechts anzuwenden, nach denen es verboten ist, Futtermittel herzustellen, in den Verkehr zu bringen oder zu verfüttern, die geeignet sind die menschliche Gesundheit oder die Gesundheit von Tieren zu gefährden.

Die unerwünschten Stoffe unterscheiden sich hinsichtlich ihres Risikos für die Unbedenklichkeit von Nahrungsmitteln aus der Tierproduktion deutlich. So gibt es Stoffe, die gar nicht oder in sehr geringem Maß in die Lebensmittel übertragen werden. Andere wiederum können in den Produkten Milch, Ei und Fleisch wieder gefunden werden, wenn sie in den Futtermitteln enthalten waren.

Die EU hat mit der Richtlinie 2002/32/EG ein generelles „Verschneidungsverbot“ für Futtermittel mit festgesetzten Höchstgehalten an unerwünschten Stoffen erlassen. Das heißt, dass Futtermittel, die einen solchen Grenzwert an unerwünschten Stoffen aufweisen, weder zur Verdünnung vermischt noch verfüttert werden dürfen.

Von der Futterwirtschaft wird dieses undifferenzierte Prinzip kritisiert, da es die Übertragungsrate (Carry-over) der unerwünschten Stoffe in die Nahrungskette und ihre spezifischen Risikopotenziale nicht berücksichtigt.

Sinnvoll wäre nach Ansicht des DVT eine Unterscheidung der unerwünschten Stoffe in der Frage des Verschneidungsverbotes nach dem Risikopotenzial und der Carry-over-Rate in die Lebensmittel. Die geltende pauschale Verbotsregelung birgt die Gefahr in sich, dass ganze Partien von Rohstoffen mit geringfügig erhöhten Gehalten an unerwünschten Stoffen vernichtet werden müssen, obwohl sie bei sachgemäßer Verwendung keine Gefahr für die Verbraucher darstellen; denn bei weitem nicht alle unerwünschte Stoffe gehen auch in die Lebensmittel über.

Die intensive Beobachtung des Belastungsverlaufs von Rohwaren und die konsequente Nichtberücksichtigung von Rohwaren mit potentiell hohen Gehalten an unerwünschten Stoffen, die Schaffung und Nutzung von Datenbanken und häufige, neutrale Probeziehungen und Untersuchungen haben in den letzten 20 Jahren zu einer enormen Reduzierung der Belastung von Futtermitteln mit unerwünschten Stoffen geführt. Diese sehr früh auf freiwilliger Basis begonnen Arbeiten der Wirtschaft haben dazu beigetragen, dass die Beanstandungsraten in amtlichen Kontrollen für unerwünschte Stoffe in Mischfuttermitteln seit vielen Jahren konsequent unter 0,5 % gehalten werden konnten, obwohl dabei häufig auch Verfolgs- und Verdachtsproben in die Auswertungen einbezogen werden.

 
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