Unerwünschte & verbotene Stoffe

Vorkommen

Überall in der Umwelt kommen natürlicherweise vorhandene oder durch menschlichen Einfluss entstandene Stoffe vor, von denen man heute weiß, dass sie in bestimmten Formen, Konzentrationen oder auch bei unsachgemäßer Anwendung negative Folgen für Lebewesen und/oder deren Lebensräume haben können. Sie werden daher häufig auch als Schadstoffe oder unerwünschte Stoffe bezeichnet.

Viele der Stoffe waren in der Umwelt schon immer vorhanden, ohne dass wir es wussten. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Fortschritte der modernen Analytik ermöglichen es, bekannte und neue Substanzen in immer geringeren Konzentrationen nachzuweisen. Was „unerwünschte Stoffe“ sind und in welchen Konzentrationen sie noch „tolerabel“ sind, ist daher ein Prozess, der nie zum Abschluss kommen wird. Geht von den Stoffen jedoch erwiesenermaßen eine Gefahr für die Gesundheit von Mensch und/oder Tier und/oder die Umwelt aus, so muss ihre Entstehung soweit wie möglich unterbunden und der Einsatz dieser Stoffe verboten werden. Hier ist in der Regel der Gesetzgeber gefragt, der auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse zulässige Höchstwerte für das Vorhandensein bestimmter Stoffe festsetzt.

Dies gilt auch für unerwünschte Stoffe im Zusammenhang mit Futtermitteln.

Bei Futtermitteln handelt es sich häufig um landwirtschaftliche Primärerzeugnisse, die weiterverarbeitet werden. Schon die „Urprodukte“ können mit unerwünschten Stoffen in Berührung kommen, beispielsweise in dem die Böden, die Luft, das Wasser oder andere Medien, mit denen die Pflanzen in Berührung kommen, belastet sind. Schwermetalle und Dioxine sind klassische Beispiele für solche Umwelteinträge.

Teilweise bilden auch die in der Natur vorkommenden Mikroorganismen selbst Schadstoffe, die futtermittelrechtlich als unerwünschte Stoffe behandelt werden (z. B. Pilzgifte). Selbst einige Pflanzen und Pflanzenteile gelten als „unerwünscht“ für Futtermittel (Rizinusarten, bestimmte Unkrautsamen usw.).

Ziel ist es daher, das Vorkommen solcher Stoffe, die über Futtermittel dann auch in Lebensmittel tierischen Ursprungs übergehen könnten, so weit wie irgend möglich zu minimieren. International und im Sprachgebrauch der EU hat sich das ALARA-Prinzip durchgesetzt (ALARA = as low as reasonable achievable – so niedrig, wie nach den Umständen (vernünftigerweise) erreichbar).

Angesichts weltweit knapper werdender Rohstoffreserven muss allerdings auch gefragt werden, wie lange man sich die ständige, weitere Reduzierung von Höchstgehalten an Stoffen erlauben kann, die als unerwünscht gelten, aber überall in der Umwelt vorkommen. Eine Reduzierung der Höchstgehalte an Unerwünschten Stoffen einzig als Selbstzweck darf es sicher nicht geben. Die stärkere Orientierung an den tatsächlich zu befürchtenden Schäden bzw. deren Vermeidung muss bei der Festsetzung von Höchstgehalten stärker in den Vordergrund treten. Allein die verbesserte Analytik in immer noch kleineren Spuren kann nicht die Richtschnur für Höchstgehalte sein.

Der Fund unerwünschter oder verbotener Stoffe hat in früheren Jahren zu mehreren Vorfällen geführt, die in der Öffentlichkeit pauschal unter dem Begriff „Futtermittelkrisen“ subsumiert wurden.

Bei näherer Betrachtung lässt sich feststellen, dass in allen Fällen die Rohwaren (Futtermittel- und Lebensmittelausgangserzeugnisse) mit unerwünschten oder auch verbotenen Stoffen belastet waren, die dann zur direkten Verfütterung an die Landwirtschaft oder aber zur Weiterverarbeitung an Mischfutter- oder Lebensmittelhersteller abgegeben wurden.

In der Mischfutterherstellung selbst können prozessbedingt unerwünschte Stoffe nach heutiger wissenschaftlicher Kenntnis praktisch nicht entstehen. Im Rahmen der Rohwareneinganskontrollen werden zwar risikoorientierte Untersuchungen der Rohwaren durchgeführt, bei der Vielzahl unerwünschter und verbotener Stoffe kann ein Hersteller jedoch aus verständlichen Gründen nicht jede Rohkomponente auf jede – potenziell mögliche – Substanz untersuchen. Hier muss der Grundsatz gelten: jeder ist für sein Produkt verantwortlich: der Rohwarenproduzent für seine Rohwaren, der Mischfutterhersteller für seine Produkte. Eine konsequente Kontrolle und Überwachung des Rohwarenbereichs - auch amtlicherseits - scheint vor diesem Hintergrund unerlässlich.

Dazu zählen auch die – zumeist importierten – Futtermittel-Zusatzstoffe bzw. Rohwaren dazu. Insbesondere Spurenelementverbndungen aus dem fernen Osten sind in den vergangenen Jahren verstärkt auffällig gewesen, da sie zu hohe Mengen an Schwermetallen beinhalteten. Generell ist zu begrüßen, dass die EU die Regelungen der Unerwünschten Stoffe auch auf die Futtermittel-Zusatzstoffe ausgeweitet hat.

Durchaus kontrovers verlaufen die Diskussionen dagegen in der Frage der Aufnahme von an sich erwünschten Zusatzstoffen (z. B. Kokzidiostatika) in die Liste der Unerwünschten Stoffe, um damit eine gewisse Tolerierung von Höchstgehalten solcher Stoffe in Futtermitteln zu realisieren, für die sie aber eigentlich keine Zulassung besitzen. Die Aufnahme in die Liste der Unerwünschten Stoffe stellt zwar einen sehr pragmatischen und verwaltungstechnisch einfachen Schritt dar. Gleichwohl sollten erwünschte Zusatzstoffe nicht gleichzeitig als „Unerwünschte“ Stoffe gelistet werden. Der Gesetzgeber ist in diesem Punkt aufgefordert, mittel- und langfristig nach anderen Lösungen zu suchen.

 
Anmelden
In Kürze

Ziel ist, das Vorkommen solch Unerwünschten Stoffe, die über Futtermittel dann auch in Lebensmittel tierischen Ursprungs übergehen könnten, so weit wie irgend möglich zu minimieren. International und im Sprachgebrauch der EU hat sich das ALARA-Prinzip durchgesetzt (ALARA = as low as reasonable achievable – so niedrig, wie nach den Umständen (vernünftigerweise) erreichbar).
 
Angesichts weltweit knapper werdender Rohstoffreserven muss allerdings auch gefragt werden, wie lange man sich die ständige, weitere Reduzierung von Höchstgehalten an Stoffen erlauben kann, die als unerwünscht gelten, aber überall in der Umwelt vorkommen. Eine Reduzierung der Höchstgehalte an Unerwünschten Stoffen einzig als Selbstzweck darf es sicher nicht geben. Die stärkere Orientierung an den tatsächlich zu befürchtenden Schäden bzw. deren Vermeidung muss bei der Festsetzung von Höchstgehalten stärker in den Vordergrund treten. Allein die verbesserte Analytik in immer noch kleineren Spuren kann nicht die Richtschnur für Höchstgehalte sein.

Anmelden