Wiederzulassung tierischer Fette in der Ernährung von Wiederkäuern

  • Sogenannte Milchaustauscher sind in der Aufzucht von Kälbern eine verbreitete Alternative zur Kuhmilch. Sie bieten den Kälbern eine optimale Ernährung und tragen gleichzeitig zu einer Steigerung der Effizienz in der Milchproduktion bei.
  • Zusätzlich zu anderen EU-weiten Maßnahmen wurde in Deutschland der Einsatz von tierischen Fetten in der Ernährung von Wiederkäuern im Jahr 2000 verboten. Das Verbot war eine auf Deutschland beschränkte Vorsichtsmaßnahme im Rahmen der BSE-Krise und wirkte sich zuletzt vorrangig auf die Herstellung von Milchaustauschern aus.
  • Das Verbot wurde im Juni 2017 wieder aufgehoben. Grundlage dafür war eine Neubewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Außerdem hatte das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber zur Überprüfung der Rechtslage aufgefordert.
  • Die Wiederzulassung bezieht sich generell auf Wiederkäuer, hat aber nur in der Ernährung von Kälbern nennenswerte Bedeutung. Der Marktanteil von Futtermitteln für die Kälberaufzucht liegt in Deutschland bezogen auf Mischfuttermittel bei deutlich unter 2 Prozent.
  • Mit der Wiederzulassung wird eine einheitliche europäische Rechtsgrundlage wiederhergestellt. Für die Kälbermäster werden damit Wettbewerbsverzerrungen abgebaut und Handlungsspielräume geschaffen.


Wesentliche Fakten

  • Als Reaktion auf die BSE-Krise trat in Deutschland mit Wirkung vom 02.12.2000 ein Verfütterungsverbot für alle aus warmblütigen Landtieren gewonnenen proteinhaltigen Futtermittel an Lebensmittel liefernde Tiere in Kraft.
  • Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme wurde (nur in Deutschland) die Verfütterung tierischer Fette an Nutztiere verboten.
  • Für die EU galt dagegen erst ab Anfang 2001 ein Verfütterungsverbot für alle aus warmblütigen Landtieren gewonnenen proteinhaltigen Futtermittel an Lebensmittel liefernde Tiere.
  • Für Schweine und Geflügel wurde das deutsche Verfütterungsverbot für tierische Fette bereits im Jahr 2009 wieder aufgehoben.
  • In einer Neubewertung vom Juni 2012 kam das Bundesinstitut für Risikobewertung zu dem Schluss, „dass mit der Verfütterung von tierischen Fetten an Wiederkäuer kein erhöhtes BSE-Risiko für den Verbraucher zu erwarten ist.“
  • 2016 empfahl das Bundesverfassungsgericht der Bundesregierung, das Verbot zu überprüfen.
  • Das Gesetz zur Änderung futtermittelrechtlicher und tierschutzrechtlicher Vorschriften wurde im Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 44 vom 05.07.2017 verkündet und trat mit diesem Teil am 06.07.2017 in Kraft.
  • Damit wurde das seit dem 02.12.2000 in Deutschland geltende Verfütterungsverbot für tierische Fette an Wiederkäuer zurückgenommen.
  • 2016 wurden in Deutschland 23,5 Millionen Tonnen Mischfutter produziert. Davon dienten 29 Prozent der Ernährung von Rindern (Rindermast und Milchkühe) und 1,2 Prozent der Aufzucht von Kälbern.


Hintergrund

  • Neben Proteinen und Kohlehydraten sind Fette in der Ernährung für Mensch und Tier überlebenswichtig. Pflanzliche und tierische Fette sind Energielieferanten und erschließen unter anderem wichtige Vitamine für den Körper.
  • In der Tiernahrung können tierische Fette in der Kälberaufzucht eine entscheidende Rolle spielen.
  • Milchaustauscher sind speziell zusammengestellte Futtermittel für Kälber. Sie haben ähnliche ernährungsphysiologische Eigenschaften wie die Kuhmilch und können diese ersetzen.
  • Um eine der Kuhmilch vergleichbare Fettqualität in den Milchaustauschern zu erreichen, müssen harte, gesättigte Fettsäuren eingesetzt werden. Diese findet man in den tierischen Fetten oder in diversen pflanzlichen Fetten – wie beispielsweise in Palm- oder Kokosfett.
  • Weiche pflanzliche Fette wie das heimische Rapsöl sind hierfür eher ungeeignet.


Ansprechpartner
Dr. Hermann-Josef Baaken
Sprecher der Geschäftsführung
Deutscher Verband Tiernahrung e. V. (DVT)
Tel. 0228 97568-29, mobil 0173 5435644
E-Mail: baaken@dvtiernahrung.de


Stand 7. November 2017


 
Anmelden
Links und Downloads

DVT-Info und -Position zur Wiederzulassung tierischer Fette an Wiederkäuer (07.11.2017)

Anmelden