QM-Maßnahmen Futtermittelherstellung

Am Beispiel der Mischfutterherstellung lassen sich die einzelnen Qualitätssicherungsmaßnahmen von der Anlieferung der Rohwaren bis zur Auslieferung der fertigen Produkte beschreiben:

1. Rohstoffmanagement und Einkauf

Die Qualität eines Mischfutters kann nur so gut sein wie die Qualität der einzelnen Rohstoffe, aus denen es hergestellt wird. Das erfordert ein systematisches Rohstoffmanagement. Die Mischfutterhersteller verpflichten ihre Lieferanten, definierte Qualitätsanforderungen einzuhalten. Vielfach müssen die Vorlieferanten sogar eigene Qualitätsmanagementsysteme vorweisen. Der Einkauf der Rohstoffe für das Mischfutter erfolgt nach festgelegten, international anerkannten Kriterien auf der Grundlage von Produktbeschreibungen. Es ist selbstverständlich, dass dabei sowohl die gesetzlichen als auch die kundenspezifischen und freiwillig vereinbarten Forderungen berücksichtigt werden. Besonderes Augenmerk legen die Einkäufer auf chemische, mikrobiologische und physikalische Verunreinigungen, für die es gesetzliche Grenzwerte gibt. Darüber hinaus spielen auch die Inhaltstoffe der Rohstoffe eine wichtige Rolle, nach denen jede Mischfuttersorte an den art- und leistungsspezifischen Bedarf der Tiere angepasst wird.

2. Eingangskontrollen

Die Rohprodukte werden in Eingangsprüfungen auf die Einhaltung der vereinbarten Produktspezifikationen geprüft. Die Grundlage sind Prüfpläne, in denen

  • die zu analysierenden Merkmale,
  • die Häufigkeit,
  • die anzuwendenden Methoden und
  • Art der Prüfmittel festgelegt sind.

Darüber hinaus werden die wertbestimmenden Inhaltsstoffe entweder durch eigene Labore oder durch anerkannte Prüfstellen analysiert. Diese Ergebnisse und die von externen Institutionen aufgrund von Abkommen in Auftrag gegebenen Analysen werden erfasst, ausgewertet und fließen anschließend in die Rezepturgestaltung ein. Die aus Übersee stammenden Rohprodukte werden in der Regel bereits in den Einfuhrhäfen von vereidigten Probenehmern beprobt und von neutralen Laboren auf unerwünschte Stoffe und Produkte untersucht. Die Prüfergebnisse liegen größtenteils vor, bevor die Rohstoffe die Mischfutterwerke erreichen.

3. Transportkontrolle bei Anlieferung 

Um ein Verschleppen von Verunreinigungen und mikrobiologischen Krankheitserregern zu verhindern, werden die für den Transport eingesetzten Schiffe und LKW vor der Beladung auf Sauberkeit, Hygiene und vorher transportierte Güter überprüft. Die Ergebnisse der Kontrollen, die Ladefolgen und die durchgeführten Reinigungsschritte werden schriftlich festgehalten.

4. Kontrolle des Produktionsprozesses 

Die wichtigsten Prozesse in der Mischfutterproduktion sind das Mahlen, Dosieren, Mischen, Pressen und Kühlen der gepressten Produkte. Durch regelmäßige Anlagentests werden

  • Dosier- und Mischgenauigkeit,
  • Verschleppungsgrad der Förderaggregate und Maschinen,
  • der Hygienisierungseffekt der Pressanlagen und
  • der generelle Hygienezustand durch mikrobiologische Analysen in den Produktionsanlagen geprüft. 

Diese Positionen werden teilweise auch durch die Landesbehörden überwacht. Während der Mischfutterproduktion wird besonderes Augenmerk gerichtet auf

  • die ordnungsgemäße Verarbeitung von Zusatzstoffen sowie
  • die Einhaltung der Grenzwerte für kritische Stoffe und Produkte durch die Beachtung von festgelegten Produktionsreihenfolgen und
  • die Durchführung von Spülchargen zur Vermeidung der Verschleppung dieser Substanzen. 

In vielen Unternehmen werden diese Prozesse durch Prozessrechner elektronisch überwacht. An einige Produkte werden spezifische Hygieneanforderungen gestellt, z. B. an Geflügelfutter: Die Temperaturbehandlung dieser Produkte während des Pelletierprozesses oder anderer Erhitzungsverfahren und die anschließende ordnungsgemäße Kühlung müssen unbedingt sichergestellt werden. Für die Produktion von Vormischungen und Mineralfutter müssen darüber hinaus besondere Vorgaben hinsichtlich Dosiergenauigkeit der Aggregate und Homogenität der Produkte beachtet werden.

5. Rückverfolgbarkeit

Die Rückverfolgbarkeit der Produkte über alle Prozessschritte von der Rohstoffeinlagerung bis zum Fertigwarenversand ist eine Grundforderung der Futtermittelsicherheit und darüber hinaus gesetzlich festgeschrieben. Durch eine systematische, rechnergestützte Dokumentation aller Ein-, Aus- und Umlagerungsprozesse sowie Verarbeitungsstufen wird dies sichergestellt. Der Rückverfolgbarkeit und Dokumentation einer ordnungsgemäßen Produktion dient ferner die Aufbewahrung von Rohwaren-, Produktions- und teilweise auch Lieferpartiemustern über mehrere Monate.

6. Lagerung im Werk

Eine sachgemäße Lagerung von Rohstoffen und fertigen Produkten im Werk ist Voraussetzung für eine hohe Produktqualität bis zur Auslieferung an den landwirtschaftlichen Betrieb. Schädlingsbekämpfung und Reinigungspläne sind daher selbstverständlich. Schließlich liegt es im Interesse des Herstellers, nachträgliche Wertminderungen aufgrund ungewollter Vermischungen und mikrobiologischer Verunreinigungen durch Schadorganismen wie Käfer, Insekten, Nagetiere und Vögel, so gering wie möglich zu halten.

7. Transportkontrolle bei Auslieferung

Viele Mischfutterhersteller verfügen über einen eigenen Fuhrpark. Andernfalls werden Spediteure eingesetzt, die ebenfalls über zertifizierte Qualitätsmanagementsysteme verfügen. Festgelegte Transportreihenfolgen sowie Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen stellen sicher, dass die Futtermittel hygienisch einwandfrei beim Landwirt ankommen. Diese Maßnahmen, die Umsetzung systematischer Wartungspläne und eine vorbeugende Instandhaltung gewährleisten die Einhaltung der Produktspezifikationen und eine termingerechte Belieferung der landwirtschaftlichen Betriebe.

 
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Hazard Analysis - Critical Control Points ist ein Grundbestandteil von Qualitätsmanagementsystemen. Die QS Qualität und Sicherheit hat gemeinsam mit der niederländischen Produktschap Diervoeder ein HACCP-Musterhandbuch entwickelt und veröffentlicht, das beispielhaft QM-Abläufe beschreibt.

 

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